Erstellt am 14. Januar 2014, 23:59

von Sandra Frank

Bürgerliste ist „zahnlos“. Windkraft-Gegner / Die FLR will Naturdenkmal retten. Die Unterstützung bleibt jedoch aus.

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Von Sandra Frank

Dass ein Großteil der geplanten Standorte für Windparks mit dem Zonierungsplan des Landes gefallen ist, freut die Wullersdorfer Bürgerliste „Für unseren Lebensraum“ (FLR).

Die Liste entstand, als die Windpark Locatelli GmbH ihre Pläne für den Windpark auf Wullersdorfer Gemeindegebiet bekannt gab. Bei den Gemeinderatswahlen 2010 schaffte die Bürgerliste ein Mandat.

Doch trotz der geringen Potenzialflächen kann die FLR nicht jubeln. „Unser Naturdenkmal, der Galgenberg, ist in ernst zu nehmende Gefahr geraten, als Gewinnfläche für Windenergie herangezogen zu werden“, heißt es in einem Infoblatt. Doch nicht die Wullersdorfer Seite des Galgenbergs, der vom Naturschutzbund NÖ regelmäßig gepflegt wird, ist in Gefahr, sondern „der östliche Bereich im Gemeindegebiet von Nappersdorf“. Die Galgenberglandschaft würde regelrecht erschlagen werden, denn die FLR spricht von Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200 Metern.

Um dieses Horrorszenario für Naturschützer zu verhindern, hofft die FLR auf Unterstützung aus der Bevölkerung. „Leider haben nicht sehr viele Menschen auf unser Flugblatt reagiert“, berichtet Johannes Schmoll, ein Sprecher der FLR.

Hat Bürgerliste ihren Kampfgeist verloren? 

Allgemein beobachte er in der Marktgemeinde „betretenes Schweigen“, sobald es um die Thematik Windkraft gehe. Als Grund dafür nennt der Immendorfer die erregten Gemüter während der Volksabstimmung vor rund sechseinhalb Jahren. Die Dorfgemeinschaft werde nun wieder gekittet.

Im Gespräch mit Schmoll zeigt sich, dass die Bürgerliste ihren Kampfgeist verloren hat. „Wir werden zum Schutz des Galgenbergs eine Stellungnahme abgeben“, sagt der Sprecher. Große Chancen rechnet er sich aber nicht aus. „Kommen die Windräder auf der Nappersdorfer Seite, so sind sie auf alle Fälle höher als der Galgenberg“, spricht er von einer Zerstörung des Landschaftsbildes. Bis 16. Februar können Stellungnahmen zum neuen Raumordnungsplan eingebracht werden. „Unsere Chancen, den Galgenberg zu retten, sind schwer einzuschätzen. Das ist alles a politische G’schicht.“

Wind-Projekt derzeit bei der Umweltverträglichkeitsprüfung

„Ich würde gerne sehen, dass uns der Bürgermeister unterstützt“, hofft die FLR auf die Hilfe ihres ÖVP-Bürgermeisters Richard Hogl. „Er sitzt im Landtag. Er könnte am meisten bewirken, wenn er Druck macht.“ Doch dass das geschehen wird, daran glaubt die Bürgerliste nicht.

Und mit dieser Einschätzung liegt sie richtig: „Die FLR verlangt von der Gemeinde eine Stellungnahme, um den Galgenberg zu schützen“, sagt Gemeindechef Hogl. Doch: „Ich werde mich da sicher nicht einmischen.“ Denn zum einen bleibe der Galgenberg als Naturdenkmal unberührt. Zum anderen stehe er als Landtagsabgeordneter hinter den Plänen des Landes NÖ. „Das wurde alles sorgfältig überprüft“, weiß er, dass beim Erstellen des Zonierungsplans alle Faktoren berücksichtigt wurden.

Das Wind-Projekt in der Gemeinde Wullersdorf, der Windpark Locatelli, befindet sich derzeit bei der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). „Wir werden die Unterlagen bald zur Einsicht erhalten“, glaubt Schmoll. Mit 200 Unterschriften würde die FLR Parteienstellung erhalten. „Das würden wir schon schaffen. Aber es ist trotzdem eine zahnlose Sache“, gesteht er ein, dass die FLR ihr erklärtes Ziel, den Windpark Locatelli zu verhindern, nicht erreicht habe.