Pulkautaler rechtfertigt sich: „Ich hatte Hunger“. Ein Pulkautaler ließ Leberstreichwurst und Red Bull aus einem Supermarkt mitgehen und rastete bei Verhandlung aus.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 09. Februar 2020 (05:26)
25 Jahre seines Lebens hat der Angeklagte mit 16 Vorstrafen bereits im Gefängnis verbracht. Am Hollabrunner Bezirksgericht wurde die nächste Freiheitsstrafe über den Pulkautaler verhängt.
NÖN

Weil er im Oktober des Vorjahres Leberstreichwurst und Red Bull im Wert von 9,67 Euro im Haugsdorfer Supermarkt mitgehen lassen wollte, saß ein Pulkautaler vor Richter Erhard Neubauer am Bezirksgericht Hollabrunn.

Was harmlos anmutete, sorgte dann doch für schockierte Gesichter im Gerichtssaal. Denn der Mann wurde angesichts seiner Strafe rabiat.

Der Angeklagte bekannte sich zunächst schuldig. Ein Bekannter sei gestorben und es habe Schwierigkeiten mit dem Geld gegeben. „Ich hatte Hunger, Herr Rat“, erklärte der Mann, warum er ohne Geld den Supermarkt betrat. Verwandte, die er um Hilfe bitten wollte, hätte er nicht erreicht. „Es war ein großer Fehler“, wusste der Pulkautaler. Die gestohlene Ware wurde in seinem Rucksack gefunden. Das Geld zahlte er am nächsten Tag zurück. Keine große Sache also? Schon, wenn man 16 Vorstrafen hat und die letzte Verurteilung vom Jänner 2019 noch nicht einmal abgesessen ist.

Dennoch bat der Mann um eine bedingte Strafe, denn er habe gerade eine 18-monatige Drogentherapie abgeschlossen und könne in Kürze eine neue Arbeit aufnehmen. Als der Richter andeutete, dass es ihm leidtue und ihm bei einer derartigen Latte an Vorstrafen die Hände gebunden seien, schlug die Stimmung des Angeklagten um. „Ich hab 40 Jahre meines Lebens verschissen, war 25 Jahre im Häfn, ich kenn‘ nix anderes“, rief er schluchzend.

Drei Monate unbedingte Haft, lautete schließlich das Urteil für den versuchten Diebstahl; woraufhin sich der Pulkautaler immer lauter schimpfend gebärdete, dass Neubauer schließlich den Sicherheitsdienst rief, der den weiter brüllenden Mann nach draußen begleitete. „Das ist mir seit zehn Jahren nicht passiert. Jetzt ist mir heiß“, kommentierte der Richter den Zwischenfall.