Falschaussage zu Drogenhandel? Zeuge im Kreuzfeuer. Ein Tscheche (26), der in Retz mit Cannabis gedealt haben soll, beteuerte seine Unschuld. Zeuge sorgte für Verwunderung.

Von Sandra Frank. Erstellt am 26. Juli 2018 (05:56)
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Weil sein ehemaliger Arbeitskollege behauptete, von ihm in Retz 140 bis 150 Gramm Cannabis bekommen zu haben, musste sich ein 26-Jähriger am Bezirksgericht Hollabrunn verantworten. „Das ist nicht wahr, ich hatte noch nie Kontakt mit Drogen“, beteuerte der angeklagte Tscheche. „Er schiebt es auf mich, weil ich Ausländer bin“, vermutete er.

Der 20-jährige Zeuge wollte zunächst seine Aussage verweigern, das sei übrigens ein Tipp seiner Schwiegermutter gewesen. „Das geht nicht“, belehrte ihn Richter Erhard Neubauer. Auch dann kamen die Antworten nur sehr zögerlich.

„Er hat mir draußen gesagt, er verweigert die Aussage, weil das alles nicht stimmt.“Die Dolmetscherin, die zur Zeugin wurde.

Der Zeuge behauptete nach wie vor, das Cannabis vom Angeklagten gekauft und dann mit zwei Bekannten konsumiert zu haben. Einer davon bestätigte dies, von wem die Drogen genau stammten, wisse er aber nicht. „Er hat uns nur gesagt, er hat sie von einem Arbeitskollegen“, gab der zweite Zeuge vor Neubauer an.

Nicht nur der Richter war ob der Zeugenaussage des 20-Jährigen stutzig, sondern auch die Dolmetscherin des Angeklagten. „Er hat mir draußen gesagt, er verweigert die Aussage, weil das alles nicht stimmt“, berichtete sie Neubauer, der daraufhin den ersten Zeugen noch einmal in den Gerichtssaal rief.

Der bestritt jedoch, so etwas vor der Verhandlung gesagt zu haben. „Das waren Ihre Worte. Ich hab‘ noch zu Ihnen gesagt, dass das gut ist und man Charakter haben muss, um die Wahrheit zu sagen“, entgegnete die Dolmetscherin, die plötzlich zur Zeugin wurde.

„Sie müssen uns sagen, wenn Sie bei der Polizei etwas Falsches gesagt haben“, mahnte die Bezirksanwältin, dass eine Falschaussage Konsequenzen habe. Dennoch blieb der 20-Jährige bei seiner Version, während die Dolmetscherin wiederholte: „Ich habe Sie gefragt, warum Sie verweigern und dann habe ich gesagt, dass Sie Charakter haben.“ Der Richter sprach den 26-Jährigen schließlich frei. „Ich glaube dem Zeugen gar nichts.“