„Blau fahren kostet Zeit“. Kritik an Rettungseinsatz / Ein Sonnberger glaubt, sein Notruf sei von der Leitstelle zu spät und falsch weitergegeben worden. Laut Notruf NÖ und Rotem Kreuz war das aber nicht so.

Von Sandra Frank. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
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Von Sandra Frank

„So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen!“, war ein Sonnberger sauer. Am Montag letzter Woche hatte er die Rettung alarmierte, da sein Nachbar Herzprobleme hatte und an Atemnot litt. „Ich habe um 16.01 Uhr Alarm geschlagen, um 16.16 Uhr ist die Rettung nach Sonnberg gekommen. Ohne Blaulicht und Folgetonhorn“, beschrieb der aufgebrachte Mann die Situation.

Weil ihm das eindeutig zu lange gedauert hatte, forschte er nach. Der Sonnberger will herausgefunden haben, dass das Rote Kreuz Hollabrunn erst um 16.07 Uhr von der Leitstelle in Tulln alarmiert wurde. „Was ist in den sechs Minuten passiert?“, fragt sich der Betroffene, der selbst einmal Rettungssanitäter war. „Wir sind früher sofort ausgefahren, wenn wir alarmiert wurden. Jetzt holt man sich wohl noch einen Kaffee ...“

„Der Patient stand bereits mit seiner Tasche vor der Tür“

„Die Zeiten können wir so nicht nachvollziehen“, sagt Stefan Spielbichler, Sprecher der Notruf NÖ GesmbH. „Unsere automatisiert aufgezeichneten elektronischen Protokolle weisen eine verzögerungsfreie Anrufannahme und Alarmierung aus.“

Günther Wiehart, Geschäftsführer der Rotkreuz-Bezirksstelle Hollabrunn, kann bei diesem Einsatz ebenfalls keine Verzögerungen nachvollziehen. Nachdem der Alarm eingegangen war, dauerte es laut Wiehart exakt eine Minute und 45 Sekunden, bis das Rettungsauto ausfuhr. Weitere sieben Minuten brauchte das Rettungsteam nach Sonnberg. „Der Patient stand bereits mit seiner Tasche vor der Tür“, sagt der Rotkreuz-Geschäftsführer.

„Während der Anrufer mit einem speziell ausgebildeten Notrufexperten spricht, dieser im Computersystem die logistischen Einsatzdaten erfasst und Informationen zum Patientenzustand erfragt, erfolgt die Alarmierung und Einsatzlenkung zeitgleich durch mindestens einen weiteren Mitarbeiter“, erklärt Spielbichler die Vorgehensweise der Leitstelle. Der Notrufexperte gebe einfache Hinweise, um den Einsatz vor Ort zu beschleunigen, sowie Erste-Hilfe-Anleitungen.

„Wir hätten keine Minute gewonnen, wenn wir blau gefahren wären“

Dass weder Blaulicht noch Folgetonhorn zum Einsatz kamen, führt der Sonnberger darauf zurück, dass die Leitstelle in Tulln seinen Alarm falsch weitergegeben habe. Er ist der Ansicht, die Rettung hätte schon früher vor Ort sein können, hätten sie das Blaulicht aktiviert.

„Wir als Leitstelle können einem Rettungsmittel aus rechtlicher Sicht nur eine Empfehlung zur Verwendung von Sondersignalen erteilen“, erklärt Spielbichler. Wiehart stellt ebenfalls klar: „Es entscheidet immer der Fahrer, ob blau gefahren wird, oder nicht.“ In der Vergangenheit habe sich allerdings gezeigt, „dass wir viel langsamer vorankommen, wenn wir blau fahren“. Denn andere Verkehrsteilnehmer würden durch Blaulicht und Folgetonhorn eher verunsichert werden.

Als der Patient im Rettungswagen war, sei er binnen acht Minuten mit Blaulicht ins Hollabrunner Krankenhaus gebracht worden. „Aus unserer Sicht wurde alles richtig gemacht. Wir hätten keine Minute gewonnen, wenn wir blau gefahren wären“, sagt Wiehart, der sogar per Routenplaner die Zeit von der Bezirksstelle bis nach Sonnberg berechnen ließ. Dieser spuckte eine Anfahrtszeit von zehn Minuten aus.