In Großwetzdorf leben Schweine wie früher. Manfred Brandstetter ist Nebenerwerbsbauer und setzt auf rein ökologische Schweinehaltung.

Von Sandra Frank. Erstellt am 21. Februar 2020 (06:21)

Fünf Eber sind es, die sich derzeit im Stall samt Auslauf im „Schweingut“ Manfred Brandstetter tummeln. Sein Hof liegt mitten in Großwetzdorf. Dass die Duroc-Schweine hier leben, war eigentlich nicht der Plan. Der Nebenerwerbsbauer hätte gerne, dass seine Tiere im Freiland leben können. Doch die Behörden machen ihm einen Strich durch seine Rechnung.

Ein Freund der Familie würde ihm im benachbarten Großweikersdorf (Bezirk Tulln) den nötigen Grund zur Verfügung stellen. Um die Tiere im Freien halten zu können, muss eine Unterstellhütte aufgestellt werden. „Weil die auf drei Seiten zu sein muss, ist es schon ein Gebäude“, erzählt Brandstetter. Und für ein solches bekomme er keine Genehmigung.

Warum? „Ich müsste einen Wirtschaftsplan vorlegen, um zu zeigen, dass ich von der Landwirtschaft leben kann“, schüttelt der Großwetzdorfer den Kopf. Denn er will ja – noch – nicht davon leben können. Zunächst will der 51-Jährige Nebenerwerbsbauer bleiben. Aber: „Nur für ein Hobby bekomme ich keine Genehmigung.“

Ökologische Haltung in Großwetzdorf

Wie kam es eigentlich dazu, dass der ehemalige Motorsportler heute Schweine hält? „Ich habe vor einigen Jahren festgestellt, dass mir das Fleisch aus dem Supermarkt nicht guttut“, erinnert sich Brandstetter. Also schaffte er sich selbst Schweine an, um sie nach seinen Vorstellungen zu halten. Biologisch dürfe er die Haltung noch nicht nennen, weil das entsprechende Siegel fehlt, aber ökologisch.

Seit dreieinhalb Jahren ist er neben seinem 40-Stunden-Job bei Wien Energie als Schweinebauer tätig. Alles, was die Duroc-Schweine verzehren, baut Brandstetter selbst an. „Sie bekommen kein Kraftfutter oder Antibiotika.“ Die Erdäpfel, die er ins Futter mischt und selbstverständlich aus dem eigenen Anbau stammen, werden gedämpft. „Wie vor 60 Jahren“, sagt der landwirtschaftliche Quereinsteiger.

Während die Tiere in den großen Betrieben mit nur wenigen Monaten geschlachtet werden, haben sie im Großwetzdorfer „Schweingut“ – Brandstetter keltert nämlich auch Wein – Zeit, um langsam zu wachsen. „Wir schlachten sie mit etwa einem Jahr“, erzählt der Nebenerwerbsbauer. Dann bringen die Schweine mit den rötlichen Borsten zwischen 280 und 320 Kilo auf die Waage. Geschlachtet werden die Tiere direkt am Hof, von Brandstetter selbst.

„Bei der Gesundenuntersuchung hat der Arzt gesagt, dass man am Blutbild sieht, dass ich mich vegetarisch ernähre.“Manfred Brandstetter, überzeugter Fleischesser

Derzeit besteht die schweinische Gruppe in seinem Hof nur aus männlichen Tieren. „Solange wir nicht immer zu Hause sind, können wir keine weiblichen Tiere halten.“ Denn wenn diese das erste Mal Ferkel zur Welt bringen, kann ohne menschliche Unterstützung einiges schiefgehen und die Tiere sterben, wie Brandstetter aus eigener Erfahrung sagen kann.

„Bei der letzten Gesundenuntersuchung hat der Arzt gesagt, dass man am Blutbild und an meinen Cholesterinwerten sieht, dass ich mich vegan oder vegetarisch ernähre“, erzählt Brandstetter die Episode mit einem herzhaften Lachen. Warum ihn das so amüsiert? „Ich ernähre mich zu 90 Prozent von Fleisch.“

Weil es seiner eigenen Gesundheit und der seiner Familie guttut, möchte Brandstetter weitermachen, unter dem Motto: Zurück zum Ursprung. Darum ist es immer noch sein Ziel, die 300-Kilo-Tiere im Freien zu halten. Denn das sei auch der Ursprung dieser amerikanischen Urschweinerasse. „Das ist ihr Leben, sich im Gatsch zu suhlen“, hat Brandstetter ein klares Bild vor Augen. Wären die Schweine draußen, würde er mehr Tiere halten. „Jetzt dürfte ich auch mehr als sechs halten, aber das will ich nicht“, will der Großwetzdorfer den Ebern ein gutes Leben bieten. Sein Credo: „Die Sau muss sich wohlfühlen.“ Ein weiteres Ziel von Brandstetters Familie: ein Ab-Hof-Verkauf.

Was den Nebenerwerbslandwirten noch von Großbetrieben unterscheidet, ist die Beziehung zu seinen Schweinen. Während sich die Tiere in den großen Betrieben meistens vor Menschen fürchten, weil alles steril gehalten wird, gibts am „Schweingut“ regelmäßig Streicheleinheiten von den Haltern. „Bei uns kann – mit mir – jeder hinein“, sagt Brandstetter.

Wichtig bei so einem Besuch: Sicherheitsschuhe. Denn so lieb die Tiere mit ihrem Rüssel aussehen: Sie knabbern mit ihren spitzen Zähnen gern an Schuhen – oder an Fingern. „Das kann schnell blutig werden, wenn man nicht aufpasst.“