Es wird demonstriert, aber ohne Politik. Das Bürgerforum Guntersdorf geht am Donnerstag erneut auf die Straße, um sich für eine Umfahrung einzusetzen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 24. Juni 2014 (08:31)
NOEN, Sandra Frank
Schilder wie Texten wie diesen bei der Demonstration in Schöngrabern werden die Autofahrer am Donnerstag auch in Guntersdorf zu sehen bekommen.
Damit der Verkehr nicht mehr durch die Ortschaften brettern muss, will die Asfinag eine Spange von Hollabrunn bis Guntersdorf bauen. Doch dieser Ausbau der Weinviertler Schnellstraße S 3 wird schon seit Jahrzehnten abgespeckt und verschoben.

Bürgerforum-Sprecher Hammer ersucht um Disziplin

In den betroffenen Ortschaften – konkret sind es Suttenbrunn, Schöngrabern, Grund und Guntersdorf – finden seit einiger Zeit Demonstrationen statt, um die Verantwortlichen in der Politik sowie bei der Asfinag zu Taten zu bewegen.

In Guntersdorf wird als nächstes demonstriert, und zwar am Donnerstag, dem 26. Juni, um 17 Uhr. „Treffpunkt ist wieder beim Gemeindezentrum“, sagt Wilfried Hammer, Sprecher des Bürgerforums Guntersdorf, der bereits über „Demo-Erfahrung“ verfügt. Vor etwa sechs Wochen gingen die Guntersdorfer schon einmal auf die Straße ( die NÖN berichtete ).

Den Schutzweg beim Gemeindeamt ständig zu queren und so dauerhaft den Verkehr zu blockieren ist bei der Demonstration nicht erlaubt, obwohl es sich die Anrainer wünschen würden. „Wir haben mit der Behörde ausgemacht, dass der Verkehr nach gewissen Zeitabständen freigegeben werden muss“, ersucht Hammer um Disziplin und dass den Anweisungen der Polizei Folge geleistet wird.

Ortschef: Demo, aber „ohne politische Flugzettel“

Guntersdorfs Bürgermeister Roland Weber wird bei dieser Aktion ebenfalls hinter seinen Bürgern stehen: „Wir unterstützen das voll, aber ohne parteipolitische Flugzettel“, spielt das Gemeindeoberhaupt auf die Demonstration in Schöngrabern an. Hier war die SPÖ stark vertreten, da sie eigene Flugblätter verteilte.

Diese Tatsache kritisiert Landtagsabgeordneter Richard Hogl, der sich bei der letzten Demonstration in Schöngrabern ein Schreiduell mit SPÖ-Bürgermeister Herbert Goldinger (Mailberg) lieferte. „Wie alles im Leben werden die derzeitigen Demonstrationen zwiespältig gesehen“, sagt Hogl.

Die einen wollen auf die Verkehrshölle aufmerksam machen, die Autofahrer wären genervt, weil sie im Stau stehen müssen und „die Dritten machen Parteipolitik daraus und ärgern die Bürgerinitiativen.“ Für ihn ist ganz klar, wer auf der Strecke bleibt: die betroffenen Bürger. „Das ist schade und bedenklich.“

Hogl versteht Angriffe gegen seine Person nicht

Für Hogl steht fest: Er und Nationalrätin Eva-Maria Himmelbauer stehen den betroffenen Bürgern zur Seite, „um mit allen zu Gebote stehenden, demokratischen Mitteln für die Sache zu kämpfen“. Sie hätten weder Bürgerinitiativen initiiert, wie ihnen von der SPÖ vorgeworfen wurde, noch hätten sie „Parteiflugzettel verteilt“.

„Nein, wir werden dieses Mal keine Flugzettel verteilen, das haben wir so mit Herrn Hammer abgesprochen“, sagt SP-Bezirkschef Werner Gössl. Aber: „Wenn sich auch Herr Hogl zurückhält ...“ Sollte dieser „wieder politisieren, dann werden wir uns auch etwas überlegen“.

Indes versteht Hogl die Angriffe auf seine Person nicht. „Was ist dabei verwerflich?“, fragt er sich, auf die Resolution angesprochen, die er gemeinsam mit seinen Bürgermeisterkollegen Erwin Bernreiter (Hollabrunn), Herbert Leeb (Grabern) und Roland Weber an insgesamt 19 Gemeinden ausschickte.

Ärger über Kommunikation der Orts-SPÖ

Durch diese Resolution spreche man sich nicht für oder gegen eine Partei und auch nicht gegen die Verkehrsministerin aus, sondern „für einen möglichst raschen Ausbau der S 3 und dafür, den dazu notwendigen Verfahrensablauf transparent darzustellen“, betont der Landtagsabgeordnete.

Besonders ärgert ihn, dass seine Wullersdorfer SPÖ „es nicht einmal der Mühe wert fand, mit mir als einem der vier Bürgermeister darüber zu reden“. Erst bei der Gemeinderatssitzung hätten die Sozialdemokraten Vorschläge gemacht, die Resolution zu ändern. „Wenn wir etwas zeitgerecht bekommen, dann sprechen wir natürlich mit dem Bürgermeister darüber“, sagt Gerhard Sklenar, SP-Vorsitzender in Wullersdorf. Doch: „Ich habe die Resolution nicht gehabt.“