Watschen-Affäre in Büro von Steuerberater. Im Zuge eines heftigen Streits mit einem seiner Kunden teilte ein Steuerberater im vergangenen Dezember eine Ohrfeige aus. Das hatte in Hollabrunn nun ein gerichtliches Nachspiel. Durch den Schlag habe das 38-jährige Opfer Verletzungen am Innenohr und an der Halswirbelsäule erlitten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 30. Mai 2020 (12:27)
Das Hollabrunner Bezirksgericht
NÖN

„Mein Mandant übernimmt die Verantwortung. Er weiß, dass man Watschen nicht austeilt“, erklärte Verteidiger Dominik Mayer. Außerdem habe man 500 Euro Schmerzengeld in bar mit dabei.  

Beim Streit sei es um Zusammenarbeit gegangen. „Er wollte Geschäfte mit meinen Kunden machen, das hab ich aber abgelehnt und die Zusammenarbeit mit ihm per E-Mail beendet“, schilderte der Angeklagte. Es folgte ein Telefonat. „Er ist dann sofort zu mir ins Büro gefahren, hat mich beleidigt, provoziert und mich bedroht“, erinnerte sich der Mann. Er habe den 38-Jährigen mehrmals aufgefordert, das Büro zu verlassen. „An der Türschwelle wollte er mich bespucken. Da hab' ich die Nerven verloren“, erklärte der Steuerberater, wie es zum Schlag mit der flachen Hand gekommen sei. „Er hat mich dann noch energischer beschimpft und bedroht.“

Das Opfer schilderte den Vorfall anders: Er habe mit dem Steuerberater bis zu diesem Tag eine gute Geschäftsbeziehung gehabt. „Er hat mich angerufen und mir viele Dinge durch den Hörer hingeschmissen. Ich wusste nicht einmal, worum es geht.“ Er sei dann in das Büro gefahren, um die Sache persönlich zu klären.

„Es ging weiter, wie es am Telefon aufgehört hatte“, sei der Angeklagte immer noch aufgebracht gewesen. Der 38-Jährige habe die Lage beruhigen wollen. „Da ist er noch wilder geworden und hat gesagt, ich soll das Büro sofort verlassen.“ Nach einer „verbalen Entgleisung“ habe sich der Angeklagte vor ihm aufgebaut, ihn mit dem Bauch weggestoßen und dann „hab‘ ich eine kassiert“.

"Sicher keine 10.000 Euro ..."

Schmerzengeld wolle er nicht, wie er mehrmals betonte, aber: „Ich bin Jungunternehmer, es geht mir um den Verdienstentgang.“ Diesen beziffert der 38-Jährige mit 10.000 Euro. „Es war eine Ohrfeige und nicht mehr. Wir sind ja nicht in Amerika, das ist lächerlich“, reagierte der Verteidiger auf die hohe Forderung. „Ich weiß, was er verdient. Das sind sicher keine 10.000 Euro“, schüttelte der Steuerberater auf der Anklagebank den Kopf.

Die 500 Euro Schmerzengeld, die der Anwalt angeboten hatte, lehnte das Opfer ab. Der Steuerberater nahm das Angebot von Richter Erhard Neubauer, die Strafsache mit einer Diversion (ohne Verurteilung) zu lösen, sofort an. Er kam mit einer Buße von 200 Euro davon. Die Geldstrafe sei viel zu wenig, wie das Opfer erachtete.