Retz

Erstellt am 21. Januar 2017, 06:34

von Karin Widhalm

Aufruf in Retz: „Kein Mauern gegen die Vernunft“. Bildungsgemeinderat Walter Fallheier (Retz) will Innovation und Vorausblick für den Bildungsstandort.

NMS Retz  |  Michael Böck

2014 erhielt die Volksschule ihre grau-weiße Fassade: der letzte Schritt ihrer Renovierung. Jetzt steht die Erneuerung der Neuen Mittelschule (NMS) bevor (die NÖN hatte berichtet).

Alois Binder, Obmann-Stellvertreter des NMS-Ausschusses und Gemeinderat in Retzbach, informierte erst in der Vorwoche darüber, dass der Architekturwettbewerb gestartet ist. Das freut Bildungsgemeinderat Walter Fallheier (Retz), aber so ganz ungetrübt ist seine Freude im NÖN-Gespräch nicht.

„An sich ist die Sanierung schon längst überfällig“

Er hat sich im Retzer Gemeinderat dafür eingesetzt, dass den städtischen Veränderungen im Bildungsbereich fraktions- und ausschussübergreifend begegnet werden müsse. Das Ergebnis war die Aufsetzung einer Resolution, die unter anderem eine Koordination aller Schulprojekte einfordert. Das vermisst Fallheier. Er wünscht sich im Bezug auf die NMS-Sanierung mehr Innovation und mehr Einbindung Betroffener. Er befürchtet Mieteinbußen und fordert, nichts von der Landesausstellung abhängig zu machen.

Walter Fallheier hofft, dass im Sinne der Bildungsresolution das Gemeinsame vorangetragen wird. Foto: WfR  |  WfR

„An sich ist die Sanierung des NMS-Gebäudes schon längst überfällig“, ist der Stadtrat da einer Meinung mit Binder. Projekte wie der Bildungscampus mit einem erweiterten Angebot „wurden leider schon vor Jahren nicht umgesetzt“. Er verweist auf die Beschlüsse des Parlaments: Was bedeuten sie für den Bildungsstandort Retz? Und: „Wie könnte man bei einem Schulumbau darauf reagieren?“, fragt sich Fallheier. Er befürchtet, dass bei den Renovierungsplänen darauf keine Rücksicht genommen wird.

Experten, die bereits bei der Campusidee einbezogen waren, sollten bei der Standortentwicklung berücksichtigt werden. Der Retzer nennt dabei neue Lehr- und Lernumgebungen, innovative räumliche Lösungen und neueste Erkenntnisse der Pädagogik. Das alles „könnte eine zukunftsweisende Umsetzung ermöglichen“.

„Schulgemeinde bleibt ohne neue Ideen auf Kosten sitzen“

Die Sanierung des Hauses sollte sich nicht nur auf den NMS-Betrieb beschränken. Fallheier weist darauf hin, dass durch die Übersiedlung der Handelsakademie (HAK) aus der NMS viele Räume frei werden. „Diese können in der Umbauphase zwar als Ausweichmöglichkeit genutzt werden“, sei das einerseits gut. „Jedoch entgehen der Schulgemeinde ab 2018 jährlich fast 200.000 Euro an Mieteinnahmen durch die Bundesschule.“

Die Stilllegung der nicht genutzten Räume würde zwar die Betriebskosten senken, das könne den Mietrückgang jedoch nicht ausgleichen. „Also bleibt die Schulgemeinde ohne neue Ideen auf den Kosten sitzen“, fürchtet Fallheier. Binder gab zuletzt jährliche Betriebskosten von 80.000 Euro an.

Der Bildungsgemeinderat bedauert darüber hinaus, dass die pädagogischen Erfordernisse auf der Strecke bleiben könnten. Lediglich die räumlichen Notwendigkeiten wurden mit dem Landeschulrat erhoben, wie Fallheier bei der Begehung bemerkte. Außerdem werden die betroffenen Lehrer, Eltern und Schüler „bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich kaum informiert“ und nicht eingebunden.

Fallheier: Kreative Schwerpunkte als großes Anliegen

Die Errichtung der Turnsäle sollte seines Erachtens nicht von der möglichen Landesausstellung abhängig gemacht werden. Der notwendige Raumbedarf müsse mit anderen Bildungseinrichtungen abgestimmt werden. „Dabei wäre auch die Umsetzung der Forderung nach der täglichen Turnstunde in Pflichtschulen zu beachten“, merkt er an.

Nachsatz: „Die erforderlichen Räumlichkeiten für Tagesfreizeit, Essensversorgung und Sportmöglichkeiten sind nach dem Regierungsbeschluss bereits ab September 2017 seitens der NMS zur Verfügung zu stellen und müssten bereits jetzt in der Planung berücksichtigt werden.“

Fallheier führt umfangreiche Gespräche zur Entwicklung neuer attraktiver Bildungsangebote. Kreative Schwerpunkte – die nahe Musikschule plant die Ausweitung zur Kunstschule – und die Einbindung der Bedürfnisse der Tourismusschule sind ihm ein großes Anliegen. Denn: Die HLT soll auf lange Sicht ins NMS-Gebäude ziehen.

„Weitere interessante Bildungsangebote sind zwar schon in Entwicklung, aber leider noch nicht spruchreif“, blickt der Stadtrat in die Zukunft. „Es soll auch nicht immer mit dem Hinweis auf die finanzielle Situation auf Kosten der Jugendlichen gespart werden“, schickt er als Rat nach.

Vor allem solle sich nicht eine Haltung durchsetzen, die man mit den Worten „Mauern gegen Vernunft“ zusammenfassen könne. Fallheier sieht die Bemühungen in jedem Fall positiv und hofft, dass im Sinne der Resolution, die das Gemeinsame betont, vorgegangen wird.