Ausgangssperre: Verhinderte Polizei das perfekte Date?. Junge Frau aus dem Bezirk St. Pölten durfte nach Kontrolle in Oberrußbach nicht zum Freund im Bezirk Hollabrunn weiterfahren.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 06. Januar 2021 (05:58)

Eigentlich hatte sich ein junger Mann aus dem Bezirk Hollabrunn auf ein romantisches Treffen mit seiner Freundin gefreut, die er einige Wochen lang nicht mehr gesehen hatte. Doch da funkte offenbar die Polizei dazwischen, wie der 24-Jährige in einem Schreiben an die NÖN beklagt.

In Oberrußbach in Polizeikontrolle geraten

Seine Freundin, die im Bezirk St. Pölten-Land lebt, sei am späten Nachmittag des 30.12. in eine Polizeikontrolle in Oberrußbach geraten. Auf Nachfrage der Beamten, wie oft sie mit dem Freund, zu dem sie unterwegs war, in Kontakt sei, habe sie angegeben, dass sie ihn zuletzt vor ungefähr eineinhalb Monaten gesehen hatte.

„Meine Freundin wusste nicht, dass Kontakt haben auch Telefonieren oder WhatsApp-Schreiben beinhaltet, was tatsächlich mehrmals pro Woche stattfindet“, schildert der 24-Jährige.

So hätten aber die Polizisten seiner Freundin eine Strafe von bis zu 200 Euro angekündigt, da sie gegen die Ausgangsbeschränkungen verstoßen habe. Und sie wurde aufgefordert, unverzüglich zu ihrem Hauptwohnsitz zurückzukehren. Was sie auch tat und ihrem Freund Bescheid gab.

„Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“

„Für mich ist in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen, da ich unser Date sehr aufwendig und perfekt vorbereitet hatte“, berichtet der verhinderte Romantiker. „In Zeiten des Lockdowns ist es die romantischste Art, seiner besseren Hälfte seine Liebe zu zeigen.“

Rote Rosen, Früchte, Sekt, Rosen-blütenblätter, Massageöl – alles war perfekt fürs Date vorbereitet …
privat

Seine Freundin traue sich nun nicht mehr, ihn zu besuchen; er sei selbst psychisch angeknackst. Dabei sei doch ein Treffen mit einer Bezugsperson erlaubt. „Es ist extrem traurig, wenn so eine Beziehung nachhaltig geschädigt wird“, meint der 24-Jährige. Gegen die erwartete BH-Strafe werde die Freundin jedenfalls Einspruch erheben.

Doch wer hat die junge Frau nun tatsächlich aufgehalten? In Hollabrunn wusste Bezirkspolizeichef Eduard Widhalm nichts von einem derartigen Fall. Beim Bezirkspolizeikommando Korneuburg – dort gehört Oberrußbach geografisch dazu – war man bemüht, auf NÖN-Nachfrage die Hintergründe aufzuklären. Doch: Fehlanzeige!

Es konnte keine Polizeistreife eruiert werden, die für den Zwischenfall infrage käme, und es wäre auch äußerst ungewöhnlich, wenn auf diese Art und Weise gehandelt worden wäre. Auf der Bezirkshauptmannschaft liege überdies keine passende Anzeige auf.

Also ein Schmäh? Dass es sich um falsche Polizisten gehandelt haben könnte, glaubt der 24-Jährige nicht. Auch seine Freundin nicht. Diese wollte – laut Angaben des jungen Mannes – aber nicht direkt mit der NÖN sprechen.