Hardegg

Erstellt am 18. Januar 2017, 03:52

von Karin Widhalm

Esche-Pilz ist (noch) nicht im Thayatal. Die Bäume sterben nach dem Befall einfach ab, nur manche überleben. Der Nationalpark beteiligt sich deshalb an „Esche in Not“.

Samen der Esche.  |  NOEN, bfw

Die Donau-Aue bei Korneuburg ist derzeit gesperrt: Der Forstbetrieb des Stifts Klosterneuburg kämpft mit dem Befall eines Pilzes, etwa die Hälfte der Eschen seien betroffen. Das berichtet orf.at in der Vorwoche. Die NÖN fragte beim Nationalpark nach, wie die Situation im Thayatal aussieht.

Kommt auf Forstwirtschaft ein „riesengroßes Problem“ zu?

Eine Bedrohung könne noch nicht festgestellt werden, erklärt Waldexperte Wolfgang Riener, aber „wahrscheinlich sehr bald“. Die Verbreitung des „Falschen Weißen Stengelbecherchens“ hat im deutschsprachigen Raum zuletzt zugenommen. Der Pilz befindet sich seit 20 Jahren auf dem Vormarsch. Das Bundesforschungszentrum für Wald (bfw) vermutet, dass die Sporen über Nordost-Asien eingeschleppt wurden.

2005 stellte man das erste Auftreten in Österreich fest. Wird es schlimmer, kommt auf die Forstwirtschaft ein „riesengroßes Problem“ zu, so Riener. Die Erholung des Waldes mit Eschen würde Generationen dauern.

Der Befall ist sichtbar, wenn die unsichtbaren Sporen schon längst im Holz sind. „In einem natürlichen Abwehrmechanismus stößt der Baum die oberen Triebe ab, damit sich der Pilz nicht weiter ausbreitet“, schildert Riener. „Der Baum bringt sich dadurch selber um.“

Einige können den Schaden längere Zeit kompensieren, indem Ersatztriebe gebildet werden; andere sterben vollständig ab. Der Pilz überwintert in den abgeworfenen Blattstielen, auf denen Fruchtkörper entstehen. „Die Sporen werden ausgeschüttet und der Wind vertreibt‘s“, beschreibt der Fachmann.

„Wir hoffen, dass es sich die Natur wieder richtet“

Eine Schlägerung kann eine weitere Verbreitung demnach nicht eindämmen. Die Forstwirtschaft schreitet rechtzeitig zu dieser Maßnahme, damit keine Einnahmen durch das Absterben verloren gehen, begründet Riener. Er ist auch Förster. Das Abschneiden von Ästen, um später Wundbalsam aufzutragen, ist wenig sinnvoll. „Die Pilzsporen sind schon drinnen.“

Eine flächendeckende Schlägerung kommt bei einem Befall im Nationalpark nicht infrage. „Bei uns bleiben die Eschen stehen, außer bei den Wanderwegen. Das ist ein Sicherheitsrisiko für die Wanderer“, erklärt Riener. „Wir hoffen, dass es sich die Natur wieder richtet.“ Mn setzt auf eine andere Aktion: bfw und die Universität für Bodenkultur initiierten das Projekt „Esche in Not“.

Untersuchungen haben ergeben, dass es in stark befallenen Beständen immer wieder einzelne Individuen gibt, die unbeschadet bleiben. Sie haben offenbar Abwehrmechanismen gegenüber dem Erreger. „Das ist wie bei der Grippe: Zehn Leute werden angesteckt, zwei kriegen‘s nicht – und einer stirbt“, erklärt Riener.

Im Projekt werden die Samen der gesunden Bäume gesammelt, um resistente Jungeschen aufziehen zu können. Der Nationalpark Thayatal hält die Augen offen und stellt resistentes Vermehrungsgut zur Verfügung.

„Wir sind daran interessiert zu erforschen, wenn etwas draußen passiert, warum es passiert“, erklärt Riener.