Andreas Hajdusic: „Ich behalte hier nichts für mich". Andreas Hajdusic ist im Bezirk Hollabrunn als Schauspieler bekannt - im Retzer Erlebniskeller mimte er bereits Adolf Hitler und wird dort als nächstes als verrückter Hutmacher zu sehen sein. Die NÖN sprach mit dem Wiener nun aber über seine zweite Leidenschaft: Das Musikmachen. Im Lockdown ist sein erstes Album „I Glaub I Muass Mi Hilegn“ erschienen - mit Mundart-Songs voller Selbstironie.

Von Sandra Frank. Erstellt am 03. Mai 2021 (19:36)
Andreas Hajdusic, Schauspieler und Musiker, hat sich die Instrumente, die er auf seinem Debütalbum spielt, selbst beigebracht.
Usercontent, Christian Hlinak

 „Es ist sehr schwierig, mit der Ungewissheit umzugehen. Ob und wann man wieder auf der Bühne stehen darf. Ob man sich im nächsten Monat die Miete überhaupt leisten kann.“ Andreas Hajdusic ist Schauspieler und Musiker, der mit seiner Frau und seinem Sohn in Wien lebt, aber dem Theaterpublikum der Region bestens durch Auftritte im Guntersdorfer tww oder dem Retzer Erlebniskeller bekannt ist.

Heuer ist es bereits das achte Jahr, in dem er durch die kühlen Sandgänge des Retzer Erlebniskellers zieht. „Das tolle Team und Ensemble, das mitunter der Grund ist, warum ich mich in Retz so wohlfühle, haucht dem Untergrund richtig Leben ein“, spricht der 34-Jährige von der anstehenden Produktion „Die Wunderland-Affäre“, bei der er den verrückten Hutmacher mimen wird.

Gang ins Studio auf lange Bank geschoben

Bevor es mit den Proben dazu losging, hat Hajdusic sein Debütalbum „I Glaub I Muass Mi Hilegn“ herausgebracht. Wer den wandelbaren Schauspieler kennt, weiß, dass er schon länger Musik macht und in etlichen Bands spielte. Warum hat’s bis zum ersten Album so lange gedauert?

„Ich hab’ mich viele Jahre mit meinen Liedern im Wohnzimmer ganz für mich am wohlsten gefühlt“, erzählt der Musiker im NÖN-Gespräch. Der Gang ins Studio wurde auf die lange Bank geschoben. Ein Thema, das Hajdusic in einem Lied besingt. In dem heißt es: „Je länger die Bank, desto gmiadlicher liegt man.“ „Darüber bin ich nun hinsausgewachsen“, schmunzelt der Musiker. Die viele Zeit, die er im vergangenen Jahr zu Hause war, nutzte er, um an seinen Songs zu arbeiten und endlich ins Studio zu gehen.

Ein Album voller Melankomik

Punk-Rock, Hardcore, Death und Black Metal waren seit Hajdusic’ 14. Lebensjahr seine musikalischen Begleiter. Als Solo-Künstler ist das anders, da rückt der Schlagzeuger nämlich mit Gitarre und Mundharmonika aus und komponiert Lieder in Mundart. „Melankomik, Selbstironie mit Mundart-Poesie“ nennt er seine Stilrichtung. Dabei gibt er diverse Alltags- und Lebenssituationen wieder, wie der Titel des Albums zeigt.

Die NÖN fragte nach, wie dieser entstanden ist. „Das Verlangen, sich hinlegen zu müssen, gehört zu einem der alltäglichsten und menschlichsten Bedürfnisse, die es gibt“, sagt der Musiker. Doch zuzugeben, dass man eine Pause braucht und sich unter der Bettdecke verstecken will, werde als Schwäche angesehen, über die man lieber nicht spricht. „In meinem Album behalte ich nichts für mich.“ Da singt er offen über intime Themen wie mangelndes Selbstwertgefühl, elterliches Sexualleben, Tod, Angst vor dem Leben und den Wunsch, sich selbst kennenzulernen – und auch über zu wenig Bier im Kühlschrank. „Das Ganze verpacke ich in ehrliche, selbstironische und humorvolle Texte und lade dazu ein, sich selbst wiederzuerkennen, zu lächeln und zu merken, dass man nicht alleine ist.“

Nur in die Tasten haut ein anderer ... 

Auf dem Album sind zarte Singer-Songwriter-Lieder ebenso vertreten wie eingängige Pop-Rock-Balladen. „Ein bisserl Punk-Rock“ und schwere Gitarrenklänge schummelt der Musiker gekonnt dazwischen.

Übrigens, Hajdusic spielt alle Instrumente auf seinem Album selbst – außer die Tasteninstrumente. Warum gerade diese nicht? „Weil ich es nicht kann“, lacht er. Seit seiner frühesten Kindheit, die er in Berndorf an der Triesting (Bezirk Baden) verbrachte, wollte er Schlagzeug spielen. Doch sein Musiklehrer meinte, Hajdusic sei mit sechs Jahren noch zu jung. Er solle vorher ein anderes Instrument lernen. Das waren Blockflöte und schließlich Klavier. „Es hat mir einfach keinen Spaß gemacht, Noten zu lernen und Fingerübungen zu machen“, gesteht der Schauspieler.

Also löschte er das alles aus seinem Kopf, wie er sagt, und brachte sich die Instrumente, die auf dem Album zu hören sind, selbst bei. Um die Melodien und Visionen von Hajdusic umzusetzen, brauchte es aber den Griff in die Tasten. „Da hatte ich das große Glück, dass Chris Canis nicht nur mein Album aufgenommen hat, sondern auch begnadeter Musiker ist.“

Canis ist Gründer und Inhaber des Labels „Canis Records“ und im Bezirk als Musiker, Autor und Schauspieler Christoph Hahn bekannt.

Mehr über Andreas Hajdusic und seine Projekte ist auf seiner Homepage zu erfahren: www.andreashajdusic.com