Therapiezentrum für Schädel-Hirn-Trauma wird eröffnet. Das „Projekt Ylvie“, eine Therapie-Mühle für Schädel-Hirn-Trauma-Patienten in Breitenwaida, wird am Wochenende seiner Bestimmung übergeben.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 25. August 2021 (04:52)
„Projekt Ylvie“, eine Therapie-Mühle
Harald Pfeifer und seine Familie öffnen am kommenden Wochenende erstmals öffentlich ihre „Ruhe-Insel“.
Christiane Fürst

Drei Jahre ist es her, dass Familie Pfeifer damit begonnen hat, die „Alte Leisser-Mühle“ in Breitenwaida zu einer „Ruhe-Insel“ für Schädel-Hirn-Trauma-Patienten und deren pflegende Angehörige umzuwandeln. Die NÖN besuchte Harald Pfeifer das erste Mal im August 2020. Seitdem hat sich einiges getan.

In viel Eigenarbeit der Pfeifers und zahlreicher freiwilliger Helfer verwandelte sich der Rohbau in ein vollständig barrierefreies Wohn- und Therapiezentrum. Auch von außen ist der Unterschied schnell erkennbar: Die Fassade wurde fertiggestellt, eine Photovoltaikanlage am Dach montiert und jetzt empfängt ein stattliches Tor die Gäste. Besonders sticht ein Teil der Fassade heraus, der einem venezianischen Kornturm nachempfunden wurde.

Kleinigkeiten müssen noch erledigt werden

Die Räumlichkeiten sind beinahe bezugsfertig, nur noch Kleinigkeiten müssen erledigt werden. „Uns freut es, dass wir mit den Bauarbeiten so weit fortgeschritten sind“, erzählt Harald Pfeifer. Corona-bedingte Lieferverzögerungen seien verantwortlich, dass die „Ruhe-Insel“ zur Eröffnung noch nicht ganz fertig ist: Türrahmen konnten zum Beispiel nicht rechtzeitig geliefert werden.

„Wir möchten uns herzlich bei den heimischen Unternehmen und den engagierten Privatpersonen für ihre Unterstützung bedanken“, betont der Hollabrunner, dass ein Unterfangen in dieser Größenordnung ohne diese Hilfe nicht möglich gewesen wäre.

28. & 29. August steigt das „Fest des Lebens“

Der feierlichen Eröffnung der Mühle am kommenden Wochenende, 28. und 29. August, fiebern die Pfeifers nun entgegen. Dort erwarten die Besucher zum Beispiel die Vorführung der FF Breitenwaida, Pferde Quadrille, Musikprogramm und Frühschoppen. „Wir hoffen, dass es funktioniert“, ist Pfeifer bereit. Ein entsprechendes Corona-Sicherheitskonzept wurde von der Bezirkshauptmannschaft abgesegnet.

Dass die Eröffnung unter dem Motto „Fest des Lebens“ mit der Öffentlichkeit geteilt wird, sei Absicht. Denn die Mühle solle nicht nur zu einem Ort werden, an dem die SHT-Patienten und ihre pflegenden Angehörigen etwas Ruhe und Geselligkeit finden können, sondern generell ein Ort der Begegnungen sein. So soll es in Zukunft Veranstaltungen am Areal der Mühle geben.

Wegbereiter und Experten werden über die Arbeit mit SHT-Patienten bzw. über ihre beruflichen Erfahrungen sprechen. Das Datum der Eröffnung ist bewusst gewählt: „Uns ist es wichtig, dass die Eröffnung fünf Jahre nach Tag X, also nach Ylvies Unfall, gefeiert wird“, erklärt Pfeifer.

„Ruhe-Insel“ wurde bereits besichtigt

Deswegen sei es nicht ganz so wichtig, dass direkt nach der Eröffnung schon Gäste in der Mühle urlauben können. Das werde frühestens im Oktober passieren, weil die Familie zuerst selbst ihr Heim beziehen möchte. „Damit warten wir noch ein bisschen, weil wir Ylvie ein wenig Zeit geben möchten, um zuhause anzukommen.“ Das Interesse am Konzept sei in der Community jedenfalls groß: Mehrere Interessenten stünden für die „Ruhe-Insel“ bereit. Einige haben die Mühle schon besichtigt.

Vor Kurzem kam eine SHT-Patientin mit ihrer Mutter zu Besuch. Im Innenhof lachte sie zum ersten Mal seit ihrem Unfall vor fünf Jahren. „Solche Momente sind hart erarbeiteter Lohn für unsere Arbeit“, freute sich Pfeifer.

Ein anderer Besucher war Nikolaus Steinhoff, Facharzt für Neurologie und Präsident der Europäischen Gesellschaft für SHT. Er verfolgt ebenfalls gespannt den Fortschritt des Projekts und wird bei der Eröffnung über seine Erfahrungen mit SHT-Patienten sprechen.