Dienstzeugnis gefälscht: „Ich bin ein Trottel“. 21-Jähriger fälschte wiederholt Dienstzeugnis, um endlich Job zu bekommen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 23. Mai 2020 (05:29)
21-Jähriger fälschte Zeugnisse, um Job zu bekommen. Der Schwindel flog auf und endete am Bezirksgericht.
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„Wir kennen uns ja. Letztes Jahr war es dasselbe“, begrüßte Richter Erhard Neubauer einen Angeklagten, der sich am Bezirksgericht Hollabrunn wegen Urkundenfälschung verantworten musste.

Dem 21-Jährigen wurde vorgeworfen, ein Dienstzeugnis gefälscht zu haben. Was er bei der Polizei noch abgestritten hatte, gab er im Zeugenstand zu. Als er sich bei einem Personaldienstleister bewarb, legte er ein verändertes Dienstzeugnis seines früheren Arbeitgebers vor. „Stark verändert“, wie der Angeklagte einräumte. Er schilderte genau, wie er dabei vorgegangen war. „Ich hab‘ eigentlich alles geändert, außer den Briefkopf, den Firmenstempel und die Unterschrift“, gestand er.

Wiederholungstäter aus Verzweiflung

Warum er das tat? „Ich wollte mich besser darstellen, um den Job zu bekommen.“ Dass dies strafbar ist, wusste er. Immerhin wurde der 21-Jährige ein halbes Jahr zuvor bereits wegen Urkundenfälschung – damals ging es um Krankschreibungen – zu sechs Wochen bedingter Haft verurteilt. Damals zeigte er sich reumütig, beteuerte, das Programm, mit dem er die Fälschungen vorgenommen hatte, gelöscht zu haben. „Ich war verzweifelt“, erklärte der 21-Jährige, warum er zum Wiederholungstäter wurde.

Eine Mitarbeiterin des Personaldienstleisters deckte noch weitere Fälschungen auf. „Ich bin seit über zehn Jahren im Unternehmen“, erklärte die 33-Jährige. Der Name auf der Bewerbung war ihr bekannt vorgekommen. „Der Lebenslauf hat aber nicht dazu gepasst.“ Ihre Nachforschungen ergaben, dass sich der Angeklagte bereits fünfmal bei der Firma beworben hatte – mit unterschiedlichen Dienstzeugnissen.

Auf der Anklagebank wurde es unruhig: „Ja, ich habe noch andere Dienstzeugnisse gefälscht“, gab der 21-Jährige kleinlaut zu. Einer seiner früheren Arbeitgeber war ebenfalls geladen: „Das Dienstzeugnis ist eine Totalfälschung.“ Denn der Betrieb hätte nie ein Dienstzeugnis ausgestellt.

„Ich bin ein furchtbarer Trottel“, richtete der Angeklagte flehende Worte an Richter Neubauer. „Ich hab’ ehrlich gehofft, dass es einfach untergeht.“ Jetzt habe er seinen Lehrabschluss, „einen super Job, bei dem ich mich weiterbilden kann“. Dem Angeklagten war anzuhören, dass er Angst davor hatte, diesmal ins Gefängnis zu müssen.

Das muss er nicht: Der Richter verhängte eine Bewährungsstrafe: drei Monate bedingt auf drei Jahre; und er verlängerte die Probezeit der ersten Vorstrafe auf fünf Jahre. Außerdem wird dem jungen Mann, der das Urteil sofort annahm, ein Bewährungshelfer beigestellt.