Die Leiche in der Thaya. Der „Tatort“ verlegt seine Ermittlungen ins Thayatal und deckt dabei wahre Begebenheiten auf. Neugierige müssen sich gedulden, ausgestrahlt wird erst nächstes Jahr.

Von Dorothea Bauer. Erstellt am 08. Juli 2014 (10:19)
NOEN, Dorothea Bauer
Auch ein heißer Drehtag lässt Pausen für ein Gruppenfoto zu. Hauptdarsteller Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser lächeln neben Drehbuchautor und Regisseur Rupert Henning in die Kamera. Foto: Dorothea Bauer
Jahrzehnte, nachdem das Thayatal Schauplatz eines Verbrechens wurde, kehren Täter, Verdächtige und Ermittler nun zurück zum Tatort.

Starbesetzung erweckt wahre Geschichte zum Leben

Zur Freude der Ortsbevölkerung sind es keine vom Tode auferstandenen Geister, die in Hardegg von nun an herumspuken, sondern lediglich deren Erinnerung, die durch die Starbesetzung Krassnitzer - Neuhauser für die gleichnamige Fernsehserie wieder zum Leben erweckt wird.

An insgesamt 21 Drehtagen wird die wahre Geschichte eines Mannes rekonstruiert, der der Grenzbewachung zu Zeiten des Eisernen Vorhanges zum Opfer fiel und dessen Tod seinem Sohn eine Reise eröffnete. Eine Entdeckungsreise durch die Geschichte, über die Grenze hinweg zur eigenen Identität.

Gefahren des Kalten Krieges kommen zum Vorschein

Neben dem Drehort Hardegg, wo die Thayabrücke den Übergang zwischen Österreich und Tschechien schafft und somit bezeichnend ist für den Kern der Geschichte - Verbundenheit trotz Grenze - wurden auch Drosendorf, Kollmitzgraben und Wien Schauplätze des „Tatort“-Krimiszenarios.

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser, in den Hauptrollen des Ermittlerteams, verschlagen berufliche Gründe in die Nationalparkregion. Ihre Spurensuche beginnt mit einer, im Thayafluss treibenden, Leiche und endet auf der anderen Seite der Grenze.

Ihre Ermittlungen decken nicht nur das verknüpfte Schicksal zweier Nationen auf. Sie bringen auch die Gefahren und Auswirkungen der Politik des Kalten Krieges zum Vorschein und beenden das Schweigen um eine Vergangenheit, die den Grenzbewohnern noch sichtlich in den Knochen steckt.

Vergangenheit und Schicksale als Tabuthema 

Neuhauser meint diese Angst auch heute, fernab von Film und Fiktion, in Grenzregionen zu spüren. Man könne den Menschen nichts vorwerfen und trotzdem gelten vergangene Schicksale oft als stillgeschwiegene Tabuthemen.

Gleichzeitig ist es womöglich gerade diese Stille, die Neuhauser das Waldviertel so schmackhaft macht. Auf den Dreh hat sie sich bereits gefreut, schließlich prägte die abgeschiedene Landschaft auch ihre Kindheitserinnerungen im Hause der Großmutter.

Auch Harald Krassnitzer und Drehbuchautor Rupert Henning verbindet eine persönliche Beziehung mit dem Schauplatz rund um das niederösterreichische Waldviertel. Dem einen in Erinnerung als Kurort, dem anderen zur Wahlheimat geworden, waren sie sich schnell einig: Kein Medium könnte eine wahre Geschichte, die so bedeutende Themen wie Identität, Machtpolitik und Grenzproblematik besser erzählen als der „Tatort.“