Bier-Exzesse wegen der Schwiegermutter. Im Rausch und aus Wut mussten Pelargonien dran glauben. Mann (43) verstand nicht, warum er zum Richter musste.

Von Sandra Frank. Erstellt am 16. Juli 2014 (07:01)
NOEN, Wodicka; A-4062 Thening
Es ging nur um 30 Euro, trotzdem flossen im Gerichtssaal von Erhard Neubauer bei der Urteilsverkündung die Tränen.

Trinken, „damit ich die Schwiegermutter besser aushalte“

Der 43-jährige Angeklagte war dem Richter bereits bekannt. Fünf Vorstrafen hat der Mann, der sich diesmal wegen Sachbeschädigung verantworten musste. Pelargonien habe er in Hollabrunn ausgerissen. „Aber ich hab‘s schon bezahlt“, verstand der Angeklagte nicht, weshalb er nun vor dem Richter saß. „Ich sag‘ gar nix mehr ohne Anwalt“, wollte er auf stur schalten, bekannte sich aber schließlich doch „nicht schuldig“.

Dann gab der 43-Jährige zu, betrunken gewesen zu sein, als er die Pelargonien am 5. Juni aus Wut ausgerissen habe. „Warum trinken S’ denn immer so viel?“, wollte Neubauer wissen. „Damit ich die Schwiegermutter besser aushalte.“

Der Zeuge, dem die Blumen gehörten, erschien nicht vor Gericht. „Ich hab‘ ihn heute aber schon gesehen, der ist sicher wieder auf Sauftour“, vermutete der Angeklagte.

„Andere trinken Wasser, wenn sie Durst haben“ 

Daraufhin wollte der Richter vom 43-Jährigen wissen, wie viel er denn heute bereits intus habe. „Neun Bier“, lautete die Antwort. „Sie haben um zehn Uhr schon neun Bier getrunken?“ „Ja, andere trinken Wasser, wenn sie Durst haben, und ich eben Bier.“

So logisch wie sein Bierkonsum am frühen Vormittag, wäre für den Angeklagten auch sein Freispruch gewesen, denn: „Ich hab‘s ja schon bezahlt!“ Doch da musste ihn der Richter eines Besseren belehren. Er verhängte eine Bewährungsstrafe von zwei Monaten. Der Angeklagte reagierte mit einem „Fuck“ und Tränen auf den Urteilsspruch, den er nicht gleich annehmen wollte.

„Trinken S’ weniger, dann passiert so etwas nicht“, empfahl Neubauer und startete noch einen Erklärungsversuch, warum es hier ein Verfahren gab: „Wenn man etwas zerstört, dann gibt‘s eine Strafe. Auch wenn man es danach bezahlt.“