Ein fulminantes Wagnis. In Retz feierte die Kirchenoper „Maria Magdalena“ von Wolfram Wagner ihre bejubelte Uraufführung.

Von Sandra Frank. Erstellt am 05. Juli 2019 (10:02)

Vor der Premiere der Kirchenoper „Maria Magdalena“ von Wolfram Wagner, beim obligatorischen Empfang zur Eröffnung des Festival Retz war der Andrang groß. Zum 15. Mal präsentierte sich das Festival als Teil der NÖ Sommerkultur. 

Dem erwiesen die stellvertretenden Landtagspräsidenten Gerhard Karner und Karin Renner ebenso die Ehre wie die Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer. Die zwei Bezirkshauptleute aus Hollabrunn und Horn, Andreas Strobl und Johannes Kranner wollten sich die Premiere ebenso wenig entgehen lassen wie die zuständigen Beamten der Kulturabteilung, Gabriele Ecker und Michael Linsbauer, die durch ihre Unterstützung des Librettos und der Komposition maßgeblich zum Entstehen der heurigen Kirchenoper beigetragen haben. 

Festivalmotto: „in szene gesungen. in worte gefasst“

In seinen Eröffnungsworten betonte Intendant Alexander Löffler, dass das Motto des Festivals „in szene gesungen. in worte gefasst“ wohl noch nie so unmittelbar umgesetzt worden wäre, schließlich handle es sich um eine spezielle Uraufführung. 

Die Sichtweise auf die Figur Maria Magdalenas sei über hunderte von Jahren verstellt und verzerrt worden. So wolle das Festival Retz den Versuch unternehmen, die wesentliche Figur der Passion Christi ihren angemessen Rang wieder zurückgeben.


Starke Frauen dominieren Kirchenoper

Die – auffällig jung – besetzten Operncharaktere machten dann bei der Premiere gleich von Beginn an klar, dass dies gelingen wird. Starke Frauen, allen voran Maria Magdalena (Ursula Langmayr), dominieren die Szene. Sie sind keine dem Schicksal überantwortete Figuren, sondern bewusst handelnde und keine Konsequenzen scheuenden Charaktere. 

Die Musik unterstützt diese Interpretation mit intensiven Momenten, atmosphärisch kantabilem Musikfluß und eindrucksvollen Höhepunkten. Wolfram Wagner unterläuft im positivsten Sinn jedes Vorurteil das man gegenüber Kirchenoper haben könnte. Der Sog den der Abend erzeugt und so die Nettospielzeit von knapp 100 Minuten wie im Flug vergehen lässt ist meisterhaft.

Der Jubel des Publikums am Ende des Abends war hoch verdient. Mit dieser Produktion hat das Festival Retz sein Alleinstellungsmerkmal der Kirchenoper um ein weiteres Juwel angereichert. Gut vorstellbar auch, dass es diese Oper in das eine oder andere Repertoire weiterer Opernhäuser schaffen könnte.