Handgreiflichkeiten: Tschechien-Trip war teurer Spaß. Vergnüglicher Grenzausflug zweier Freunde endete mit Handgreiflichkeiten und Körperverletzung.

Von Sandra Frank. Erstellt am 16. Februar 2017 (04:51)
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Symbolbild

Dass er seinem Freund den Fuß in der Tür eingezwickt hatte und dieser dadurch verletzt wurde, das bestritt ein 48-Jähriger aus dem Bezirk Krems vor Richter Erhard Neubauer am Hollabrunner Bezirksgericht.

Nächster Halt nicht zu Hause, sondern bei der Polizei

Alles begann mit einer Fahrt nach Tschechien. „Zum Zigarettenkauf“, erzählte der Angeklagte, der dann zugab, dass sich zumindest einer der beiden im Nachbarland vergnügt hatte. Er selbst habe in Tschechien so viel Alkohol konsumiert, dass er nicht mehr mit dem Auto fahren konnte. Also fuhr sein Freund, den er übrigens beim Alkohol-Entzug kennengelernt hatte.

Ohne Vorwarnung habe der Fahrer dann verkündet, er fahre zur Polizeiinspektion Guntersdorf. Auf Nachfrage des Richters räumte der Angeklagte ein, dass er sauer gewesen sei, weil er seinem Freund, der sogar bei ihm wohnen durfte, um nicht obdachlos zu sein, in Tschechien alles bezahlt habe und „er hat sich vergnügt“. Einen echten Streit oder gar Handgreiflichkeiten hätte es aber nicht gegeben.

Trotzdem war der nächste Halt nicht das gemeinsame Heim, sondern der Guntersdorfer Posten. Dort gab das Opfer, das übrigens nicht vor Gericht erschien, an, der Angeklagte habe ihm ins Lenkrad gegriffen. „Er hat gesagt, er hat mich wegen Körperverletzung angezeigt. Ich fand’s lächerlich.“

„Habe ihnen gesagt, sie sollen sich verzupfen“

Mit einem Taxi musste der Angeklagte schließlich nach Hause fahren, denn sein Freund verabschiedete sich Richtung Bahnhof und ließ den 48-Jährigen zurück. Damit war die Geschichte aber nicht zu Ende. Denn zuhause im Bezirk Krems wollte der wenig loyale Mitbewohner ins Haus.

Der 48-Jährige, der früher daheim war, und seine Frau drückten jedoch das Tor zu. Dabei könne es schon passiert sein, dass das Opfer eingezwickt und verletzt wurde, aber: „Er wollte mit Gewalt rein!“, rechtfertigte sich der Angeklagte vor dem Richter.

„Ich habe ihm und seinen Begleitern gesagt, sie sollen sich verzupfen.“ Schließlich alarmierte er die Polizei, das Opfer rief den Notarzt.

Auf Gartenmauer: „Von oben fiel ein Eisentrum herunter“

Einer der beiden, die sich „verzupfen“ sollten, war ein 53-jähriger Zeuge. Er habe das Opfer am Guntersdorfer Würstelstand kennengelernt. Dort habe er erzählt, dass er Streit mit seinem Freund gehabt und diesen angezeigt hatte. Weil kein Zug mehr ging, brachten der 53-Jährige sowie ein anderer Zeuge und dessen Gattin das Opfer nach Hause.

NOEN, NÖN
Ein Ausflug nach Tschechien endete – nach einem Zwischenstopp am Guntersdorfer Polizeiposten – am Hollabrunner Bezirksgericht.

„Er hätte es allein nicht geschafft, den Fuß rauszuziehen“, sagte der Zeuge aus, dass er dem Opfer dann bei dem Zwischenfall geholfen habe. „Er hat sich dann auf die Gartenmauer gesetzt, als von oben ein Eisentrum heruntergefallen ist. Da haben wir die Polizei gerufen.“

„Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten“, klärte der Richter den Angeklagten auf. Entweder, der 48-Jährige zahle eine Geldbuße und komme ohne Urteil davon, „oder wir setzen einen zweiten Termin an“, um die Version des Opfers zu hören. Den angeblich gepeinigten Mann in den Gerichtssaal zu bekommen, werde allerdings schwierig, da er keinen festen Wohnsitz habe.

Eine diversionelle Lösung hielt der Angeklagte zunächst für ungerecht und mit einem Bußgeld in Höhe von insgesamt 230 Euro für „schon sehr hoch“. Er willigte aber schließlich ein, das Geld in drei Raten abzustottern.