Pucher-Schwartz geht in Pension: „Lerne, nichts zu tun“. Mit Michaela Pucher-Schwartz trat Integrationsfigur in den Ruhestand, die 20 Jahre prägte.

Von Sandra Frank. Erstellt am 13. Januar 2021 (03:42)
20 Jahre war Michaela Pucher-Schwartz (Mitte) „die Säule der Frauenberatung“, wie ihre Geschäftsführerin Barbara Murero-Holzbauer (r.) sie bezeichnet. In dieser Zeit arbeitete Pucher-Schwartz auch mit AMS-Chef Josef Mukstadt eng zusammen.
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Das Frauenberatungs- und Bildungszentrum „Frauen für Frauen“ verbindet man unweigerlich mit dem Gesicht von Michaela Pucher-Schwartz. Sie begann dort im Dezember 2000 als freie Dienstnehmerin. „Mein Einstieg war ein Kurs zur Berufsorientierung mit zwölf Frauen“, erinnert sich die Trainerin zurück. Fix angestellt war die Hollabrunnerin von Februar 2001 bis zum 31.12.2020.

Der Pensionsantritt fällt ihr sichtlich schwer. Nicht wegen des Alters. „Damit hab’ ich kein Problem“, sagt die 62-Jährige. Aber: „Es wird eine große Herausforderung, von 100 auf 0 zu gehen. Ich befinde mich gerade im Prozess, zu lernen, nichts zu tun“, meint sie mit einem Schmunzeln. 20 Jahre lang war es Pucher-Schwartz ein großes Anliegen, „für die Frauen etwas zu tun“. Ganz besonders für jene in der Hollabrunner Region.

Über ihr „spannendes“ Geschenk zum Abschied, einen AMS-Schirm, freute sich Michaela Pucher-Schwartz sehr.
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„Michaela, die Säule der Frauenberatung in Hollabrunn“, bringt Geschäftsführerin Barbara Murero-Holzbauer auf den Punkt, was Pucher-Schwartz für die Institution bedeutet. Bei schwierigen Fällen war klar: „Michaela fragen!“ „Ich hab’ eben schon viel Erfahrung“, sagt die nun ehemalige Bereichsleiterin. Für sie sei es jedes Mal ein Highlight gewesen, wenn eine Frau einen Job bekommen hat.

Was bei der Arbeit besonders wichtig war? „Die Motivation innerhalb der Gruppe, keinen Druck aufbauen und die Frauen wertschätzen“, verrät die Neo-Pensionistin ihr Erfolgsrezept. So konnte sie viele Frauen dazu bringen, Vorurteile und Ängste zu überwinden. „Es ist kein Muss, sondern eine Chance“, ergänzt Murero-Holzbauer, wie wichtig es sei, dass die Frauen ihre Sichtweise ändern. Was sich in den vergangenen 20 Jahren verändert hat? Zum einen die EDV. Wo einst noch Scheu war, sei es nun immer wichtiger, digitale Alltagskompetenzen zu vermitteln.

Und: „Psychische Erkrankungen, wie Depressionen und Burnout, haben zugenommen“, beobachtet Pucher-Schwartz. Ebenfalls verändert habe sich die Zahl der berufstätigen Frauen: Die unselbstständige Erwerbstätigkeit von Frauen habe in Niederösterreich seit 2008 um 9,2 Prozent – jene von Männern um 9,4 Prozent – zugenommen, wie AMS-Leiter Josef Mukstadt verrät.

Eröffnung 1989: „Sessel standen auf der Straße“

Das Arbeitsmarktservice NÖ finanziert das Frauenberatungs- und Bildungszentrum, darum stehen die beiden Institutionen in ständigem Austausch. Mukstadt und Pucher-Schwartz erinnern sich noch an die Eröffnung im September 1989 in der Hoysgasse 1. „Die Sessel sind auf der Straße gestanden“, beschreibt Mukstadt die damals beengten Verhältnisse. Mittlerweile ist das Beratungszentrum ins Sporthotel (Dechant Pfeiferstraße) übersiedelt. Ein größerer Standort, der den Frauen, die Beratung und Hilfe suchen, die nötige Anonymität gewährt. „Wir sind ein Schutzraum für die Frauen“, denkt Murero-Holzbauer an jene, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und Hilfe suchen. „Es fällt leichter, seine Geschichte anonym zu erzählen. Persönlich oder auch per E-Mail“, weiß die Frauen-für-Frauen-Geschäftsführerin. Die Beraterinnen versuchen, den Betroffenen bestmöglich zu helfen. Dabei sei es eine besondere Qualität, dass auf eine Vielfalt an Fachkompetenzen direkt im Haus zurückgegriffen werden kann.

20 Jahre war Pucher-Schwartz mit Leib und Seele für die Frauen da; zeigte ihnen, was ihre Stärken sind. „Ganz aufhören werde ich aber nicht“, erzählt die Hollabrunnerin. Sie wird weiterhin als Lebensberaterin tätig sein, hat ihre Mitgliedschaft im Verein „Frauen für Frauen“ bereits unterzeichnet und ist nun eine sogenannte „Mitfrau“.