Nach BP-Wahl: „Das habe ich anders erwartet“. Hofer-Lager gibt ÖVP Mitschuld an Niederlage. Grün-Gemeinderat Thompson war von VdB-Zuwachs überzeugt.

Von Sandra Frank und Christoph Reiterer. Erstellt am 07. Dezember 2016 (05:36)
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Feierten den VdB-Sieg: Wolfgang & Editha Lausch, Herbert Kisser, Oskar Luger, Denis Thompson, Leopold Schogger, Maria Ahmed sowie (vorne) Georg Ecker und Christine Thompson.  Foto: privat

Die Oststaaten müssen also nicht applaudieren, wie es FPÖ-Bezirksobmann Christian Lausch im Falle eines Hofer-Sieges angekündigt hatte. Das Bezirksergebnis von 54,1 Prozent für den freiheitlichen Kandidaten stimmte die Blauen in Hollabrunn zwar noch zuversichtlich, lag aber doch mehr als drei Prozentpunkte hinter dem Ergebnis vom 22. Mai. Die Ernüchterung kam kurz nach 17 Uhr am Sonntagnachmittag, als die ersten Hochrechnungen veröffentlicht wurden.

Lausch zeigte sich als fairer Verlierer

Denn hier war schon klar: Österreichs künftiger Bundespräsident wird der unabhängige Kandidat Alexander Van der Bellen sein. „Österreich hat seine Chance auf einen jungen, dynamischen und ehrlichen Mann an der Spitze unseres Staates vertan“, war die erste Reaktion von Christian Lausch.

Doch der Nationalratsabgeordnete zeigte sich schließlich als fairer Verlierer: „Wir sind demokratisch genug, um die Wahl anzuerkennen. Ich gratuliere Van der Bellen zur gewonnenen Wahl.“ Trotz des guten Bezirksergebnisses – für das sich Lausch bei allen Hofer-Wählern bedanken möchte –, sei eine gewisse Enttäuschung über das Gesamtergebnis da.

Er hoffe nun, so Lausch, dass dieses Wahlergebnis analysiert und vor allem bei künftigen Koalitionsverhandlungen berücksichtigt werde. Diese könnten bereits 2017 stattfinden, meint der FPÖ-Bezirkschef.

„Ich hab‘s anders erwartet“, gestand FPÖ-Stadtparteiobmann Johann Mareiner. In der Bezirkshauptstadt (51,2 % für Norbert Hofer) hätte er sich einen größeren Vorsprung für seinen Kandidaten gewünscht. Hetzkampagnen gegen Blau und Hofer, sowie die Wahlempfehlung der ÖVP-Spitze macht er für das Ergebnis verantwortlich: „Es gibt eben Funktionäre, die sind hörig.“ Ohne die Wahlempfehlung von ÖVP-Vizekanzler Mitterlehner, wäre die Wahl „möglicherweise besser für uns“ ausgegangen.

„Danke ÖVP“, ist auch Lausch überzeugt, dass die Schwarzen ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Hofer die Wahl verloren hat. Die Menschen haben eher den „links gerichteten“ Kandidaten gewählt, als den bürgerlichen. Und gerade das bürgerliche Feld habe früher die ÖVP abgedeckt.

Ergebnis durch Polarisierung schwer abzuschätzen

Einer, der im Wahlkampf-Finish als Mitstreiter in der Initiative „Wir im Bezirk Hollabrunn für Van der Bellen“ noch heftig die Werbetrommel für den späteren Sieger gerührt hatte, war der Retzer Grünen-Stadtrat Martin Pichelhofer. Er gab sich am Sonntagabend „vor allem erleichtert“, dass das Ergebnis der Stichwahl ausdrucksstark bestätigt wurde.

Durch die starke Polarisierung sei das Ergebnis es sehr schwer abzuschätzen gewesen. „Ich habe aber sehr wohl gesehen, dass sich an unserer Kampagne sehr viele beteiligt haben. Und zwar nicht nur Grün-Wähler, sondern die Breite der Bevölkerung“, so Pichelhofer. Die Solidarisierung aus der Zivilgesellschaft unterscheide diese Bundespräsidentenwahl von anderen Wahlen.

So gab es am Montagabend auch im Hause des Hollabrunner Grünen-Gemeinderats Denis Thompson etwas zu feiern. Er habe schon zu Mittag ein sehr gutes Gefühl gehabt. „Ich habe erwartet, dass diesmal mehr Menschen Van der Bellen wählen und das ist tatsächlich passiert“, so Thompson, der sich bei allen Helfern bedankte und freute, dass sein Favorit in der Großgemeinde und mehr als vier Prozent zulegte.

Er hoffe, dass die Menschen nun erkennen, dass es einen Bundespräsident gibt, der für alle da sein will. Dass ein VdB-Wahlplakat in Groß im Bach und in Enzersdorf „am Bauch“ gelegen ist, ärgerte ihn.

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