Warten aufs PCR-Testergebnis ist eine Odyssee

Viele Bürger aus dem Bezirk Hollabrunn sind auf ein PCR-Testergebnis angewiesen, bekommen es aber verspätet oder gar nicht.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:28
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Bereits vor dem Lockdown für alle schien es, als hätten die „PCR-Tester“ aufgegeben: Beim Hollabrunner Spar kämpften manche mit der virtuellen Warteschlange am Handy, bevor sie einen Test ein-werfen oder sich neue holen dürfen.
Foto: NÖN

Am Dienstag schaust du ständig auf dein Handy, weil du am Montag brav vor 10 Uhr einen PCR-Test eingeworfen hast. Das Ergebnis sollte langsam eintreffen. Es ist Dienstagabend, das Ergebnis steht aus. Mittwochfrüh wirfst du erneut eine Probe ein. Immer noch optimistisch. Einmal kann ja etwas schiefgehen, denkst du dir. Das Ergebnis vom Montag erhältst du nie. Das vom Mittwoch ebenfalls nicht. Ein unglücklicher Einzelfall?

Leider nicht, wie die Recherche der NÖN zeigt. Es gab zahlreiche Rückmeldungen, dass die Testkits zwar verfügbar sind, doch die Ergebnisse nicht eintreffen.

Ergebnis nicht mehr gültig

Raphaela Berger aus Retz gehört zu den Leidgeplagten. Sie hat vier Proberöhrchen am Montag der Vorwoche zur Auswertung abgegeben und hing zunächst in einer virtuellen Warteschleife, nur um den Abnahmezeitpunkt der Testung anzugeben. Das kann schon einmal 50 Minuten dauern. Nur eine der vier Proben wurde ausgewertet. „Ich habe mein Ergebnis immer noch nicht“, sagte die Retzer Heilmasseurin im NÖN-Gespräch am Donnerstag, vier Tage danach. Das Ergebnis wäre ohnehin nicht mehr gültig.

Streng genommen dürfte die Retzerin ohne den Nachweis gar nicht arbeiten, 3G gilt am Arbeitsplatz. „Ich arbeite trotzdem und warte eigentlich schon auf eine Anzeige …“

Patienten nicht im Stich lassen

Ihre Patienten will sie aber nicht im Stich lassen. „Ich hab’ auch gestern wieder eingeworfen. Das war aber sinnlos, weil ich mich nicht mal mehr anmelden konnte, um den Test zu registrieren“, schüttelt die Unternehmerin den Kopf über das überlastete System.

Ähnlich geht es Elke Schodl. Die Hollabrunnerin betreibt einen Friseursalon in Korneuburg. Auch sie bräuchte ein negatives PCR-Ergebnis, um arbeiten zu dürfen. „Die Testkits waren zwar verfügbar, aber die Seite zur Anmeldung war überlastet. Das alles ist ein Krampf“, sagt sie und hat Antigenschnelltests parat, sollte die Polizei zur Kontrolle kommen. Denn Arbeiten muss die Selbstständige trotzdem. „Ich habe bereits extreme Einbußen.“

Einem Hollabrunner Lehrling macht es Probleme, dass er als Ungeimpfter nun einen 2G-Nachweis erbringen muss. „Wir sind keine Corona-Leugner“, betont sein Vater Maximilian Eichinger im NÖN-Gespräch, die ganze Familie war im Februar an Corona erkrankt, „glücklicherweise bei uns allen ohne Symptome“. Dem „neuartigen Impfstoff“ traut die Familie noch nicht.

Eichingers 17-jähriger Sohn ist Lehrling im Einzelhandel. Einmal musste er um 15 Uhr nach Hause gehen, weil sein Antigentest zu diesem Zeitpunkt ablief. Einen Tag vorher musste er sich schon Urlaub nehmen, weil eine falsche Uhrzeit – 7.55 Uhr statt 17.55 Uhr – eingetragen war. Das bedeutet: Minusstunden.

Ergebnis kam zu spät: Keine Arbeit, kein Spitalsbesuch

Der Lehrling gab einen PCR-Test beim Hollabrunner Spar ab, ein Ergebnis bekam er nicht. Die Öffnungszeiten der Teststraße in Hollabrunn reichen für den Teenager nicht aus. „Wir müssen heute noch nach Floridsdorf fahren, dort ist die Teststraße bis 21 Uhr geöffnet“, schildert sein Vater und denkt an eine weitere Belastung durch die derzeitigen Benzinpreise.

Ein anderes Schicksal ereilte Sonja Mayer. Sie ist zwar doppelt geimpft, brauchte aber ein PCR-Testergebnis, um ihren Vater in einem Wiener Krankenhaus zu besuchen. Dort gilt der PCR-Test nur 48 Stunden. Das Ergebnis kam nach 35 Stunden. „Das hieß für mich: kein Besuch bei meinem Vater. Was soll das?“ Am darauffolgenden Wochenende „hab’ ich gar keinen passenden Testtermin in den Hollabrunner Apotheken bekommen“, konnte sie ihren Vater wieder nicht besuchen. Denn die Testkits, die beim Spar verteilt wurden, waren vergriffen.

Damit spricht Mayer ein weiteres Problem an: Die Hollabrunner Apotheken bieten nur an vereinzelten Tagen PCR-Tests an, in Haugsdorf und Ziersdorf kann man fast täglich einen Termin ausmachen.