Pfarrer Johann Nebenführ: Das Erbe eines „brillanten Predigers“

Der Sonnberger Franz Amon würdigt das Leben von Pfarrer Johann Nebenführ: Aus dem schriftlichen Nachlass des Geistlichen erstellte der 83-Jährige nunmehr sieben Bücher.

Erstellt am 14. Januar 2022 | 10:22
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„Es geht darum, das große Werk von Pfarrer Johann Nebenführ bekannt zu machen“, erzählt Franz Amon im Sonnberger Pfarrheim, weshalb er nun das siebente Buch, „vorerst das letzte dieser Reihe“, mit Werken und Schriften des ehemaligen Sonnberger Pfarrers herausgebracht hat.

Der Geistliche war dem heute 83-Jährigen stets ein väterlicher Freund und hat sein Leben geprägt. Den schriftlichen Nachlass Nebenführs hortete Amon zehn Jahre, bis er ihn aufarbeitete. Sieben Bücher sind daraus entstanden. „Der alte Brunnen“ heißt das neueste und war Amon ein besonderes Anliegen. Dichtungen aus 40 Jahren sowie 46 Lieder und über 20 Ordinarien und Messen aus der Feder des Priesters sind darin zu finden. Lieder, die heute noch in Sonnberg gesungen werden.

Die Mundartbibel, die Eigenheiten der Sonnberger und 400 Predigten

Die sechs vorangegangenen Bücher enthalten Theaterstücke, die der Pfarrer zuerst für die Sonnberger Jugend und dann für den Kirchenchor schrieb. Auch Klassiker, wie etwa „Das weiße Rössl“, wurden auf die Bühne gebracht.

Ein anderes Buch enthält etwa die Mundartbibel in Weinviertler Ui-Mundart verfasst, die Nebenführ im Jahre 1992 geschrieben hat. Das Werk „Im Schatten des Kirchturms“, das sechste Buch der Nebenführ-Reihe, beschreibt die Kirche sowie die Eigenheiten der Sonnberger und enthält außerdem 30 der insgesamt 400 Predigten, die der Pfarrer seinem Freund Franz Amon hinterlassen hat. „Es ist mir schwergefallen, nur diese 30 auszusuchen“, erinnert sich der Sonnberger. Denn Nebenführ galt als „brillanter Prediger“.

Eine „große Fügung" brachte Nebenführ nach Sonnberg

Nebenführ hielt alles handschriftlich in Schulheften und Notizbüchern fest. Amon brachte die Schriften, die ihm der Geistliche vererbte, in Form, mit großer Unterstützung seiner Enkelin Antonia Zeller.

„Wenn der Herrgott mir die Gesundheit schenkt, dann setz‘ ich noch ein oder zwei Bücher drauf. Material ist genug vorhanden“, sagt der 83-Jährige, der von einer „großen Fügung“ spricht, die den Pfarrer nach Sonnberg verschlagen hat.

Vom Kerker in eine keine Pfarre zur Erholung

Der gebürtige Hollabrunner war ins Rampenlicht des Nazi-Regimes gerückt, weil er Kontakt mit der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, rund um die Geschwister Scholl, hatte. Er saß bereits in der Todeszelle, war völlig abgemagert und wünschte sich nach dem Krieg eine kleine Pfarre, in der er sich erholen könne. „Das war Sonnberg“, erinnert sich Amon, wie Nebenführ 1949 in seine Heimatgemeinde kam, wo er bis zu seiner Pension 1981 wirken sollte.

„Ich bin beeindruckt und werde dir auch noch das siebte Buch abkaufen“, sagt Historiker Ernst Bezemek, der zu dem kleinen Kreis gehörte, den Amon ins Pfarrheim eingeladen hatte.