Erstellt am 21. Januar 2014, 23:59

von Christoph Reiterer

„Die Infrastruktur hält nicht Schritt“. WEINVIERTEL, WALDVIERTEL / IG Wein- und Waldviertel wollen aufzeigen, dass über die Energieziele hinausgeschossen wird.

Das bleibt, wenn der Zonierungsplan durch ist: Rot sind bestehende Windräder, Grün die bereits bewilligten, Gelb die noch möglichen. IG, Google  |  NOEN
Von Christoph Reiterer
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Mit dem seit 16. Dezember 2013 aufliegenden Zonierungsplan des Landes NÖ wurden zahlreiche Standorte für etwaige Windkraft-Projekte ausgeschlossen. Die Situation sei nun besser, als sie es vorher war, sagt Leopold Dungl. Der Architekt aus Grabern ist Sprecher der Interessengemeinschaft Weinviertel, die sich gemeinsam mit der IG Waldviertel für den Erhalt der Kultur- und Erholungslandschaften einsetzt. Doch am Ziel sind die Initiativen nicht.

 

Kräftig über die Ziele des NÖ Energiefahrplanes hinausgeschossen

Denn nach wie vor hätten das Wein- und das Waldviertel die Hauptlast zu tragen, was die ausgewiesenen Potenzialflächen für Windkraftwerke betrifft. Und während Stefan Moidl, der Geschäftsführer der IG Windkraft, davon spricht, dass der NÖ Energiefahrplan 2013 durch die Zonierung in Gefahr sei, sind Dungl und seine Mitstreiter vom Gegenteil überzeugt. Werden neue Windparks gebaut, schieße das kräftig über die Ziele des NÖ Energiefahrplanes hinaus.

Schon im Jahr 2015 werde in Niederösterreich mehr Strom durch erneuerbare Energieträger erzeugt, als verbraucht wird. Und allein durch Repowering – das Ersetzen alter Windräder durch neue, leistungsstärkere – lasse sich der bis 2030 ausgegebene Energiefahrplan befriedigen, betont Johannes Schmoll, Wullersdorfer Mitglied der IG Weinviertel.

„Diskussion, die diesen Namen auch verdient“ 

„Es geht nicht darum, hier Egoismen zu befriedigen“, betont Dungl. Das Vorurteil, dass die Leute die Windräder bloß nicht vor der Haustüre haben wollen, führe weg von den grundsätzlichen Fragen. Vielmehr wolle man einen Impuls liefern für eine energiepolitische Diskussion, die diesen Namen auch verdiene, richtet der 56-Jährige einen Appell an die Politik.

Denn eigentlich wäre im Bereich des nichtelektrischen Energieverbrauchs der wesentlich größere Handlungsbedarf, Schritte in Richtung Energiewende zu tun. Ein weiterer Windkraftausbau fülle die Versorgungslücken bei Windflaute nicht, sondern führe nur zu weiterhin schwer verwertbaren Stromspitzenmengen.

Eine mögliche Speicherung der Windkraftüberschüsse sei ebenso wenig in Sicht, wie der nötige Bau neuer Hochspannungsleitungen, um die Stromspitzen abtransportieren zu können. „Die umgebende Infrastruktur muss mitwachsen. Das ist momentan überhaupt nicht auf Schiene. Sie hält nicht Schritt“, betont Schmoll.

„So kurz ist das Gedächtnis der Leute nicht. Es geht nur miteinander.“

Vom Bund fordern die IG Wein- und Waldviertel eine Änderung der Ökostromförderung – hin zu einer Investitionsförderung für Windkraftwerke, „in der die Kostenwahrheit von Anfang an auf dem Tisch liegt“.

Bürgermeistern, die im „Untergrund“ Stimmung für weitere Windparks machen, prophezeit Dungl einen „Kollateralschaden“ bei den nächsten Gemeinderatswahlen. „So kurz ist das Gedächtnis der Leute nicht. Es geht nur miteinander.“

Alarm schlägt auch Michael „Jimmy“ Moser, Sprecher der IG Waldviertel, ob der 22 Eignungsflächen, die in der Region ausgewiesen sind. Er fürchtet eine totale Veränderung des Landschaftsbildes in einer Region, die sich mit ihrer Landschaft eine Marke aufgebaut habe und mit Kampagnen versuche, ihr Abwanderungsproblem zu lösen. „Es wird alles infrage gestellt. Dabei ist es gar nicht notwendig, eine bis dato unberührte Landschaft in dem Maße zu zerstören.“

ZITIERT

„Es ist bedrückend, fast erdrückend“ „Der Interpretationsspielraum ist so groß, dass er der Meinung ist, das sagen zu müssen.“ Leopold Dungls Kommentar zur Aussage von Stefan Moidl, dass der Energiefahrplan 2013 aufgrund des Zonierungsplanes in Gefahr sei.

Der Infoprozess war so transparent, dass wir wussten, in welche Richtung die Reise geht. Die Vorgangsweise war fachlich korrekt. Dass wir mit dem Ergebnis nicht übereinstimmen, steht auf einem anderen Blatt.“
Leopold Dungl zum Entwurf des Landes NÖ für die neuen Windkraft-Eignungszonen.

„Der Gedanke der Windkraft ist auch für mich faszinierend. Allerdings gibt es auch viele Menschen, die unter dem optisch unglaublich dominanten Eindruck leiden. Es ist bedrückend, fast erdrückend. Und das Konfliktpotenzial, das dadurch entsteht, macht uns fast nieder.“ Johann Schmoll, IG Weinviertel

„Es herrscht große Unruhe in den Bezirken. Man sieht nur noch die Euronen. So kann man mit einer Region nicht umgehen.“ Jimmy Moser, IG Waldviertel