Waffengeschäft: Ist Ladenschluss bei viertem Lockdown?. Der Boom des ersten Lockdowns hat beim Hollabrunner Waffengeschäft mittlerweile ins volle Gegenteil umgeschlagen.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:36)
Der Besitzer des Waffengeschäfts in der Hollabrunner Bahnstraße, Erich Richter, blickt pessimistisch in die Zukunft und schließt derzeit selbst eine dauerhafte Schließung nicht aus.
Enzmann

Die jüngste Analyse des Marktforschungsinstituts Branchenradar.com, nach der im Jahr 2020 so viele Waffen wie noch nie gekauft wurden, kann Erich Richter nicht nachvollziehen. Der Geschäftsführer des Jagd- und Outdoorgeschäfts in Hollabrunn klagt über Umsatzeinbußen von bis zu 90 Prozent. Während seine Kunden das Geschäft vor dem ersten Lockdown noch leergekauft hätten, ist die Stimmung bei ihm nun düster.

Diese Zäsur würden auch Richters Hauptlieferanten – Ruag-Ammotec, Dschulnigg und Rohof – bestätigen. Im zweiten Lockdown durfte der Waffenhandel nur eingeschränkt offenhalten, etwa für Jäger, die Munitionsnachschub brauchten. Die Nachfrage bei der Zivilbevölkerung sei damals schon weggebrochen. Wo sich in Normalzeiten 30 bis 40 Kunden pro Tag im Jagd- und Outdoorgeschäft in der Hollabrunner Bahnstraße getummelt hatten, habe sich die Zahl im zweiten Lockdown oft auf zwei Kunden pro Tag reduziert. Jetzt, im dritten Lockdown, wo die Jagdsaison beendet ist, sind nicht nur Schießstätten, sondern auch Jagdgeschäfte geschlossen.

Und wie steht es um die Beliebtheit von gebrauchten Waffen? Da gibt es erneut unterschiedliche Meinungen. Das Marktforschungsinstitut fand heraus, dass „im Vergleich zu 2019 die Nachfrage nach gebrauchten Gewehren um fast 16 Prozent und nach gebrauchten Handfeuerwaffen um rund sieben Prozent stieg“. Erich Richter meint dazu: „In unserem Geschäft kauft niemand Gebrauchtwaffen. Das sind Kaliber, die nicht mehr so gängig sind.“

Zwar stelle er diese Secondhand-Ware auch auf die Internetplattform Waffengebraucht.at, die sei aber nicht der Verkaufsschlager. Richter blickt sehr pessimistisch in die Zukunft: „Falls es einen vierten Lockdown geben wird, werde ich das Geschäft für immer zusperren müssen“, erzählt er im NÖN-Gespräch.

Einen besonderen Waffenboom oder Zulauf von Mitgliedern bemerkt auch Herwig Schneider, Obmann des Jagd- und Sportschützenclubs Hollabrunn (JSC), nicht. „Als Privatperson glaube ich, dass es immer in Zeiten höherer Verunsicherung zu derartigen Auswirkungen kommt“, bestätigt er aber die Einschätzung der Polizei, was kurzfristig ansteigende Waffenkäufe betrifft.

Er sei überdies der Meinung, „dass wir ein strenges Waffengesetz haben, das laufend angepasst wird. Mit Jahresende sollten alle Schusswaffen in Privatbesitz zentral registriert sein, was ich absolut befürworte.“

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