Urban floh aus Südsudan: „An Rückkehr nicht zu denken“. Entwicklungshelfer Hannes Urban musste „seine“ Landwirtschaftsschule wegen der Kriegswirren zurücklassen.

Von Sarah Geyer. Erstellt am 09. August 2018 (06:10)
privat (Flüchtlingslager)/KMA (Urban)
Bidi-Bidi, das größte Flüchtlingslager der Welt, liegt in Uganda, 80 Kilometer von der südsudanesischen Grenze entfernt. Etwa die Hälfte aller südsudanesischen Flüchtlinge kamen nach Uganda. Hannes Urban (rechts) war Taxifahrer, ehe er sich als Entwicklungshelfer einen Namen machte.

Den Armen und Ärmsten zu helfen, das ist die Aufgabe, der sich der gebürtige Hollabrunner Hannes Urban mit seinem Verein für medizinische und Entwicklungshilfe verschrieben hat. Sein jüngstes Steckenpferd war es, im Südsudan eine Landwirtschaftliche Fachschule zu etablieren. Doch der Bürgerkrieg in dem jungen Staat zwang letztlich auch die Helfer zur Flucht.

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Bidi-Bidi, das größte Flüchtlingslager der Welt, liegt in Uganda,80 Kilometer von der südsudanesischen Grenze entfernt. Etwa die Hälfte aller südsudanesischen Flüchtlinge kamen nach Uganda.

Urbans Verein „Helfen wir!“ sorgte für die Errichtung der Schule ( wir hatten berichtet, siehe hier und unten), um Jugendlichen die Chance auf ein halbwegs gesichertes Leben zu bieten. Als jedoch der Krieg auch dort Einzug hielt, musste das Team ins benachbarte Uganda fliehen.

KMA
Hannes Urban war Taxifahrer, ehe er sich als Entwicklungshelfer einenNamen machte.

Und der Konflikt macht eine baldige Rückkehr unmöglich: „Der Südsudan in unserem Bereich ist komplett geplündert und zerstört. Im Augenblick ist nicht daran zu denken, zurückzugehen“, berichtet Urban der NÖN.

Es werde bestimmt fünf bis zehn Jahre dauern, bis Friede einkehrt. „Das wird zumindest so erzählt“, schildert der Hollabrunner.

Aufgeben ist für die Helfer aber auch keine Option. So will der Verein in Uganda versuchen, eine ähnliche Schule aufzubauen oder dort zumindest Unterricht abzuhalten. Einen Demonstrationsgarten gibt es bereits, Lehrer und Unterlagen sind ebenfalls vorhanden. Der Haken bei der Sache ist – wie so oft – das Geld.

5.000 Euro pro Monat für Behindertenhilfe

Da der Unterricht ortsgebunden ist und die Menschen dorthin kommen müssten, sie in den Lagern allerdings kein Einkommen haben, entstehen Kosten von 25 Euro pro Monat und Person, die durch Spenden gedeckt werden müssen.

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Bidi-Bidi, dasgrößte Flüchtlingslagerder Welt, liegt in Uganda,80 Kilometer von der südsudanesischen Grenze entfernt. Etwa die Hälftealler südsudanesischen Flüchtlinge kamen nach Uganda.

Doch das ist nicht das einzige laufende Projekt: Derzeit versucht der Hollabrunner Verein (zusätzlich zu den Projekten der UN), vor allem Behinderte im Flüchtlingslager Pallerina im Bezirk Moyo mit Essen zu versorgen: Die Gruppe umfasst etwa 130 Menschen, für deren Versorgung monatlich 5.000 Euro notwendig sind.

„Alle sind irgendwie müde von der Materie“

Ausgegeben werden vor allem Reis, Bohnen, Öl, Zwiebel, Salz und Seife, manchmal auch Zucker. Als die NÖN mit Hannes Urban in Kontakt war, reichte der Vorrat für zehn Tage pro Person.

Finanzielle Mittel sind die wichtigste und beste Unterstützung für das Team. Die Produkte können direkt vor Ort gekauft werden, allerdings sei es immer schwerer, Spender zu mobilisieren. „Alle sind schon irgendwie müde von dieser Materie“, erklärt sich Urban das Problem.

Dennoch wird die Organisation weiterhin in derartigen Krisengebieten helfen und das Beste aus den gegebenen Mitteln herausholen. Außer im Südsudan und in Uganda ist „Helfen wir!“ auch in Tansania, Sambia und Indien tätig.