ÖVP-Geschäftsführer heizte das Wahlkampf-Fieber an. Die ÖVP sei "jünger, neuer und weiblicher", verkündete Bernhard Ebner. Warum es im Bezirk Hollabrunn trotz der 880 Kandidaten keine Frau an der Spitze einer Liste gibt, erklärte Bezirksparteiobmann Richard Hogl

Von Sandra Frank. Erstellt am 19. Januar 2020 (14:33)
Sind guter Dinge am 26. Jänner positive Ergebnisse für die Volkspartei einzufahren (v.l.): Helmut Koch, Hermann Fischer, Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer, Bernhard Ebner, Alfred Babinsky, Richard Hogl, Fritz Weirosta und Josef Reinwein.
Hans Gschwindl

Bernhard Ebner, Landesgeschäftsführer der ÖVP, tourte durchs Land, um in den Bezirken über die bevorstehenden Gemeinderatswahlen zu sprechen. In Hollabrunn ist die ÖVP aktuell in 22 von 24 Gemeinden die Nummer eins, wie Bezirksobmann Richard Hogl ausführte. 2015 sei es gelungen, zwei Gemeinden, nämlich Nappersdorf-Kammersdorf und Alberndorf, zu drehen. 

„Trotz einer schwierigen Ausgangslage hat er einen guten Job gemacht“, sprach Hogl über den Retzer Bürgermeister Helmut Koch. Die ÖVP hält in der Weinstadt derzeit zehn von 25 Mandaten und ist in einer Koalition mit den Roten (sechs Mandate). „Die Mitbewerber reden halt mit. Aber umgesetzt haben s‘ noch nix“, sagte der Stadtchef. Darum sagte er wenige Tage vor der Wahl mit voller Überzeugung: „Wir werden eine gute Ernte einfahren und am 26. Jänner die Absolute holen!“

ÖVP-Reinwein: Neuer Standort für Gemeindearzt kann umgewidmet werden

Eine „große Zukunft“ prophezeit Richard Hogl dem Bürgermeister von Göllersdorf: Josef Reinweins ÖVP hat elf von insgesamt 21 Sitzen im Gemeinderat. „Wir haben ein starkes Jugendteam“, ist Reinwein stolz auf die Kandidatenliste seiner Fraktion. Diese sei nämlich sehr ausgewogen. Aus jeder Ortschaft gebe es einen Vertreter. „Das ist die wichtigste Botschaft: dass wir wirklich vor Ort sind und das Ohr beim Bürger haben.“ Reinwein ist froh, dass der Wahlkampf kurz ist. „Wir wollten die Bürger vor Wahlkampf-Rethorik bewahren.“

In den vergangenen Jahren habe die Gemeindeführung stark auf den Straßenbau gesetzt und 2,5 Millionen Euro investiert. „Wir haben aber noch viel vor.“ Erfreuliche Nachrichten brachte der Göllersdorf zum Pressegespräch mit Ebner mit: „Wir haben den positiven Bescheid zur Umwidmung für den neuen Standort für unseren Gemeindearzt bekommen.“ 

Alfred Babinsky macht sich für seine Wähler fesch


Seine erste Wahl als Bürgermeisterkandidat schlägt Alfred Babinsky in Hollabrunn. Sein Team besteche vor allem damit, dass es aus vielen Jungen und Frauen bestehe, aber auch regional alle Katastralgemeinden abdecke. Die Bezirkshauptstadt hat mehr als 10.000 Wahlberechtigte. „Davon sind um zehn Prozent mehr Frauen, darum versuch‘ ich mich jetzt immer fesch zu machen, um besonders sie anzusprechen.“, scherzte der Stadtchef.  

Hermann Fischer hat zwar lange Jahre Erfahrung als Kommunalpolitiker, nämlich 25 Jahre, dennoch ist es sein erster Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters. „Meine ersten 100 Tage sind schon vorbei“, erzählte er, dass er Anfang Oktober das „Erbe des unübersehbaren Hans Gartners“ als Bürgermeister angetreten habe. „20 Jahre, wie er, werde ich aber nicht Bürgermeister bleiben“, lächelte der 60-Jährige. In Ziersdorf ist die ÖVP-Mehrheit mit 16 von 23 Mandaten gut abgesichert.

„Man sieht, die Leut‘ haben Spaß an der politischen Arbeit“, meinte Ebner, der den Ausführungen des selbsternannten „Entenvaters“ mit einem Schmunzeln zuhörte.

Absolute der SPÖ soll in Seefeld-Kadolz gebrochen werden

„Die Karten sind neu gemischt, wir haben eine große Chance, die Absolute der SPÖ zu brechen“, spricht Fritz Weirosta, ÖVP-Spitzenkandidat in Seefeld-Kadolz, einen für den Bezirk ungewöhnlichen Satz aus. Denn nur in Seefeld-Kadolz und in Mailberg stellt die Volkspartei nicht den Bürgermeister. In Weirostas Heimatgemeinde besetzen die Sozialdemokraten zehn der 15 Mandate. Die restlichen fünf entfallen auf die ÖVP. Warum sich Weirosta dennoch Chancen ausrechnet, die absolute SPÖ-Mehrheit zu Fall zu bringen? „Bei uns kandidieren erstmals vier Parteien.“

„Wir sind so jung wie keine andere Partei“, blickte Hogl stolz auf die insgesamt 880 Kandidaten im Bezirk. 221 davon sind unter 35 Jahren. 199 der Kandidaten sind Frauen. Auch der Landesgeschäftsführer bestätigte: „Wir sind jünger, neuer und weiblicher geworden.“ 

Trotzdem: Von den 880 Kandidaten sind eben nur 199 Frauen, weibliche Bürgermeisterkandidaten gibt es bei der ÖVP im Bezirk nicht. „Viele hervorragende Frauen sind bei uns Vizebürgermeisterinnen“, verwies Hogl etwa an seine Nummer zwei in Wullersdorf, Annemarie Maurer. Aber auch an die „Perle“ in Haugsdorf, Vizebürgermeisterin Martina Böck. „In Zukunft werden solche Frauen ganz sicher in der ersten Reihe stehen“, ist Hogl überzeugt. Es sei ein Prozess, der in die Gänge gekommen sei.

Gute Partnerschaft zwischen Gemeinden und Land

Hogl sprach außerdem über die gute Partnerschaft zwischen Gemeinden und dem Land NÖ. Niemand, der Projekte plane, werde im Regen stehen gelassen. Besonders gefalle ihm, dass auf den ländlichen Raum geachtet werde. „Es braucht die Partnerschaft zwischen Gemeinden und Land für den Erfolg“, pflichtete Ebner bei. Es brauche Landtagsabgeordnete wie Hogl, die die Themen von der Region nach St. Pölten mitnehmen. „Das zeichnet uns in Niederösterreich besonders aus.“ In jedem Euro, der in einer Gemeinde investiert wird, würden 60 Prozent Förderung des Landes stecken. Ebner betonte: „Die Ideen kommen aber aus den Gemeinden.“