„Magic Landscapes“-Projekt hebt den Wert der Natur. „Magic Landscapes“ will das Grün und Wasserflächen zu einem funktionierenden Netz zusammenführen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. November 2018 (05:33)
Karin Widhalm
Im Fokus stehen die Bezirke Hollabrunn und Horn, die viele Kleinode vorweisen: Nach dem Workshop war das ganze Gebiet mit Post-its gefüllt.

Der Vergleich mit dem Franziszeischen Kataster aus der Habsburgermonarchie lohnt sich: 1825 war die Schmida von einer breiten Wiesenlandschaft umsäumt, hatte Oberhollabrunn Auwaldanteile und Horn Feuchtwiesen. Die Urbarmachung ist mittlerweile vorangeschritten. Die Siedlungen sind größer, das Straßennetz umfangreicher und der Klimawandel schreitet mit großen Schritten voran.

Karin Widhalm
Naturexperten und Naturliebhaber überlegten, wie der Lebensraum der Pflanzen und Tiere vernetzt werden kann. Mit dabei: Thomas Wrbka (hockend, 2. von links) und Florian Danzinger (dahinter).

„Wir sind gerade dabei, den Reichtum an Lebensräumen und Artenvielfalt zu verspielen“, will Thomas Wrbka von der Universität Wien nichts beschönigen, aber auch nicht im Pessismus verharren. Er ist Teil des Interreg-Projektes „Magic Landscapes“, das seinen Auftakt am vorigen Dienstag im Nationalpark-Haus hatte. Die Experten analysierten, ob und wie Wasser- und Grünflächen zu einem funktionierenden Netz zusammengeführt werden können.

„Wir müssen nicht unbedingt physische Korridore bauen“, denkt Wrbka an Bestehendes wie Windschutzgürtel. „Die Landschaft muss eine Qualität aufweisen, damit eine Wanderung möglich ist“, führt der Spezialist für Pflanzen, Landschaftsökologie und Naturschutz aus. „Nicht nur Wolf und Wildkatze haben Flächenansprüche, auch die Insekten.“

„Uns ist nicht bewusst, was die Natur leistet“

Das komme letztlich der Gesundheit des Menschen zugute. „Den Entscheidungsträgern und uns im Alltag ist nicht bewusst, was die Natur leistet.“ Das Projekt will das Bewusstsein schärfen, der Politik Investitionen in die grüne neben der grauen Infrastruktur nahelegen und wissenschaftliche Ergebnisse so aufbereiten, dass Planer gut damit arbeiten können.

Nicht nur Experten, auch Naturliebhaber, Bürgermeister oder andere Entscheidungsträger und Interessengruppen sind dazu eingeladen. Die erste Gesprächsrunde war überschaubar; neben den Fachleuten aus allen möglichen Organisationen beteiligten sich die aktive Naturschützerin Doris Walter (Horn) und Arno Klien, Obmann der Freunde des Hollabrunner Waldes.

Florian Danzinger aus der Forschungsgruppe „Landschaftsökologie“ an der Uni Wien bat nach der Projektpräsentation zum Workshop: Die Teilnehmer gingen der Frage nach, wo in den Bezirken Hollabrunn und Horn ökologisches Potenzial liegt. Viel wurde zusammengetragen, von Uferbegleitstreifen als Pufferzone über Beweidungsprojekte bis zum naturnahen Waldmanagement.

Die vielen Benefits eines einzigen Landschaftselements zeigten sich. Das unterstrich Danzinger noch mit einem Positivbeispiel: Geschaffene Retentionsflächen entlang der Schmida und der neue Damm schützen vor Hochwasser, sind ein Naherholungsgebiet für die Menschen, ein Entenjagdgebiet für die Waidmänner und ein Lebensraum für viele Arten.