"Spitzerl" mit 2,4 Promille: Ranglerei bei FF-Fest. Geringe Geldbuße nach Taucherei am Hohenwarther Feuerwehrfest.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 21. November 2019 (04:13)
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Das Feuerwehrfest, das Anfang Juli stattfand, hatte nun ein gerichtliches Nachspiel. Nach einer frühmorgendlichen Ranglerei musste sich ein 31-Jähriger am Bezirksgericht wegen Körperverletzung verantworten.

Er habe nicht mehr alles mitgekriegt, räumte er ein, fünf bis sechs Bier und mehrere Stamperl getrunken zu haben. Gestänkert habe er aber nicht. Er könne sich nur erinnern, dass ihn jemand von hinten packte und ihm die Luft abschnitt, sodass er kurz sogar bewusstlos gewesen sei.

„Werden Sie aggressiv, wenn sie Alkohol trinken?“ - „Vielleicht ein bisschen.“Der Angeklagte überraschte mit einer ehrlichen Antwort

Vorgeworfen wurde ihm jedenfalls, gegen 3.30 Uhr einen 36-Jährigen zu Boden gestoßen zu haben, sodass sich dieser an der linken Hand verletzte. „Es wurden zehn Personen dazu befragt, die zu dem Vorfall keine Auskunft geben konnten, aber alle haben Sie als aggressiv bezeichnet“, hielt Richter Erhard Neubauer dem 31-Jährigen vor. „Werden Sie aggressiv, wenn Sie Alkohol trinken?“, fragte die Bezirksrichterin. „Vielleicht ein bissl“, gestand der Mann.

„Mittel bis leicht“ sei er alkoholisiert gewesen, gab danach der 36-Jährige an, der zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung 2,36 Promille hatte. Er habe sich mit einem Bekannten unterhalten, als er den Angeklagten zur Rede stellte, weil dieser ständig „dazwischengeplappert“ habe. „Ich habe ihn gefragt, was er will, dann hat er mich niedergestoßen.“ Er sei hingefallen und habe sich beim Abstützen an der Hand verletzt.

Danach dürfte sich der 31-Jährige noch auf ihn geworfen haben. Das wisse er aber nur aus Erzählungen, so der 36-Jährige, denn: „Ich habe meine Brille verloren und war durch den Sturz auch benommen.“

Es war dann der 31-Jährige selbst, der die Polizei rief, nachdem ihm nahegelegt worden war, das Fest zu verlassen. Danach habe er sich auch gegen die Polizei gewehrt.

Jener Zeuge (21), der den 31-Jährigen vom Opfer wegzog, hatte selbst 2,8 Promille und räumte gleich ein, nicht mehr alles zu wissen. Er habe nur einen Kracher gehört und dann die zwei Streithähne gesehen. Dass er nach dem Vorfall selbst aggressiv wurde, bestritt er nicht: „Na sicher kocht das Blut, wenn man helfen will und dann angeschrien wird.“

Der Angeklagte sei dann auch auf ihn losgegangen, Anwesende hätten aber beide gleich getrennt. Er habe sich dann von der Polizei heimführen lassen, weil er nicht weiter raufen wollte, schilderte der Zeuge.

Die Mutter des 21-jährigen gab im Zeugenstand an, ein Gerangel gesehen zu haben. Der Angeklagte habe dann noch ein bisschen geschimpft. Ob ihr Sohn später auch aggressiv war? „Sicher ist man da aufgewühlt, aber Mami war ja da“, schmunzelte die 49-Jährige.

Der Richter wunderte sich letztlich, dass man mit derart viel Alkohol im Blut überhaupt noch Tätlichkeiten setzen kann und bot dem Angeklagten eine Diversion an, die dieser annahm: 250 Euro und zwei Jahre Probezeit. Mit seiner Schmerzensgeldforderung – laut Gutachten geht es um 2.640 Euro – wurde das Opfer auf den Zivilrechtsweg verwiesen.