Wullersdorf: Raus aus Armut, rein in Bildung. Das Wullersdorfer Armenhaus erfuhr in den letzten Jahren eine Renaissance und entwickelte sich zu einem Bildungsraum.

Von Sandra Frank. Erstellt am 19. Oktober 2019 (05:26)
Sandra Frank
Die Bestuhlung im Wullersdorfer Armenhaus, das gleichzeitig alsBildungsraum dient, ist authentisch, die Bilder an den Wänden sind geschichtsträchtig und die Menschen, die das Haus und die Gemeinde mit Veranstaltungen füllen, sind voller Ideen: Brigitte Dick, Johanna Six, Lisl Tradinik (vorne, v.l.), Ingrid Kraus, Annemarie Maurer, Barbara Sturmlechner, Richard Hogl und Renate Mihle (stehend, v.l.).

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„Wir wollen der Bildung mehr Raum geben“, sagt Bürgermeister Richard Hogl, warum sich seine Gemeinde entschieden hat, dass das Wullersdorfer Armenhaus als Bildungsraum fungieren soll. „Und weil der Bedarf da ist“, ergänzt seine Vizebürgermeisterin Annemarie Maurer.

Solche Bildungsräume, im Bezirk sind es elf, entstehen dank der Leader-Region. Diese Räume sind technisch auf dem neuesten Stand und können von Referenten kostenlos genutzt werden, um Bildung zu vermitteln. Ansprechpartner vor Ort sind die Bildungsgemeinderäte.

„Jeder macht seins, es ist aber ein großes Miteinander“, beschreibt Maurer, dass es in Wullersdorf schon viele Aktivitäten gibt. Die Technik im Armenhaus wurde verbessert, die Bestuhlung ist auf Wunsch aber die alte geblieben. „Damit es authentisch ist“, sagt Hogl.

Wenn er an die Geschichte des Armenhauses und ehemaligen Choleraspitals denkt, meint er: „Das Haus hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt.“ Bis Anfang der 2000er-Jahre wurde es noch als Wohnhaus genutzt. 2011 erwarb es Johannes Baum und begann, unter der Leitung des damaligen Geschichtsvereinsobmanns Johann Six, mit der Renovierung. Heute dient es als Museum und beherbergt den Bildungsraum. Ernst Klaus, Six‘ Nachfolger als Obmann, steckt mit seinem Team viel Herzblut in die Belebung des Hauses.

Dass Wullersdorf sich schon jetzt großer Beliebtheit erfreut, weiß Brigitte Dick: „Es kommen viele, um den Hauptplatz zu sehen.“ Sie zeigt Interessierten den Hauptplatz, den Fertinant-Keller, die Kirche, das Armenhaus und das alte Rathaus. „Die Führungen dauern eineinhalb bis zwei Stunden. Je nachdem, wie viel gefragt wird.“

Wullersdorfer Bücherei ist Vorreiter in NÖ

Mit rund 750 Menschen hat Dick diese Tour im vergangenen Jahr gemacht. „Manchmal ist jede Woche etwas“, spricht sie etwa von Vorträgen des früheren Gemeindearztes Josef Glasl.

Die Bücherei bereichert das Bildungsangebot der Gemeinde ebenfalls. „Wir haben seit heuer die Buchstartaktion und sind damit Vorreiter in Niederösterreich“, erzählt Lisl Tradinik, die Leiterin der Bücherei, stolz. Zur Geburt bekommen die Kinder in der Gemeinde eine Leseschatzkiste geschenkt. Darin befinden sich neben einem Buch auch Gutscheine für die Bücherei. Knapp 30 Veranstaltungen werden hier pro Jahr auf die Beine gestellt, um die Menschen fürs Lesen zu begeistern.

Dorfhäuser werden mit Bildung bespielt

Ingrid Kraus, eine der drei Leiterinnen des Arbeitskreises der Gesunden Gemeinde, spricht von knapp 40 Veranstaltungen für jede Altersgruppe, die pro Jahr angeboten werden. „Es kommen auch viele Leute aus anderen Gemeinden“, freut sie sich, dass das Angebot gut angenommen wird. „Damit die Dorfhäuser bespielt werden, gibt es in den neun Katastralgemeinden immer wieder Vorträge“, sagt Maurer.

Die Vizebürgermeisterin findet es großartig, dass in der Runde stets neue Ideen geboren werden. So sei zum Beispiel der Schmankerlmarkt, der jeden zweiten Freitag im Monat am Wullersdorfer Hauptplatz stattfindet, entstanden. Und: „Jetzt wollen wir ein Reparatur-Café ausprobieren und starten damit im März.“