Dialekt vom Feinsten in Hollabrunner Kulturmü‘µ. Beim Mühlenfest in der Kulturmü‘µ Hollabrunn traten endlich wieder Künstler live auf.

Von Belinda Krottendorfer und Elisabeth Hess. Erstellt am 27. Oktober 2020 (11:44)

Beim 23. Mühlenfest der Kulturmü‘µ Hollabrunn waren die Musikerinnen Alicia Edelweiss und Sigrid Horn mit dabei. Obmann Klaus Motschka hatte diese Musiker bereits vor längerer Zeit live gesehen und ihnen einen Auftritt in der Kulturmü‘µ angeboten, da sie heuer alle neue Alben veröffentlicht hatten. 

Ursprünglich sollten sie beim Open Air, das für 10. Juli geplant war, auftreten. Dieses musste jedoch abgesagt werden, da im Innenhof der alten Hofmühle Gras angebaut wurde und dieses nicht betreten werden durfte. „Den Auftritt der Musiker haben wir daher auf das Mühlenfest verlegt“, erklärt Motschka. Dieses Fest war die erste Veranstaltung der Kulturmü‘µ seit dem Corona-Lockdown im März.

Alicia Edelweiss trat mit ihrer Band Matthias Frey und Lukas Lauermann auf. Cellist Lauermann präsentierte auch Lieder seiner Solo-Karriere. Das Konzert war auf 35 Besucher limitiert, um einen Meter Abstand zwischen den Personen garantieren zu können.

Melancholisch-schunkelnd beginnt der Abend mit Sigrid Horn

Wenn Sigrid Horn, Sarah Metzler und Bernhard Scheiblauer Musik machen, wird es einem abwechselnd kalt und warm ums Herz. So außergewöhnlich wie die Kombination ihrer Instrumente – Ukulele, Banjolele, Concertina, Harfe, Klavier und Stimme – ist auch ihre Musik. Mit dem Lied „Woiza“, das von der Donau handelt, beginnt das Trio melancholisch-schunkelnd den Abend.

Die drei sind gut eingespielt – kein Wunder, sie kennen sich schon lange: Sigrid Horn, die aus Neuhofen an der Ybbs stammt, ging mit Bernhard Scheiblauer schon gemeinsam in den Kindergarten, ihre allererste gemeinsame Aufführung war die der kleinen Raupe Nimmersatt. Harfenistin Sarah Metzler, die aus dem Bregenzerwald stammt, lernte Sigrid Horn an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien kennen. Obwohl die Musiker nur zu dritt auf der Bühne musizieren, haben sie eine Klang- und Farbpalette von 30 Musikern.

Weinviertler lernten Mostviertlerisch

Besonders bei den tiefen Tönen von Sigrid Horn hat man das Gefühl, als würde die Künstlerin einen in eine warme Wolldecke wickeln. Zwischendurch erklärt die Mostviertlerin dem Weinviertler Publikum ein paar Vokabeln – wie zum Beispiel „heiti“ oder „goam“ – aus ihrer Heimat. Die Liedermacherin packt auch familiäre Geschichten in ihre Texte.

Das Lied „Radl“ hat sie anlässlich der Diamantenen Hochzeit ihrer Großeltern geschrieben, dazu gibt es das passende Musikvideo mit Bild- und Filmmaterial. Aber auch politische Statements verpackt Horn in ihre Musik: So hat sie mit ihrem Lied „Baun“, das von der Zersiedelung unserer Landschaft und der Zerstörung unserer Umwelt handelt, den FM4-Protestsongcontest gewonnen.

Text und Musik bilden bei ihr stets eine Einheit: Wenn sie über den Klimawandel singt, benützt sie gekonnt schräge Harmonien und Dissonanzen, die das Publikum zusammenzucken lassen. Mit dem von Scheiblauer komponierten Lied „Sehnsucht Wunschglück“ zeigt sich das Trio von einer neuen Seite. „Wir experimentieren und trauen uns immer mehr“, stellen die drei Musiker fest.

Nach Tour-Absage: "Habe Trauer verspürt"

Ihr zweites Album „i bleib do“ hat Sigrid Horn in den Anfängen der Coronakrise herausgebracht; die Tour für die CD-Präsentation wurde folglich abgesagt. „Als alles abgesagt wurde, habe ich eine Art von Trauer verspürt. Es hat mich schon in ein Loch gehaut“, sagt Horn gegenüber den NÖN. Etwas anders war es bei Scheiblauer: „Bei mir war die Auszeit am Anfang eigentlich sehr angenehm und erst später habe ich realisiert, dass etwas fehlt“, erzählt er in der Kulturmü’ų.

Scheiblauer selbst schreibt auch Lieder, welche in derselben Formation, aber unter dem Namen „SarahBernhardt“ aufgeführt werden.

Seit Juni ist Sigrid Horn wieder mit ihren Musikerfreunden auf der Bühne, das nächste Konzert ist am 21.11. in Krems geplant.