Mit der „Puffen“ vorm Puff

Ein 33-jähriger Hollabrunner feuerte vier Schüsse vor tschechischem Nachtlokal „In Flagranti“ ab. Das kam nun teuer zu stehen.

Christian Pfeiffer Erstellt am 22. September 2021 | 05:59
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Am Landesgericht Korneuburg hatte Richterin Lydia Rada einen Vorfall vor einem tschechischen Nachtlokal zu klären.
Foto: Christian Pfeiffer

Zum näheren Verständnis des Geschehens in der Nacht auf den 24. Juni dieses Jahres vor einem Nachtklub an der tschechischen Grenze bedarf es wohl eines gewissen Alkoholpegels.

Aufgebrochen zum Etablissement „In Flagranti“ in Chvalovice waren ein 33-Jähriger aus der Gemeinde Hollabrunn und ein 27-jähriger Verwandter, um die Geburt von dessen Nachwuchs zu feiern. So ausgelassen, dass der 27-Jährige in dem Klub einschlief und der 33-Jährige Probleme mit dem Security-Personal bekam.

Der schnappte sich daraufhin von seinem schlafenden Kumpel die Autoschlüssel, setzte sich in sein eigenes Auto und fuhr nach Hause zum Fahrzeug des Verwandten. Dort angekommen holte er eine Faustfeuerwaffe aus der Mittelkonsole, steckte diese ein und steuerte wieder das Nachtlokal in Tschechien an. Dort wollte er „nur aufmerksam machen auf mich“, erklärte der 33-jährige Angeklagte vor Richterin Lydia Rada am Landesgericht Korneuburg.

„Ich wollt‘, dass dem Freund nix passiert“

Gemeint waren damit vier Schüsse, die er aus der mitgebrachten Waffe vor der Lokalität in die Luft abfeuerte: „Ich wollt‘, dass dem Freund nix passiert.“ Dass er einem von der Bezirkshauptmannschaft Hollabrunn verfügten Waffenverbot bis Ende des Jahres 2025 unterliegt, sei ihm schon bewusst gewesen, bestätigte er auf Nachfrage der Richterin kleinlaut.

Für den 33-Jährigen endete die wenig rühmliche Aktion in einer tschechischen Ausnüchterungszelle. Der 27-Jährige wachte irgendwann in dem Klub auf und ging von dort zu Fuß über die Grenze zu seiner Partnerin, nichts von dem Geschehenen wissend.

Ihn fragte Rada allerdings, ob er finde, dass die Mittelkonsole im Auto der richtige Aufbewahrungsort für eine Waffe sei. Auch in diesem Fall bekam sie eine eher zerknirschte Antwort: „Nein.“ Wegen dieses Verstoßes und weil der Angeklagte bei den tschechischen Beamten fälschlich angegeben hatte, dass der 27-Jährige selbst die Waffe mitgebracht habe, läuft gegen diesen nun ein Waffenverbotsverfahren.

Richterin Rada sprach den 33-Jährigen nach dem Waffengesetz für schuldig und verhängte eine unbedingte Geldstrafe in der Höhe von 2.160 Euro; darüber hinaus habe er die Kosten des Gerichtsverfahrens von 1.500 Euro zu tragen. „Was mach ma?“, so Rada nach dem Urteil. Antwort: „Annehmen.“

Dem freundschaftlichen Verhältnis der beiden Männer hat der Vorfall nicht nachhaltig geschadet, wie beide vor der Richterin beteuerten.