Breite Front gegen Isolation. Umfassende Experten-Infos bei der 13. Auflage des Frauen-Netzwerkcafés im AMS Hollabrunn.

Von Romana Schuler. Erstellt am 11. März 2020 (07:15)

Hausherr Josef Mukstadt freute sich, Ehrengäste wie Volksanwältin a.D. Rosemarie Bauer, die Landtagsabgeordneten Richard Hogl und Georg Ecker, SPÖ-Bezirksvorsitzenden Richard Pregler sowie die Stadträtinnen Elisabeth Schüttengruber-Holly und Sabine Fasching willkommen zu heißen, und nahm Bezug auf den 109. Weltfrauentag, der zwei Tage später begangen wurde. Er betonte die Wichtigkeit der Gleichstellung von Frauen, aber auch, dass jeder Art von Ausgrenzung in der Gesellschaft entgegengewirkt werden müsse. 

Die Veranstaltung fand heuer bereits zum 13. Mal statt. Die Organisatoren Claudia Öller (Gleichbehandlungsbeauftragte des AMS) und Andreas Strobach (BIZ-Berater) starteten mit einer humorvollen Performance, musikalisch begleitet von Norbert Öller. 

Dabei wurde ein Beratungsgespräch mit einem Langzeitarbeitslosen inszeniert: Die Beraterin schlägt ihrem Kunden alle möglichen Schulungsangebote vor. Sie bemerkt jedoch bald, dass es sich um keinen einfachen Fall handelt. Was jetzt – und was tun? Schließlich bekommt der Kunde einen neuen Beratungstermin … So dürfe natürlich kein Beratungsgespräch verlaufen, so die Moderatoren, aber mit einer etwas überzogenen Darstellung komme die Botschaft leichter an.

Jugendcoaching hat sich bewährt,
Inklusionspaket ist geschnürt 

Hauptreferent Kai Hartig vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend hatte kurzfristig absagen müssen, stellte sein informatives Manuskript zum Impulsreferat „Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen am Arbeitsmarkt – insbesondere Mädchen“ aber Josef Mukstadt zum Vortrag zur Verfügung.

So erfuhren die Gäste, dass sich das Jugendcoaching bewährt habe und das Ministerium ein Inklusionspaket geschnürt hat. Darin sind alle Förderabläufe zusammengefasst. Zum Beispiel sollen Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen auch über ihr 18. Lebensjahr hinaus begleitet und beim Eintritt ins Berufsleben unterstützt werden.

Angebot für Menschen mit besonderes Bedürfnissen ist ausbaufähig

Weiters ist eine Reform der Lehrlingsbezahlung geplant. In der Wirtschaft sei bereits große Bereitschaft vorhanden, Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu fördern. Dennoch sei eine breite Bewusstseinsbildung wichtig, die durch eine Imagekampagne erhöht werden soll. Zwar gebe es schon viele Angebote, doch seien diese noch ausbaufähig. Das sei Teil des Regierungsprogramms.

Anlässlich des Weltfrauentages solle betont werden, dass Frauen nicht weniger talentiert für technische Berufe sind als Männer. Die Einkommensschere hat auch mit der traditionellen Berufswahl von Frauen zu tun. Dabei herrscht in vielen technischen Sparten ein Fachkräftemangel. In diesem Sektor sollen die Angebote für Frauen weiter ausgebaut werden.

Nur zwei Antworten bei 56 Bewerbungen

Ein weiterer Punkt sei die „Flexi-Lehre“ für Wiedereinsteigerinnen und betreuende Angehörige. Eine Arbeitsgruppe im Ministerium befasst sich damit, die betrieblichen Lehrstellenförderungen neu aufzustellen, um Gender, Integration und Qualität stärker einzubinden. Für Menschen, die eine Teilzeitausbildung machen wollen, ist eine Novelle zur Lehre geplant.

„Aus der Sicht des AMS“ referierte Landesgeschäftsführer Sven Hergovich. Er schilderte ein persönliches Erlebnis mit einer 53-jährigen Buchhalterin, die aufgrund einer schweren Erkrankung ihren Job verloren hatte. Sie habe 56 Bewerbungen geschrieben und nur zwei Antworten erhalten. Beide seien Absagen gewesen, aber zumindest sei sie wahrgenommen worden. Genau solche Fälle seien der Grund, warum in Niederösterreich nun eine Reihe von Maßnahmen gesetzt wird.

Umschulung, Case-Management und Lehrlingsoffensive

Drei davon hob Hergovich besonders hervor: Erstens stehen 30 Millionen Euro für Umschulungen bereit. Zweitens wurde ein Case-Management-Konzept umgesetzt, um Arbeitssuchende noch intensiver beraten zu können. Drittens wurde gemeinsam mit dem Land eine niederösterreichische Lehrlingsoffensive gestartet.

Im Anschluss stellten sich die einzelnen Vertreter der Netzwerkplattform vor: Maria Breindl (Allgemeine Sonderschule Hollabrunn), Ursula Gurtner (Fachstelle für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik), Katharina Fuchsberger (Sozialpädagogisches Betreuungszentrum Hollabrunn), Barbara Riepl (Arbeitsassistenz Caritas Hollabrunn), Norbert Rathusky (Jobcoaching Caritas Weinviertel) und Nicole Löscher (Jugendlichenberatung AMS Hollabrunn).