AK im Bezirk Hollabrunn erstritt 1,6 Millionen Euro. Dass die Arbeitswelt immer rauer und härter werde, sieht Martin Feigl, Leiter der Arbeiterkammer, bei seiner täglichen Arbeit.

Von Sandra Frank. Erstellt am 27. Februar 2019 (04:05)
Sandra Frank
Martin Feigl und Christian Kauer (r.) präsentierten in der Vorwoche die AK-Bilanz. Ihr Fazit: „Arbeitnehmerwerden immerleidensfähiger.“

Wenn Organisationen oder Betriebe bei ihrer Bilanz steigende Zahlen präsentieren können, sind sie froh. Vor allem, wenn ein Eurozeichen hinter der Zahl steht. „Uns freut es nicht, wenn die Zahlen in die Höhe gehen, das zeigt nur, dass die Arbeitswelt rauer und härter wird“, sagt der Leiter der Hollabrunner Arbeiterkammer, Martin Feigl.

1,6 Millionen Euro sind es, die die Arbeiterkammer im Vorjahr für Arbeitnehmer erstritten hat. Eine Zahl, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich stieg. Über 4.000 Beratungen übernahmen Feigl und sein Team in Hollabrunn. „Das zeigt, dass wir eine gute Anlaufstelle sind“, ist der AK-Chef stolz. Neben der Steuerrückholaktion und dem Konsumentenschutz („Der wird immer komplexer, wir müssen schon wie Detektive arbeiten.“) muss sich die AK naturgemäß um Probleme am Arbeitsplatz und sozialrechtliche Fragen kümmern.

„Wenn es die Arbeiterkammer nicht gäbe, müsste man sie erfinden.“Christian Kauer, Vorstandsmitglied der AKNÖ

Als Beispiel berichtet Feigl von einer Wagnerin, die mit September 2017 ihren Job bei einem Betrieb im Bezirk antrat. Mitte Dezember wurde die Frau von ihrem Chef bedroht. „Auf körperlicher Art“, erzählt der AK-Chef. Weil die Betroffene keinen Kontakt mehr mit ihrem Dienstgeber haben wollte, wandte sie sich an die Arbeiterkammer.

Diese konnte eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses erwirken. Knapp 4.000 Euro Lohn blieb der Dienstgeber der Frau aber schuldig. Die AK intervenierte, die Betroffene erhielt das ihr zustehende Geld.

„Leider können wir nicht immer helfen“, spricht Feigl von Verfallsfristen, die einige Arbeitgeber bewusst verstreichen lassen würden. Der AK-Leiter und Christian Kauer, Vorstandsmitglied der AKNÖ, beobachten, dass die Leidensfähigkeit der Arbeitnehmer steigt. Warum? „Die Menschen haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren“, sagt Feigl.

„Fast jeder Vierte in Niederösterreich sucht Hilfe. Da stimmt etwas nicht“, meint Kauer. Diese Tatsache zeige, dass die Arbeiterkammer eine wichtige Institution sei. „Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden.“

Das politische Ansinnen, die Beiträge zu senken, „heißt, die Arbeiterkammer zu vernichten“, ist Kauer überzeugt.