Ein Aufgebot an Hilfsbereitschaft. Für Therapieprojekt „Ylvie“ und seine Namensgeberin traten viele prominente Hollabrunner im Stadtsaal bei der Benefizgala fauf.

Von Sandra Frank. Erstellt am 09. April 2019 (11:16)

Dass „Hollabrunner Stimmen“ locker einen ganzen Abend füllen können, bewies die Benefiz-Gala für „Hilfe im eigenen Land“. Der Stadtsaal war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt, als Rudi Roubinek die Gäste des Abends begrüßte. „Musik ist die schönste Kunstform, die es gibt“, meinte der Moderator, dass sich das Publikum zurücklehnen und zuhören könne, dann: „Man muss davon nix verstehen.“

Mit Viki ging‘s auf die hohe See

Die gebürtige Watzelsdorferin Viktoria Weiner entführte das Publikum mit ihrem Musikkabarett „Viki auf hoher See“ aufs Meer hinaus. Begleitet wurde sie dabei auf dem Piano von Chris Cermak.

Dieser musste schon bei der nächsten Nummer Platz für Bernadette Eliskases-Tuzar machen, die zuerst die 15-jährige Sängerin Anja Mittermüller und danach Agnes Zeizinger am Klavier begleitete.

Letztere spielte den 2. Satz des Violinkonzerts in e-Moll von Felix Mendelsohn-Bartholdy. „Die spielt was ganz was Arges“, kündigte Roubinek die junge Geigerin an. „Zu Mendelsohns Zeiten galt das als unspielbar – außer, man ist hochbegabt.“

Familie Tuzar fiedelte durch die „Cottonfields“

Eliskases-Tuzar blieb noch länger auf der Bühne und begleitete den Chor „Voci Chiare“ auf dem Klavier, ehe sie mit ihrem Mann Alfred Tuzar und den beiden Söhnen Elias und Jonas-Fabian durch die „Cottonfields“ fiedelte.

Abgelöst wurde die Tuzar Family von Musikschuldirektor Martin Haslinger und Michal Matejcik – er begleitete mit seiner Harfe bereits George Michael auf einer Tour.

Beim nächsten Block geriet der Moderator in durcheinander und sagte die nachfolgenden Acts in falscher Reihenfolge an: Margarita Touschek-Malat sollte eigentlich nach dem Duo Malat-Hirschfeld und Gerhard Sulz auftreten, Roubinek nannte sie aber als Erste. „Wer’s drauf hat, der geht einfach aussa und singt“, schmunzelte der als Oberhofmeister Seyffenstein bekannte Moderator darüber, dass die Sängerin seine Ansagen befolgte.

Weltpremiere von Peter Sax „Your Style“

Nach „Puttin‘ on the Ritz“ vom Querflötenensemble „Flutefun“ und einem tollen tänzerischen Auftritt der 13-jährigen Livia Ernst mit dem Union Tanzteam Hollabrunn kam es zu einer Weltpremiere: Peter Sax trat mit seinem Song „Feel Alive“ auf, dessen Melodie vielen durch die Werbung für den neuen Mazda 3 bestens bekannt ist, und präsentierte erstmals den Titel „Your Style“. „Er ist erst heute um fünf in der Früh fertig geworden“, erzählte der Musiker.

„Es ist unglaublich, wie viele junge Menschen sich heute eingebracht haben“, lobte Sissi Pröll, Präsidentin des Vereins „Hilfe im eigenen Land“, die Initiatorinnen der Gala Elisabeth Summerer und Elisabeth Schüttengruber-Holly. „Sie haben gezeigt, was Frauen bewirken können.“

Radetzky Marsch, Jazz-Stimme und Big-Band-Sounds

Zum zweiten Teil der Gala zog die Hollabrunner Stadtmusik zu den Klängen des „Colonel Bogey Marchs“ ein. Bei ihrem Auszug spielten die Musiker den Radetzky Marsch auf. Nina Klinger beeindruckte mit ihrer Jazz-Stimme, begleitet wurde sie dabei von ihrem Bruder Florian auf dem Vibraphon, der danach auch noch einen Soloauftritt hinlegte.

Schwung in den Stadtsaal brachten die Big Band mit Ben Codet und „The Reveiles“, denn bei „That’s Life“ brauchte Codet die gesangliche Unterstützung des Publikums. Roubinek beeindruckte der Sänger nicht nur mit seiner Darbietung: Er konnte nicht glauben, dass ein Franzose ein solch verständliches Englisch singen kann.

Werner Auer war als Tom Jones im Stadtsaal

Der vielseitige Musiker Werner Auer freute sich auf seinen Auftritt beim „Sitz-Woodstock“ im Stadtsaal. Auch er brachte die Zuschauer zu fortgeschrittener Stunde bei seiner Interpretation von Tom Jones „Delilah“ zum Mitsingen.

Gerhard Hofbauer vom Theaterverein führte als Billeteur mit dem Publikum Schmäh, nachdem die Tombolapreise von Sissi und Erwin Pröll sowie den jeweiligen Sponsoren an die Gewinner übergeben wurden.

Barbara Haslinger und Samuel Krempus beeindruckten als Klarinetten- und Gitarren-Duo mit „Astor Piazolla“.

Thomas Weinhappel und „The Vienna Tenors“ schlossen den Abend

Zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne standen danach Bernadette Eliskases-Tuzar mit Bariton Thomas Weinhappel, der unter anderen „The Impossible Dream“ aus dem Mann von La Mancha zum Besten gab. Die Rolle des Schlusslichts hatten „The Vienna Tenors“, die nicht nur mit ihren gewaltigen Stimmen, sondern auch mit ihrem Humor und schauspielerischem Talent beeindruckten.

Standing Ovations für Harald Pfeifer

Alle Künstler ernteten viel Applaus vom Publikum, doch Standig Ovations bekam ein anderer: Harald Pfeifer. Er stellte sich als Papa der 21-Jährigen Ylvie vor. Die junge Frau verunglückte im Alter von 18 Jahren mit ihrem Pkw. „Die Ärzte gaben uns wenig Hoffnung“, erzählt Pfeifer auf der Stadtsaalbühne.

Die Familie entschied sich, ihre Tochter, die aufgrund eines schweren Schädelhirntraumas im Wachkoma liegt, mit nach Hause zu nehmen. „Wir wollten uns nicht damit abfinden und arbeiten täglich an kleinen Wundern“, erzählt Pfeifer. Das sollte sich auszahlen, denn es kam zu Ylvies erstem Lachen und zu ihrem ersten Wort. „Ylvies gibt es viele. Wir sind nicht allein“, weiß der Vater zweier Töchter. Und so kauften die Pfeifers eine Mühle in Breitenwaida, wo die 21-Jährige umsorgt wird.

Sissi Pröll berührt: „Das ist unglaublich großartig“

Doch das „Projekt Ylvie“ ist größer: „Familien wie wir sollen dort Urlaub machen können“, es soll eine Therapieeinrichtung entstehen. Hier kommt Sissi Prölls Verein „Hilfe im eigenen Land“ ins Spiel. „Das ist unglaublich großartig, dass die Familie die Betreuung selbst übernimmt“, ist sie berührt vom Schicksal der Familie. Darum wird ihr Verein dieses Projekt begleiten. Der Erlös der Gala aus Eintrittsgeldern, Tombolalosen und Spenden kommt Ylvie bereits zugute. „Neben lieben ist helfen das wichtigste Zeitwort“, zitierte Pröll Bertha von Suttner und ergänzte: „Es gibt noch ein drittes wichtiges Wort: danken.“