Inklusion in Retz: „Arbeitsunfähigkeit gibt es nicht“

Erstellt am 27. Januar 2022 | 16:35
Lesezeit: 3 Min
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Besuchten gemeinsam den neuen Shop „Genuss & Co“ in der ehemaligen Apotheke am Retzer Hauptplatz (v.l.): Stefan Lang, Eva Heilinger, Verena Karasek und Richard Hogl.
Foto: Sarah Marie Piskur
Caritas bietet mit Werkstätten Grundstock, um Menschen mit Behinderung den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
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Bei einem virtuellen Presselunch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien präsentierte die Caritas-Region Weinviertel neue Projekte für das Jahr 2022.

Hauptthema der Veranstaltung war die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung entgegenwirken soll.

Ilse Simma-Boyd, die vor Kurzem den Bereich Behindertenbetreuung der Caritas übernommen hat, machte auf die Probleme aufmerksam, die Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt erwarten: „Wir sehen in unseren Werkstätten, dass es so etwas wie Arbeitsunfähigkeit eigentlich nicht gibt. Ob jemand arbeiten kann, hängt meist von den unterstützenden Maßnahmen ab, die seitens der Unternehmen angeboten werden“, erläuterte Simma-Boyd den über 30 Anwesenden.

Diese Aussage wurde von Interessenvertreterin Anna Petrides untermauert: „Ich arbeite vielleicht nicht so schnell wie andere, aber ich gehe gerne arbeiten. Es gibt mir eine Tagesstruktur. Daheim ist mir langweilig.“

Werkstätten sollen keine Sackgasse sein

Über 30 Caritas-Werkstätten gibt es alleine im Weinviertel. Menschen mit Behinderung haben hier die Möglichkeit, Kompetenzen zu erwerben, die am ersten Arbeitsmarkt nützlich sind. So auch im neu eröffneten „Genuss & Co“ am Retzer Hauptplatz. Hier werden neben Regalbetreuung und Auslagengestaltung Erfahrungen im Umgang mit Kunden gesammelt.

15 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind Menschen mit Behinderung. Am Arbeitsmarkt haben sie es oft schwer, da sich Unternehmen nicht auf die Möglichkeiten einließen, wie Günther Macht, Geschäftsführer der Firma Ploberger und Retzer Gemeinderat verdeutlichte: „Ich kenne viele Unternehmen, die lieber jeden Monat Ausgleichszahlungen tätigen, bevor sie Menschen mit Behinderung einstellen. Dabei verlieren sie aber den Mehrwert, den diese Mitarbeiter ihren Unternehmen bringen würden“, betonte er.

So sieht das auch der Retzer Bürgermeister Stefan Lang, der nur Positives über die Zusammenarbeit mit den Caritas- Einrichtungen der Region berichten kann. „Wir versuchen immer, die Einrichtungen bei Veranstaltungen einzubinden. Wir wollen ein inklusives Gesellschaftsleben. Das geht nur, wenn wir auch Möglichkeiten anbieten, wie Menschen mit Behinderung eingebunden werden können“, so Lang.

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