Hollabrunner Literatin feiert 75er mit neuem Werk. Elisabeth Schöffl-Pöll beging ihren Halbrunden mit der Präsentation ihres neuen Buch "Der Himmel - das sind die Anderen".

Von Belinda Krottendorfer. Erstellt am 22. August 2019 (12:43)

Ihren 75. Geburtstag beging Autorin Elisabeth Schöffl-Pöll am  19. August in der Hollabrunner Buchhandlung "Frau Hofer". Dort präsentierte sie ihr neues Werk „Der Himmel - das sind die Anderen“. Die Literatin las dort Auszüge aus der Kurzgeschichtensammlung, wobei vor allem humorvolle Texte wie „Marias Himmelfahrt“ bei den Zuhörern besonders gut ankamen. 

Schöffl-Pöll hatte die Geschichten ursprünglich nach Themen sortiert, diese Idee aber wieder verworfen und die Kapitel durcheinander geschüttelt. „Niemand möchte drei Kriegsgeschichten hintereinander lesen“, erklärte die Autorin.

"Wo Gemeinschaft ist, ist der Himmel auf Erden"

Im Anschluss an die Buchpräsentation stellten die Gäste Fragen zu den Geschichten, ließen sich Bücher der bekannten Weinviertler Schriftstellerin signieren und feierten mit ihr ihren Geburtstag. 

Wie lange sie an dem Buch geschrieben hat, kann sie übrigens nicht genau sagen. Sie schreibe oft zwischendurch und in Zyklen.
„Wo Gemeinschaft ist, ist der Himmel auf Erden, das heißt also hier“, resümierte Schöffl-Pöll und bedankte sich bei den Gästen, darunter auch Landtagsabgeordneter Richard Hogl und Kulturstadträtin Elisabeth Schüttengruber-Holly, dass sie zur Geburtstagsfeier gekommen waren. 

64 Kurzgeschichten, über Fremde, Freunde und sich selbst

Es ist das 42. Buch, welches Elisabeth Schöffl-Pöll, geboren 1944 in Stoitzendorf, nun veröffentlichte.  Es beinhaltet insgesamt 64 Kurzgeschichten.  Diese  können in beliebiger Reihenfolge gelesen werden; mal handeln sie von der Autorin selbst, mal von Bekannten oder Fremden - man weiß es nicht so genau. 

Schöffl-Pöll erzählt von Pechvögeln und Schicksalsschlägen, Ehen und Familien, und schildert, wie das Leben unvorhersehbar seinen Weg geht. Thematisch befasst sich das Werk vor allem mit Krankheit, Vergänglichkeit und Vergangenheit. Dabei erfährt der Leser unendlich viel über das Leben in der Nachkriegszeit, Kuraufenthalte und die ländliche Umgangssprache. 

Der Leser leidet mit den Protagonisten mit


Bandscheibenvorfälle, Schlaganfälle, Krebs und Alzheimer sind nur einige Krankheiten, die die Charaktere der Kurzgeschichten ereilten. Dabei leidet der Leser mit den Figuren, welche die Leidensgeschichte der Autorin widerzuspiegeln scheinen. 

Denn schwere Schicksalsschläge und Krankheiten prägten auch das Leben der 75-Jährigen: Bereits im Alter von 13 Jahren verlor sie ihren über alles geliebter Vater, der jahrelang an Schüttellähmung und Psoriasis litt. Den ersten Kuraufenthalt trat die Autorin Anfang 30 an, als sie an unerträglichen Lendenschmerzen litt. 

Ohne sich zum bejammernswerten Opfer zu stilisieren, bietet Schöffl-Pöll tiefe und ehrliche Einblicke in ihr Leben: „Ich lag tagelang im Bett, dem Erstickungstod nahe, an der Grenze zwischen Drüben und Herüben, und litt Höllenqualen.“ Dennoch scheint es, als wären das Schreiben und die damit verbundene Aufarbeitung eine Art Therapie für die Autorin. 

Doch nicht nur für sie. Denn wer selbst von psychischen oder psychischen Krankheiten betroffen ist, merkt, dass er mit seinen Schwierigkeiten nicht allein ist. Die nun  75-Jährige erzählt oft von „damals“, als Schläge in der Erziehung noch „in“ waren,  Kaninchenschlachten an der Tagesordnung stand und es grundsätzlich immer etwas zu tun gab in Haus, Hof und Garten. 

Autorin verrät, wie sie sich ihr Ableben vorstellt

Dass sich die Autorin bereits im fortgeschrittenen Alter befindet, erkennt man vor allem an ihren Gedanken zum eigenen Ableben. So verrät sie im Laufe des Buches etwa, mit welcher Kleidung sie diese Welt verlassen m

In vielen ihrer Kurzgeschichten kommt dieses starke Memento-Mori-Motiv (lateinisch für: „Sei dir der Sterblichkeit bewusst“) ebenfalls zum Vorschein: „Das Lämpchen sollte niemals ausgehen! Und doch musste es eines Tages verlöschen wie alle Lebenslichter dieser Welt.“ Der Gedanke der Vanitas, der Vergänglichkeit, lässt sich gleichermaßen in den Kurzgeschichten finden, zum Beispiel, als der treue Wecker oder die geliebte antike Uhr von Franz den Geist aufgeben. 

Trauma, nach Häschen-Schlachtung

Weiters sind sogar tiefenpsychologischen Analysen in den Geschichten erkennen. So erzählt Schöffl-Pöll von einer Frau, die während ihres Vortrages von einem uralten Trauma eingeholt wurde und bewusstlos zu Boden sank. Die Frau musste als Kind mit ansehen, wie ihr geliebtes Häschen geschlachtet worden war. Es gelang ihr zwar, die Symptome so weit zu verdrängen, dass ein normales Leben möglich war, doch irgendwann kommt ganz plötzlich die Angst von damals zurück.

Schöffl-Pöll zeigt eindrucksvoll, wie die Vergangenheit ihren Schatten bis in die Gegenwart wirft.