Hollabrunns Spitzenkandidaten am runden NÖN-Tisch. Die Gemeinderatswahl-Kandidaten der Hollabrunner Parteien standen der NÖN zu drei Fragen Rede und Antwort.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:45)

Mit welchen Themen (auszugsweise) wollen Sie die Wähler für sich gewinnen?

Alfred Babinsky

Da gibt es vieles. Das Stadtzentrum wird durch zwei größere Bauprojekte verdichtet; ein Indoorspielplatz ist angedacht; es soll WLAN-Hotspots geben; wir wollen Kindergärten ausbauen; es soll Grünraum- und Photovoltaikpatenschaften geben; wir arbeiten an einer Erweiterung des Ruftaxis.

Friedrich Dechant.

Wir haben vier Visionen: die Belebung des Hauptplatzes und die Nutzung seines Potenzials für Veranstaltungen; das Studentenheim ist ein finanzielles Desaster, das hätte mit einem Hallenbad Potenzial. Die Kindergärten müssen erweitert werden; in den Katastralgemeinden müssen die Menschen für die Aufschließungskosten etwas bekommen.

Christian Lausch.

In Hollabrunn ist durch gute Oppositionsarbeit viel passiert. Darum wollen wir die Menschen überzeugen, dass eine starke Opposition wichtig ist. Die Augustwiesn ist ein Erfolg, aber generell passiert für die Jugend zu wenig. Das Volksfestgelände sollte von Beginn bis zum Ende der Ferien bespielt werden.

Wolfgang Scharinger.

Vorrangig muss etwas für die Jugend getan werden. Das Hütterl am Teich ist Geschichte. Ein Hallenbad hat die ÖVP schon vor 30 Jahren versprochen, mit einem Kino ist es dasselbe. Wir brauchen einen Wind- und Regenschutz für den Eislaufplatz.

Georg Ecker.

Unser Thema ist vor allem der Umwelt- und Naturschutz. Das Hauptproblem in Hollabrunn ist aber der Verkehr. Die Schnellbahn ist heillos überlastet; die Katastralgemeinden sind sehr schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden, da besteht Handlungsbedarf.

Hollabrunn ist mit Zuzug gesegnet, doch kann die Stadt mit ihrer Infrastruktur Schritt halten?

Alfred Babinsky

Hollabrunn ist beim Wohnbau der Hotspot in Niederösterreich. Wir bemühen uns, mit der Infrastruktur entsprechend mitzuziehen. Der neue Kindergarten hat entsprechende Kapazitäten, aber uns ist klar, dass in drei bis vier Jahren wieder Handlungsbedarf besteht. Wir sanieren den Kindergarten in Oberfellabrunn; auch der Enzersdorfer ist in die Jahre gekommen, hier werden wir wahrscheinlich neu bauen müssen. Die Entwicklung der Dörfer ist eine gute, auch dort passiert wieder Zuzug.

Friedrich Dechant.

Es ist gut, dass die Innenstadt in den letzten Jahren verdichtet worden ist und außen weniger versiegelt, da muss man die ÖVP auch einmal loben. Andererseits wurde ein Verkehrskonzept beschlossen, von dem vieles bis jetzt nicht umgesetzt wurde. Man muss sagen, dass Vizebürgermeister Schneider der Einzige in der ÖVP ist, der Visionen hat. Beim Kanal wurden 800.000 Euro erwirtschaftet, aber diese wurden nicht wieder investiert – das zeigen die vielen Rohrbrüche in letzter Zeit –, sondern es wurden Budgetlöcher gestopft.

Christian Lausch.

Andere Gemeinden würden sich einen solchen Zuzug wünschen. Mit dem Zuzug muss der Ausbau der Kindergärten und der Infrastruktur Hand in Hand gehen. Wir haben eine relativ gute Verkehrsanbindung, aber sie ist verbesserungswürdig. Der zweigleisige Ausbau scheitert immer wieder am Geld. Da kann die Regierung ausschauen, wie sie will, wenn nicht endlich im schwarzen Land Niederösterreich ein Umdenken stattfindet.

Wolfgang Scharinger.

Der neue Kindergarten hat die zwei geplanten Krabbelgruppen nicht bekommen, weil wir den Platz für die Kleinkinder gebraucht haben. Es verschwinden Spielplätze, wie in Magersdorf, weil Wohnblöcke errichtet werden. Der Zuzug findet nur in der Stadt statt, die Dörfer sterben aus; das will ich verhindern! Man muss die Infrastruktur dort ausbauen.

Georg Ecker.

In den Pendlerzügen der Nordwestbahn ist es jetzt schon schwer, einen Sitzplatz zu bekommen. Jetzt werden zusätzlich 600 Wohnungen in Hollabrunn gebaut. Diese Menschen werden leider keinen Job in Hollabrunn finden und müssen pendeln. Wir brauchen zu den Stoßzeiten einen Viertelstunden-Takt. Das ist die einzige Chance, um Hollabrunn zukunftsfähig zu machen. Der innerstädtische Verkehr ist ebenfalls problematisch; Wege für Radfahrer und Fußgänger müssen ausgebaut werden.

Der Klimaschutz ist ein heißes Thema – was ist hier zu tun?

Alfred Babinsky

Hollabrunn war eine Klima- und Energie-Modellregion. Daraus sind sehr viele Projekte umgesetzt worden. Dem ist das e5-Programm gefolgt. Dort haben wir auch ein Klimakonzept ausgearbeitet. Von euch (Anm.: von den Grünen) war leider keiner dabei. Es geht in die richtige Richtung … Die E-Tankstelle am Hauptplatz war ein Förderprojekt. Sie ist sieben Jahre gestanden, dann ist die Förderung ausgelaufen und wir haben auf ein Verrechnungssystem umgestellt. Es ist nicht üblich, dass gratis getankt werden kann.

Friedrich Dechant.

Im Stadtgebiet sollte man heimische Bäume setzen und nicht Kugelkirschbäume! Unser wertvollster Schatz ist der Kirchenwald. Hier gibt es leider zu späte und zu wenig Infos, wenn Bäume gefällt werden müssen. Bedenken gibt es immer noch wegen der Schneise in der Jahn-straße. Dafür, dass dort Bauplätze gemacht werden, liegen die Pläne in der Schublade. Ich hoffe, dass die Klimaschutzpläne der Gemeinde nicht nur Lippenbekenntnisse sind.

Christian Lausch.

Wir stehen für Klimaschutz mit Hausverstand. Aus einer Hysterie wird aber immer auch Geschäft gemacht. Die Elektro-Tankstelle am Hauptplatz war früher gratis, jetzt muss man bezahlen. Die Vereine gehören ins Boot geholt. Als Gemeinde kann man nur einen kleinen Teil zum Klimaschutz beitragen, ohne die Bevölkerung zu piesacken. Die Ärmeren fahren „Drecksschleudern“, wie sie der Vizekanzler bezeichnet, weil sie sich keine Elektroautos leisten können. Und jetzt werden die anderen Fahrzeuge noch mehr besteuert.

Wolfgang Scharinger.

Wir schlagen vor, für jedes Hollabrunner Kind einen Baum zu pflanzen; wir werden schon irgendwo einen Acker dafür haben. Man kann Buswartehäuschen begrünen, den Fuhrpark, soweit es geht, auf E-Fahrzeuge umstellen. Wir haben das Plastikverbot zwar beschlossen, aber hier muss die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen. Warum plakatieren die Parteien immer noch Plastik-Werbetafeln? Wir Politiker sollten Vorbild sein! Wir sind auch beim e5-Programm; außer der ÖVP war nur ich bei der letzten Sitzung.

Georg Ecker.

Der Klimawandel ist keine Hysterie. In Australien brennt der halbe Kontinent, das sind Auswirkungen der Klimakrise. Darum muss man auf allen Ebenen etwas dazu beitragen, die Umwelt zu schützen. Hollabrunn allein kann die Welt nicht retten, kann aber Vorbild sein. Aus unserem Klimaprogramm wurde leider viel herausgestrichen, der Parkplatz vor dem neuen Kindergarten ist leider wieder eine Asphaltwüste. Auch das E-Car-Sharing wurde immer noch nicht umgesetzt.