Der Wilde Osten: Hollabrunn vor 1.000 Jahren. Gerhard Hasenhündl wird am 30. Jänner vom verschwundenen *Willolfsdorf im Raum Hollabrunn erzählen.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 20. Januar 2020 (10:27)
Am Hausberg von Wiesendorf östlich von Raschala führt ein beliebter Wanderweg zur Koliskowarte vorbei. Nur die wenigsten, wie hier bei einer Museumsführung durch den Autor, wissen, dass hier bis vor 500 Jahren das abgekommene *Wiesendorf gelegen ist.
Gerhard Hasenhündl, Hollabrunner Museumsverein

Gerade im Jahr 2020, wo man den Zusammenfall mit der Postleitzahl von Hollabrunn hervorheben will, sollte man sich auch über die Anfänge vor 1.000 Jahren im Klaren sein, meint Gerhard Hasenhündl vom Hollabrunner Museumsverein. „Nach dem Motto: Ein Mensch ohne Gedächtnis hat keine Zukunft.“ 

Die frühen Straßendörfer Hollabrunn (1.0 – In der Zeil) und *Willolfsdorf (2.6 – In der Stanbruck), wie sie in der Urkunde von 1135 genannt werden. Die beiden Hausberge (D - Kirchberg, E - Gerichtsberg) sind in der Karte von 1822 noch sehr gut zu sehen.
Franziszeischer Kataster 1822, NÖ Landesarchiv

So ist es kein Zufall, dass sich die XXXVI. Hollabrunner Vorlesung im Erzbischöflichen Seminar am 30. Jänner (19 Uhr) mit den Anfängen von Hollabrunn beschäftigt und dafür den Historiker Hasenhündl gewonnen haben. Der erste Teil behandelt die Siedlungsgeschichte im „Wilden Osten“ und geht den vielen abgekommenen Orten und Hausbergen im Kleinen Göllersbachtal nach.

Suche nach dem verschwundenen *Willolfsdorf

Als herausragende Fundstellen werden Krales im Glasweiner Wald und der Dernberg bei Haslach hervorgehoben. Im zweiten Teil der Veranstaltung wird die Suche nach dem verschwundenen *Willolfsdorf im Raum Hollabrunn behandelt. (Der hochgestellte Stern bedeutet, dass es sich um eine Ortsverwüstung und keinen bestehenden Ort handelt.)

Im Vorjahr schrieb Gerhard Hasenhündl eine Arbeit zur Gründungsgeschichte von Hollabrunn: „1135: Holerbrunnen et Willolvisdorf. Die Suche nach dem abgekommenen *Willolfsdorf aus dem Blickwinkel der jüngsten Feldforschungen.“ Der Artikel ist Anfang November im Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge 85, erschienen.

Hasenhündl konnte durch genaue Feldforschungen und Geländebeobachtungen den abgekommenen Nachbarort *Willolfsdorf neu lokalisieren. Die Deutungen der letzten hundert Jahre seien nämlich nicht sehr schlüssig gewesen. „Jedes Dorf bestand damals aus einer Straßen- oder Angerzeile und einem Herrensitz, dem Hausberg. Für Hollabrunn ist das der Kirchberg und die Wienerstraße, für *Willofsdorf die untere Znaimerstarße und der ehemalige Gerichtsberg“, berichtet der Hollabrunner, der mit Wehmut verfolgt, dass alte Bauernhäuser heute oft Wohnblöcken weichen müssen. „Gründerzeit gegen moderne Pendler-/Trabantenstadt.“

In der Zeil - heute die Wienerstraße - lag das ursprüngliche Straßendorf Oberhollabrunn, wie man es auf der Ansichtskarte 1924 noch deutlich erkennt.
Hollabrunner Museumsverein