Wildunfälle: Runter vom Gas, wenn es dämmert. Auch im Bezirk Hollabrunn steigt die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Tiere – mit weiterhin hoher Dunkelziffer.

Von Christoph Reiterer und Franz Enzmann. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:14)
„Auf Wildwechselgefahrenzeichen achten“, appelliert Bezirksjägermeister Wolfgang Strobl.
Franz Enzmann

Nicht wenige Autofahrer haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie in der Dämmerung oder in den Nachtstunden im Freiland unterwegs sind. Denn in dieser Zeit ereignen sich besonders viele Wildunfälle. Dass besonders im Bezirk Hollabrunn schon viele Menschen diesbezüglich eine böse Überraschung erlebt haben, zeigt die Statistik.

Das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der österreichische Versicherungsverband VVO mahnen, in Wildwechselzonen besonders achtsam zu sein und die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. Immerhin kommt es laut jüngster Statistik in Österreich etwa alle sieben Minuten zu einem Unfall mit einem Wildtier.

Zahl der Wildunfälle steigt

Die Zahl der Wildunfälle steigt. So wurden im Bezirk Hollabrunn im Jahr 2019 889 Unfälle mit Rehwild (2018: 786), 1.303 mit Feldhasen (2018: 847) und 369 mit Fasanen (2018: 290) registriert. Gerade im Herbst häufen sich die Zwischenfälle. Bezirksjägermeister Wolfgang Strobl hat dafür eine schlüssige Erklärung: „Am Tag ruht das Wild, doch im Herbst fallen die Pendlerzeiten in die Dämmerung.“

Besonders gefährlich sei es dort, wo im Freiland eine längere Waldstrecke endet und Äcker folgen. Hotspots seien nicht zuletzt entlang von Deckungen (Maisfelder) oder Äsungsflächen (Zuckerrüben).

Wie man sich wappnen kann? An Unfallhäufungspunkten werden in Absprache mit der Straßenmeisterei nach Möglichkeit (kostenintensive) Wildwarngeräte angebracht, so Stobl, der auch rät: „Keine Deckungen, Fütterungen, Wasserstellen und Wildäcker für das Wild im Nahbereich stark befahrener Straßen anlegen!“

Geschwindigkeit reduzieren und auf Gefahrenzeichen achten

Lenkern rät er, die Geschwindigkeit in der Dämmerungszeit am Morgen und Abend zu reduzieren und auf Wildwechselgefahrenzeichen zu achten. „Beim Übersetzen der Straße von Wild sollte man anhalten und kurz zuwarten, da noch weitere Stücke, vor allem bei Reh und Schwarzwild, die Straße queren könnten.“ Im Fall eines Unfalls soll die Jägerschaft über die Polizei (133 oder 112) verständigt werden, da das Wild sehr oft nur verletzt wurde und vom Jäger nachgesucht werden muss.

Die Steigerung der Wildunfälle gehe im Übrigen parallel mit der Steigerung des Verkehrsaufkommens. So wurde gerade im Bezirk in den Jahren nach der Grenzöffnung zu Tschechien – mit vielen Tagespendlern – ein starker Zuwachs registriert.

Die Dunkelziffer an nicht gemeldeten Unfällen sei groß, weiß Strobl, „vor allem im Bereich des Niederwildes – Hase und Fasan – und beim Rehwild, wenn keine Versicherung besteht bzw. bei Alkolenkern“.

Landesjagdverband NÖ; Foto: SciePro/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Der langjährige Jagdleiter Erich Zöchmann aus Roseldorf registrierte bis zum heurigen Oktober indes „nur“ vier tote Rehe im Straßenverkehr. „In den früheren Jahren waren es immer zehn bis zwölf Stück Rotwild, die durch ein Fahrzeug getötet wurden.“ Durchs Roseldorfer Jagdrevier führen die B 2 sowie zwei stark frequentierte Landesstraßen. In dem Abschnitt, in dem verstärkter Wildwechsel festgestellt wird, sollen Reflektoren die Tiere abschrecken.

Und was rät eigentlich der Versicherer? „Wichtig für den Fahrzeughalter ist, dass ein Wildschaden unverzüglich bei der Polizei gemeldet werden muss“, betont Alexander Stöger, Gebietsleiter der Niederösterreichischen Versicherung. Man könne nur empfehlen, vorausschauend zu fahren, die Geschwindigkeit der Witterung anzupassen, Strecken zu wählen, die weniger vom Wildwechsel gefährdet sind, und rechtzeitig auf gute und neuwertige Winterräder zu wechseln, damit die Bremswege so gering wie möglich sind.

„Versichert ist der Wildschaden in der Teilkasko- oder in der Vollkaskoversicherung, wobei es hier Varianten mit Selbstbehalt oder auch ohne diesen gibt“, erklärt Stöger.

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