Einsamkeit und Hoffnung prägen den Konzertpfad. Intendant Alexander Löffler spricht über das Alternativprogramm, das von den Retzer-Land-Gemeinden unterstützt wird, sowie über ermutigende Zukunftsplanungen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 27. Mai 2020 (03:29)
Intendant Alexander Löffler
Sonja Kreuz, Ciptur

Alexander Löffler, Intendant des Festival Retz, erläutert in einem NÖN-Interview die neue Ausrichtung für heuer.

NÖN: Auf welche Highlights darf sich das Publikum in der veränderten Auflage des Festival Retz freuen?
Alexander Löffler: Angepasst an die ab Juni gültigen Sicherheitsvorschriften und Abstandsregeln wollen wir einen Konzertpfad, der mit Premiere am 6. August auf vier Bühnen an vier Abenden zur Aufführung kommen soll, einrichten. Startpunkt der Konzertreihe mit kammermusikalischen Kostbarkeiten soll der Hof des Schlosses Gatterburg sein. Von dort aus begibt sich das in Kleingruppen eingeteilt Publikum zu den weiteren Spielstätten in der K&K Weinprüfstelle und in den Hof des Dominikanerklosters. Den Abschluss des Konzertpfades bildet ein Konzert mit sakraler Musik in der Dominikanerkirche. An zwei weiteren Abenden ist ein Literaturpfad mit drei Stationen vorgesehen. Da dankenswerterweise auch die Gemeinden des Retzer Landes ihre Unterstützung signalisiert haben, soll es zudem Konzerte auf Burg Hardegg, am Hl. Stein in Retzbach, im Hof des Schlosses Schrattenthal, auf Schloss Deinzendorf und im Pfarrhof in Pulkau geben. Hierbei fokussieren wir uns auf kammermusikalische Preziosen, die situationsbedingt in einem exklusiven Rahmen zur Aufführung kommen werden.

Wie schwer ist es in Zeiten von Corona, die Internationalität, die das Festival ja mit auszeichnet, abzubilden?
Wir bedauern sehr, dass unsere langjährigen Partnerschaften mit dem Concentus Moraviae und dem Hudební Festival Znojmo in besonderer Weise durch die geltenden Verordnungen eingeschränkt werden. Das geplante Gastspiel des Concentus Moraviae zu Pfingsten musste bereits abgesagt werden und ist auf Mai 2021 verschoben. Auch die gemeinsamen Projekte mit dem Musikfestival in Znojmo sind allesamt gefährdet. Einzig das gemeinsame Konzert an der Grenze beim Hl. Stein in Retzbach werden wir uns nicht nehmen lassen. Sollte es nicht anders möglich sein, so planen wir – wie in längst vergangen geglaubter Zeiten – uns diesseits und jenseits der Grenzlinie zu positionieren und trotz der geographischen Trennung gemeinsam zu musizieren und damit ein Zeichen unserer Freundschaft und Verbundenheit zu setzen. Hinsichtlich aller weiteren Projekte beobachten wir die Entwicklung der Rahmenbedingungen und stehen daher in ständigem Austausch miteinander. Ermutigend ist, dass wir bereits an gemeinsamen Vorhaben in einer Zukunft ohne restaurierte nationale Grenzen und Reisebeschränkungen arbeiten.

Inwieweit wurde programmatisch auf die veränderten Umstände eingegangen?
Die gegenwärtige Situation, in der wir Kunstschaffenden uns befinden, ebenso wie unser Publikum und alle Menschen vereint in Einsamkeit, kann und darf man nicht bei der Programmplanung außen vor lassen. In kammermusikalischen Werken treten diese Motive naturgemäß nicht so offensichtlich zutage. Aber die Sujets Angst, Vereinzelung, Einsamkeit, Sinnstiftung, Dank und Hoffnung prägen die ausgewählten Werke des Konzertpfades. Im Beethoven-Jahr darf ich in diesem Zusammenhang beispielhaft auf das Streichquartett Nr. 15 (op 132) und seinen 2. Satz verweisen: „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“, ebenso wie auf den titelgebenden Choral „Lux in Tenebris“. Im Literaturpfad werden wir in Hinblick auf diese Themen sowohl konkreter als auch aktueller: So sind die sogenannten Corona-Tagebücher zahlreicher Autorinnen und Autoren als auch die Bedeutung der Kunst in und für unsere Gesellschaft die zentralen Themen des geplanten Lesereigens.