Besuch aus Indien im Hollabrunner Weltladen. Kimberley Miranda war zu Besuch in Hollabrunn und erzählte von ihren Aufgaben in Mumbai, wo Frauen aus den Slums eine Chance erhalten.

Von Jenny Hochmayer. Erstellt am 03. Oktober 2017 (13:08)
Jennifer Hochmayer
Andrea Schlehuber (EZA), Heinz Wagesreiter, Herta Mühlebner und Rudi Molterer vom Weltladen, Kimberly Miranda, Weltladen-Geschäftsführerin Romana Haftner (v.l.).

Kimberley Miranda ist 27 Jahre alt und studierte Textiltechnik in Mumbai. Seit 2014 arbeitet sie im Unternehmen Creative Handicrafts in Mumbai in der Musterentwicklung, Preisgestaltung und Koordination der Produktion. Vergangene Woche war sie zu Besuch in Hollabrunn und erzählte der NÖN von ihren Aufgaben in Indien.

Den Anfang nahm das Unternehmen im Jahr 1984 durch die spanische Schwester Isabel Martín, die in den Slums die erste Kooperative zur Herstellung von Textilien, Spielzeugen und Handwerk für die lokale und internationale Vermarktung startete. Durch diese Initiative wurden auch Frauen in anderen Slums dazu bewegt, solche Kooperativen zu gründen. 1994 entstand daraus eine unabhängige Produzentenorganisation unter dem Namen „Creative Handicrafts“.

Frauen erhalten Ausbildung

Mittlerweile arbeiten in der Textilproduktion des Unternehmens über 200 Frauen an über zehn Standorten in Mumbai. Alle Näherinnen stammen aus den Slums der Metropole und sind Analphabeten. Die Frauen werden von Sozialmitarbeiterinnen besucht und evaluiert. Ausgewählte Frauen erhalten die Chance auf eine Mitgliedschaft bei Creative Handicrafts und werden im Zuge einer viermonatigen Ausbildung geschult.

Im Anschluss arbeiten sie als Praktikanten, danach können sie dauerhaftes Mitglied werden. Neben der fachlichen Ausbildung erlernen die Frauen auch Selbstverteidigung, Rechtskunde, Umgang mit häuslicher Gewalt (an dieser Schulung nehmen auch die Ehemänner der Näherinnen teil) oder die Abwicklung von Bankgeschäften.

Gearbeitet wird sechs Tage pro Woche, täglich acht Stunden. Die Kinder der Näherinnen haben währenddessen, je nach Alter, die Möglichkeit, die Kinderkrippe, Kindergarten oder die Schule zu besuchen und somit die Chance auf Bildung.

Gesamtes Textilstück wird genäht

Im Unterschied zu anderen Textil-Produktionsstätten nähen die Frauen nicht nur einen Teil der Kleidung, sondern das jeweilige Textilstück im gesamten. Die Bezahlung erfolgt auf Basis eines Stücklohns. Dadurch erhalten erfahrene Näherinnen einen monatlichen Lohn, der deutlich über dem offiziellen Mindestlohn Indiens liegt.

Produziert werden neben Kleidung auch Teppiche, Taschen oder Bettdecken. Verkauft werden die Artikel in drei Shops in Mubai, über Shops wie dem Weltladen in Europa, in Taiwan, Japan und den USA. 60 Prozent davon werden in Fairtrade-Shops vertrieben, 40 Prozent in „Commercial Shops“. Angeboten wird mittlerweile auch ein Catering-Service mit bis zu 500 Essensportionen für Büro-, Geburtstagsfeiern, etc.