Nach Corona-Frust: Imkermeister richten Blick nach vorn. Imkerei-Produkte sind auf Adventmärkten beliebt. Doch heuer half nur eine alte Imker-Weisheit.

Von Barbara Witzany. Erstellt am 03. Dezember 2020 (04:21)
Liebevoll gestaltet Imkermeisterin Verena Hagelkruys ihre Standln, doch heuer fielen die Märkte aus.
privat

Eigentlich wäre jetzt Hochsaison für die hauptberuflichen Imkermeister Verena und Thomas Hagelkruys von Honig & Co.

„Wir hätten, beginnend mit dem Leopoldikirtag in Klosterneuburg, einige Stände in Wien und Niederösterreich bei den jeweiligen Adventmärkten gehabt“, erzählt Verena Hagelkruys. Dafür wurden natürlich während der vergangenen Monate die Waren vorbereitet, zum Beispiel die immer beliebter werdenden Honigwaben direkt aus dem Bienenstock.

Der Betrieb sorgt nicht nur für den Unterhalt der Angestellten, sondern auch für die Familie. Es gibt einen Facharbeiter der Bienenwirtschaft. Er hat die Lehre im Betrieb absolviert und ist derzeit beim Bundesheer. Seit drei Monaten hat die Firma wieder einen Lehrling. Insgesamt sind zurzeit sechs Mitarbeiter bei Honig & Co angestellt. „Das ist natürlich eine Herausforderung in dieser besonderen Situation“, seufzt Verena Hagelkruys.

Im September und Oktober gab es Infoabende mit den Veranstaltern der Märkte. „Es wurden gute Konzepte präsentiert, um so einen Markt so sicher wie möglich zu veranstalten“, erzählt die Imkerin und räumt ein: „Natürlich habe ich gehofft, dass diese Märkte stattfinden – mein Bauchgefühl war aber ganz anders.“

„Nachdenkzeit“, als die Absage fix war

Dieses Gefühl behielt recht. „Als die Absage dann fix war, hatte ich ein paar sehr unangenehme Tage. Aber nach intensiver Nachdenkzeit konnte ich wieder optimistischer in die Zukunft schauen.“

Seit Jahren betreibt die Firma einen Onlineshop und hat zwei kleine Geschäfte in Wien. „Das hilft ein bisschen, aber auffangen können diese zwei Verkaufsarten den Verlust natürlich nicht.“ Hilfreicher und bewährter sei eine alte Imker-Weisheit: „Mein Vater, er ist selbst Imkermeister, hat mir immer gesagt: ,Du brauchst eine Ernte bei den Bienen, eine Ernte im Lager und eine Ernte auf der Bank.‘ Daran haben wir uns immer gehalten“, erzählt Hagelkruys.

Vorausschauendes wirtschaftliches Denken sei gerade in der Imkerei wichtig: „Wir arbeiten mit der Natur. Man weiß nie, wie das kommende Jahr wird. Da muss man auch einen kompletten Ernteausfall verkraften können.“

Produkt-Palette wird immer breiter

Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas entwickelt Verena Hagelkruys eine immer breiter werdende Palette an Produkten. Neu im Angebot sind zum Beispiel die Bienenwachstücher. „Immer wieder etwas Neues zu bringen, ist grundsätzlich ganz gut“, sagt sie.

Das Imkermeister-Paar ist überzeugt, die Corona-Situation bewältigen zu können, und widmet sich mit vollem Einsatz der Zukunft: „Wir arbeiten an verschiedenen Projekten; durch den Wegfall der Märkte haben wir Zeit dafür. Das macht uns große Freude.“