Erinnerung an großen Haugsdorfer Künstler. Vor 60 Jahren wurde Franz von Zülow Ehrenbürger von Haugsdorf. Ein Verein will weiter dafür sorgen, dass er nicht in Vergessenheit gerät.

Von Michael Böck. Erstellt am 14. September 2020 (13:43)
Seit 60 Jahren Haugsdorfer Ehrenbürger: Franz von Zülow.
privat

Einer der bekanntesten Haugsdorfer ist der 1963 verstorbene Künstler Franz von Zülow. Zu seinen Ehren ist im Jahre 2003 der Verein „Zülow in Haugsdorf“ aus der Taufe gehoben worden, der das Leben und Wirken des Papierschnittdrucks-Erfinders in würdiger Erinnerung hält. Schon zu Lebzeiten war er weit über das Pulkautal hinaus bekannt, viele seiner Werke sind in zahlreichen Museen Europas vertreten.

Der heutige Vorstand des Vereins „Zülow in Haugsdorf“ (v.l.): Engelbert Höller, Anna Ruby, Walter Trunk, Gabi Grötz, Wolfhard Grötz und Marianne Trunk.
Michael Böck

Zülow wurde am 15. November 1960 mit der Ehrenbürgerschaft von Haugsdorf ausgezeichnet. Die Verleihung in der damaligen Hauptschule jährt sich heuer zum 60. Male. Eine Ehrentafel an der Klagemauer in der Nähe der Winzergenossenschaft zeugt von diesem freudigen Ereignis. Sie wurde 2019 restauriert.

Zülows Kunst war vielseitig

Franz von Zülow wurde am 15. März 1883 als Sohn von Franz Ernst Rudolf und Maria Zülow, die gebürtige Haugsdorferin war, geboren. Der junge Zülow besuchte Schulen in Wien, das k.k. Carl-Ludwig-Gymnasium, später die allgemeine Zeichenschule sowie die graphische Lehr- und Versuchsanstalt. In dieser Zeit schuf er seine ersten Werke, mit denen er bei verschiedensten Ausstellungen vertreten war. Seine Kunst war von Vielseitigkeit geprägt; vor allem aber spezialisierte er sich auf die Druckgrafik. 1907 erhielt er schließlich das Patent für das Verfahren zum Bedrucken von Papier und Stoffen.

Zülow war Mitglied der Wiener Secession. Seinen Lebensmittelpunkt änderte er mehrfach: So lebte er auch längere Zeit in Mannsberg bei Znaim und Hirschbach. Nachdem er in seiner Kindheit oft die Schulferien bei seinen Großeltern in Haugsdorf verbracht hatte, wohnte er von 1909 bis 1921 überwiegend und später als Hauptwohnsitz hier. Thematisch beschäftigte sich Zülow gerne mit dem hiesigen bäuerlichen Leben, Landschaften und Kellergassen – Werke, die heute gut dotiert sind und gerade in der Kunstszene rasch Abnehmer finden.

"Zülow-Wein" ist eines der ersten Vereinsprojekte

Kein Wunder also, dass sich der erst kürzlich verstorbene Josef Ruby als erster Zülow-Verein-Obmann maßgeblich für dessen künstlerisches Erbe einsetzte. Auf die Idee einer größeren Widmung Zülows brachte ihn Karl Himmelbauer. Der nämlich kam aus des Künstlers zweiter Heimat Hirschbach und war auf dessen Kindheitsspuren in Haugsdorf zu Besuch. Durch ein zufälliges Treffen kamen die beiden ins Gespräch über ihren gemeinsamen Bekannten und Freund Franz von Zülow.

Werke aus Zülows Monatsheften, die in Haugsdorf entstanden sind.
privat

Noch vor Gründung des Zülow-Vereins wurde im Jahr 2002 eine Ausstellung im Pfarrsaal organisiert. Die Ernennung selbst fand dann 2003 im Gasthaus Slon statt – mit anfänglich 80 Mitgliedern und mit Unterstützung von Zülows Schwiegertochter Waltraud Maria sowie der Initiative Pulkautal. Es folgten gegenseitige Einladungen, darunter auch ins Hirschbacher Museum in Oberösterreich, diverse Ausflüge, und erste Projekte. So gab es dann bereits den ersten Zülow-Wein.

Einige heimische Winzer brachten das erste Mal Etiketten mit Zülow-Motiven an ihren Flaschen an. Der Verein „Zülow in Haugsdorf“ etablierte sich in den weiteren Jahren immer weiter. Eine Büste des Künstlers, gestaltet von Robert Himmelbauer, ziert seit 2012 den Vorplatz vor dem Amtshaus. Mit dem Projekt „Zülow-Weg“ holte der Verein den zweiten Platz beim NÖ Ideenwettbewerb.

HINTERGRUND:

  • 2016 übernahm Gabriele Grötz die Leitung des Vereins „Zülow in Haugsdorf“ und stellte diesen auf neue Beine: Die Tradition des Zülow-Weins wird bis heute in Verbindung mit einer Weinverkostung und -kür fortgesetzt. Außerdem folgten viele weitere Ausstellungen, Teilnahmen an der Veranstaltung „Kunst&Wein“, Erweiterungen und eine Beleuchtung der Zülow-Büste (in Zusammenarbeit mit der NMS Haugsdorf) und vieles mehr.
  • Der Verein Zülow in Haugsdorf will im Gedenken an den heimischen Künstler weiter aktiv bleiben und ist immer auf der Suche nach interessierten Mitgliedern. Außerdem wird eine passende Räumlichkeit für künftige Ausstellungen gesucht. Obfrau Gabi Grötz freut sich über jegliche Anfragen und Angebote (0680-3121279).