Discokugel in der Feenwelt. Theater-Premiere / Mit großer Spannung wurde die diesjährige Bühnenarbeit, Ferdinand Raimunds „Der Bauer als Millionär“, des Theatervereins Oberfellabrunn erwartet.

Erstellt am 04. November 2013 (22:11)
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Ein umjubeltes Ensemble beim Premieren-Applaus und ein gelöster Regisseur neben „seinem Bauer“ Franz Josef Weiss.Christian Pfeiffer
Von Christian Pfeiffer

OBERFELLABRUNN / Premieren pflegen immer ein eigenes Flair zu haben und trotzdem lag im Vorfeld von Christian Himmelbauers Inszenierung von Raimunds Zaubermärchen „Der Bauer als Millionär“ etwas Besonderes in der Luft im Kulturstadl.

Das Gefühl sollte sich auch unmittelbar mit der Ouvertüre zum Stück bestätigen. In zartesten E-Gitarren-Tönen ließ Christoph Hahn in eigens kreierten Arrangements das „Aschenlied“ genauso anklingen wie „Brüderlein fein“. Er war es also, der im weiteren Verlauf zaubern sollte mit seinem Instrument – was im furios gelang. Da ahnte man bereits, in welche Richtung sich der Abend entwickeln würde.

Die Szenerie wurde jedes vorgeblichen Naturalismus entledigt und auf das Wesentliche, in diesem Fall drei Türen, reduziert. Ein paar Effekte hat man sich trotzdem einfallen lassen, die durch die vorgegebene Kargheit bestens zur Geltung kommen.

Auch die Kostüme von Natascha Wöss unterstrichen die Normalität und Aktualität der Interpretation. Die Reduktion des, sonst durchaus üblichen, Kitsches ließ die Geschichte von Fortunatus Wurzel, der unverhofft zu Reichtum kommt und sich darob zu einer herrischen Bestie entwickelt, nachvollziehbarer erscheinen. Der Fokus liegt so viel konzentrierter auf der Geschichte & ihren Figuren.

Himmelbauer verzichtet keineswegs darauf, sich des Märchens und des Zaubers zu bedienen, delegiert diese Aufgabe aber geschickt ans Publikum. So entstehen die Zauberwelten in dieser Aufführung in der Fantasie der Zuschauer.

Bauer als Traumrolle & Alter als Schmankerl 

Das 20-köpfige Ensemble folgte den Vorstellungen seines Regisseurs und liefert eine disziplinierte Aufführung, die deswegen nicht auf Spaß und gute Pointen verzichtet. Für Franz Josef Weiss war der „Bauer“ laut eigenem Bekunden eine Traumrolle. So grobschlächtig er als reicher Mann ist, so berührend ist er, wenn er seinen Reichtum wieder abgestreift hat und als Aschenmann durch die Lande ziehen muss. Eine Meisterleistung in Selbstironie und ein Gustostückerl des Abends liefert Franz Braindl als „Hohes Alter“.

Zu sehen ist die gelungene Neu-Interpretation von „Der Bauer als Millionär“ noch bis einschließlich 24. November an Freitagen und Wochenenden im Kulturstadl.