Ein sturer Esel? Von wegen!. Freizeitpädagogin Marina Kisser räumt in Grübern mit einem Vorurteil auf.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 26. Januar 2021 (10:09)

Viele Kinder haben eine Katze oder einen Hund als Haustier. Nicht so der 16 Monate alte Benjamin Kisser. Er hat zwei Esel. Denn seine Mama Marina trainiert seit drei Jahren zwei Eseldamen auf einer Weide in Grübern.

Die 29-Jährige ist ausgebildete Natur- und Freizeitpädagogin. „Bei meiner Ausbildung habe ich auf der Universität für Tiermedizin die Kurse für tiergestützte Pädagogik besucht“, erzählt Kisser. Seitdem ist die Maissauerin vom Charakter der Esel begeistert: „Die Esel sind herzlich und liebevoll.“

Fotomodell Elsa und Hürdenläuferin Annabell

Das zeigt sich, als Eseldame Elsa und Mauleselin Annabell vom anderen Ende der Weide auf Marina Kisser und Benjamin zulaufen und sie überschwänglich begrüßen. „Die Elsa ist ein wunderhübsches Fotomodell und die beliebte Kuscheldame. Annabell liebt es, Aufgaben zu bewältigen, Hindernisse und Hürden. Sie ist die erste, die weiß, wo sie ausbüxen kann“, schildert die Expertin und räumt mit dem Vorurteil auf, dass Esel stur seien. „Die Esel sind überzeugt von dem, was sie machen. Die Tiere hinterfragen alles. Wenn sie bei einer Sache keinen Sinn dahinter sehen, dann machen sie es nicht gerne“, erklärt Kisser und erinnert an ein Zitat: „Das Pferd zieht, bis die Karre im Dreck steckt und wird für seinen Fleiß gelobt. Der Esel hält rechtzeitig an – und wird für seine Faulheit bestraft.“

Starkes Selbstbewusstsein, um Esel zu trainieren

Um Kindern ebenso wie Erwachsenen die Denkweise der Esel näherzubringen, gibt es verschiedene Programme in der Esel-Erlebniswerkstatt. Bei ihren Kinderprogrammen spielt Kisser unter anderem „Memory“. Unter Hütchen versteckt sie Leckerlis für die Tiere. Äpfel, Hagebutten und Karotten. „Die Kinder helfen ihnen, zwei gleiche Leckerbissen aufzudecken.“

Um Esel zu trainieren, müsse man mit sich selbst im Reinen sein, sagt die Tierpädagogin. Der Trainer brauche starkes Selbstbewusstsein und viel Geduld. Letzteres sei gerade für Erwachsene wichtig, denn das Trainieren mit den Vierbeinern bringe ihnen Entschleunigung.

Tierpaten besuchen ihre Schützlinge

Zurzeit trainieren Paten mit den Eseln das Spazierengehen. Ein junges Paar aus Retz holt sich die zwei Eselmädchen zum Wandern am Manhartsberg ab. Kisser will solche Wanderungen fix in ihr Angebot aufnehmen.

Nachdem die Eselpaten, die sich an den Futterkosten beteiligen, mit ihren „Tierkindern“ in das Winterwunderland abgetaucht sind, kommt eine junge Familie aus Fels am Wagram von einem Ausflug mit drei Ziegen zurück. „Die Ziegen habe ich seit dem Frühjahr 2019. Mit denen biete ich coronabedingt nur Spaziergänge an“, erläutert Kisser. „Ein Geißlein, das mit meinen drei Ziegen im Stall steht, geht seit neuestem auch mit.“

Die Esel-Erlebniswerkstatt in Grübern hat sogar Gäste aus dem Bezirk Baden. Die Besucher wissen jetzt, dass Esel sehr intelligente Tiere sind und man sie nicht als störrisch abtun darf. So denken sie nur nach, ob etwas wirklich Sinn macht. Daran kann sich auch der Mensch ein Beispiel nehmen.