Göllersdorfs Spitzenkandidaten am Wort. In Göllersdorf stehen vier Parteien zur Wahl, die NÖN befragte alle Spitzenkandidaten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 21. Januar 2020 (14:30)
Spitzenkandidaten bei der Göllersdorfer Gemeinderatswahl: Josef Reinwein (ÖVP), Stefan Hinterberger (SPÖ), Ernst Suttner (FPÖ) und Josef Peer (Bürgerliste Göllersdorf, von links). Fotos: ÖVP (Reinwein), SPÖ (Hinterberger), FPÖ (Suttner) und M. P-H (Peer)
ÖVP (Reinwein), SPÖ (Hinterberger), FPÖ (Suttner) und M. P-H (Peer)

In Göllersdorf stehen vier Parteien zur Wahl: Josef Reinwein geht als amtierender Bürgermeister für die ÖVP in den Wahlkampf. Diese hält elf der 21 Mandate. Stefan Hinterberger führt die SPÖ an, die fünf Mandate seiner Partei will er halten und ausbauen.

Für die Freiheitlichen geht Ernst Suttner ins Rennen. Die FPÖ steht aktuell bei zwei Sitzen im Gemeinderat. Die restlichen drei Mandate gehören derzeit den Grünen. Die Ökopartei steht nach einer Periode im Gemeinderat nicht mehr zur Wahl. Die Mandatare sind auf jetzt auf der „Bürgerliste Göllersdorf“ zu finden. Diese wird von Josef Peer angeführt.

Göllersdorf ist eine Zuzugsgemeinde. Kann die Infrastruktur der Gemeinde mithalten? Wo gibt es Handlungsbedarf?

Josef Reinwein (ÖVP)
ÖVP

Josef Reinwein, ÖVP: Die Marktgemeinde Göllersdorf ist eine Zuzugsgemeinde, was grundsätzlich gut ist. Natürlich ist die Infrastruktur - der Kanal, der Kindergarten, die Volksschule, Straßen und Ortsbeleuchtung - zu erweitern und anzupassen. Das kostet Geld. Darum ist es auch Aufgabe der Gemeinde, die Entwicklung des Zuzuges im Auge zu behalten, dass diese Steigerung für die Infrastruktur verträglich ist.

Stefan Hinterberger, SPÖ: Das Kanalnetz bzw. das Abwassersystem müssen mit dem Zuzug mithalten können. Nicht zuletzt, weil einige unserer Bürger seit Jahren bei Starkregenereignissen „Absaufen“, muss hier erweitert werden. Weiters muss die Kläranlage in den nächsten Jahren vergrößert werden. Wichtig wird auch sein, dass die erstmalige Herstellung von Straßen und Ortsbeleuchtung rascher nach einer Aufschließung durchgeführt wird.

Ernst Suttner, FPÖ: Um ein Abwandern von Jungfamilien und jungen Erwachsenen zu verhindern sowie einen Zuzug in unserer Gemeinde attraktiver zu machen, sollte man auf jeden Fall den Ausbau des Bahnnetzes und der Bundesstraße überdenken. Außerdem sollte leistbares Wohnen und sicherlich auch der flächendeckende Ausbau eines Glasfasernetzwerks forciert werden. Das einspurige Bahngleis stößt vielen Pendlern unangenehm auf, nicht nur wegen der Frequenz, sondern auch wegen der Ausfälle und den damit verbundenen Verzögerungen. Der Großteil der Bundesstraße, welche durch unserer Gemeinde führt, ist leider ebenfalls nur einspurig, sodass bei Unfällen oder Instandsetzungsarbeiten immer wieder durch die Ortschaften umgeleitet wird. Das führt zu einem hohen Verkehrsaufkommen und natürlich zu einem erhöhten Sicherheitsrisiko. Ich wage zu behaupten, dass wir auch die einzige Gemeinde in Österreich sind, wo eine Landesstraße mit einer Stopptafel in eine Bundesstraße mündet! Hier sollte man bauliche Maßnahmen erwägen, wenn schon ein durchgehender zweispuriger Ausbau der B 303 in beide Richtungen nicht möglich erscheint. Dass sich ein neuer Zahnarzt ansiedelt, sollte forciert werden.

Josef Peer, Bürgerliste Göllersdorf: Hauptsächlich besteht Handlungsbedarf beim Rathaus, der Volksschule und der NMS sowie dem Altbau des Kindergartens. Es fehlt ein Ausbau bedarfsgerechter Kinderbetreuung ebenso wie Angebote für die ältere Generation. Ein Wochenmarkt würde die Regionalität stärken und das Ortszentrum beleben. Ein Gasthaus wäre eine sehr willkommene Ergänzung zu den vorhanden Lokalitäten. Da wir eine  Pendlergemeinde  sind,  müssen wir uns für bessere öffentliche Verkehrsmittel einsetzen. Nur so kann die Verkehrs- und Parkbelastung in unserer Gemeinde gering gehalten werden.

Heißes Thema: Das Göllersdorfer Rathaus. Welche Variante (Neubau oder Sanierung) bevorzugen Sie persönlich, und warum?

Josef Reinwein, ÖVP: Eine Sanierung des Hauses kostet nach Schätzung des beauftragten Architekten runde zwei Millionen  Euro, in diesen Kosten ist ein Saal mit etwa 150 Quadratmetern dabei. Der Neubau ist auf jeden Fall zu bevorzugen, da bei einer Sanierung nur die Außenmauer stehen bleib. Ein Neubau würde auch eine 100-prozentige Barrierefreiheit für unsere Bürger bieten. Es wird zu dieser Thematik eine Befragung in unserer Gemeinde stattfinden.

Stefan Hinterberger (SPÖ)
SPÖ

Stefan Hinterberger, SPÖ: Wir bevorzugen eine Sanierung, weil diese kostengünstiger ist. Es fällt weniger Schutt an, weil kein kompletter Abbruch stattfinden muss. Egal, ob Sanierung oder Neubau – wichtig sind uns drei Dinge: das Rathaus muss im Eigentum der Gemeinde bleiben, ein Veranstaltungssaal muss her und der Polizei muss durch Umsetzung des neuen Raumkonzeptes eine langfristige Zukunft in unserer Gemeinde geschaffen werden.

Ernst Suttner, FPÖ: Natürlich bin ich für eine Sanierung des Altgebäudes, da sich mittlerweile herausgestellt hat, dass diese Variante doch die günstigere ist. Für mich persönlich wäre aber eine Sanierung in Teilbereichen wünschenswert gewesen, bei der es nicht notwendig erscheint, dass die Gemeindebediensteten sowie die Polizei, ausquartiert werden müssen. Diese Möglichkeit wurde seitens externer Fachkundiger optioniert, steht aber derzeit leider nicht zur Debatte. Man kann nur abwarten, welche Auflagen seitens der Landespolizeidirektion auf uns zukommen, während der Sanierung. Auf jeden Fall wäre dann der Ankauf des alten Sparkassengebäudes nicht notwendig gewesen, was wiederum für Kosten sorgte, obwohl es auch andere Interessenten für das Objekt gab.

Josef Peer, Bürgerliste Göllersdorf: Wir sehen nach wie vor die Variante einer Sanierung - ohne Wohnungen im Dachgeschoß – als die wirtschaftlich und ökologisch sinnvollere und günstigere Lösung.

Der Klimaschutz ist in aller Munde: Macht die Gemeinde genug, um ihren Beitrag zu leisten? Was muss konkret getan werden?

Josef Reinwein, ÖVP: In unserer Gemeinde wurde die Ortsbeleuchtung komplett auf LED umgestellt. Damit werden Mindestens 60 Prozent an Strom eingespart – abgesehen von der langjährigen Garantie auf die Leuchtmittel. Wir haben auf dem Dach der Volksschule, der Mittelschule und der Kläranlage in Sierndorf leistungsstarke Photovoltaikanlagen installiert. Bei Umstellungen von gemeindeeigenen Gebäuden wird darauf geachtet, dass alternative Heizformen eingebaut werden. Der benötigte Strom der Marktgemeinde Göllersdorf wird schon seit Jahren ausschließlich aus erneuerbaren Energieformen bezogen. Das Gemeindetaxi für den Bezirk wurde von uns als eine der ersten Gemeinden unter Federführung der ÖVP beschlossen – leider haben da nicht alle Gemeinden mitgemacht.

Stefan Hinterberger, SPÖ: Wir schlagen vor, dass in unserer Gemeinde zumindest einmal im Monat ein Markt stattfindet. So können Bürger regional einkaufen, haben kürzere Wege und auch die Lebensmittel werden nicht durch die halbe Welt geflogen. Eine Win-Win Situation für das Klima, für unsere Bürger und Lebensmittelproduzenten. Die SPÖ Göllersdorf wird übrigens in den nächsten fünf Jahren für jede Vorzugsstimme,  die einer unserer Kandidatinnen erhält, einen Baum in der Gemeinde pflanzen.

Ernst Suttner, FPÖ: Ich denke, dass sich unsere Gemeinde in Bezug auf den Klimaschutz nicht verstecken muss. Im Gemeinderat haben wir uns immer wieder bemüht, diesen zu berücksichtigen bzw. zu implementieren. Ergänzend möchte ich aber erwähnen, dass das Verbot der Installierung von Photovoltaikanlagen an den Dächern zum Hauptplatz von Göllersdorf unseres Erachtens nicht wirklich zu einem aktiven Klimaschutz beiträgt. Dieser Beschluss war damals ein Alleingang der Bürgermeisterpartei. Auch eine geforderte Aufhebung von diesem Beschluss wurde von der Mehrheitspartei abgeschmettert. Unverständlich ist das auch deshalb, da man im Zuge der Sanierung des Rathauses hier ein klares Zeichen für den Klimaschutz setzen könnte und diese mit einplanen sollte. Auch das  Pflanzen von Bäumen, zum Beispiel entlang der Wienerstraße, würde zur Verbesserung des klimas – auch optisch -  beitragen.

Josef Peer (Bürgerliste Göllersdorf)
M. P-H

Josef Peer, Bürgerliste Göllersdorf: Es gibt einige Bereiche, die stark vernachlässigt worden sind. Öffentliche Gebäude wie Kindergarten, Schulen, Feuerwehrhäuser und das Rathaus sollten dringend auf moderne Heizsysteme umgestellt und die Wärmedämmstandards aktualisiert werden. Au0erdem sollten diese im sinnvollen Ausmaß mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Das Radwegenetz bedarf einer Evaluierung und gegebenenfalls  eines Ausbaues. Die Attraktivität des Hauptplatzes könnte ganz leicht mit noch mehr Grünflächen und der Pflanzung heimischer Baumsorten gesteigert werden. Grundsätzlich sollte mehr Bewusstsein für unsere Umwelt und unsere Natur geschaffen werden, damit wir als Erwachsene unseren Kindern ein Vorbild sein können.

Wie muss der 26. Jänner ausgehen, damit Sie zufrieden einschlafen?

Josef Reinwein, ÖVP: Die Stimmung in unserer Gemeinde ist gut - ich gehe von zwölf Mandaten für die ÖVP Göllersdorf am 26.1.2020 aus.

Stefan Hinterberger, SPÖ: Wir wollen klarerweise an Stimmen dazu gewinnen, sollte dies der Fall sein, werde ich am Wahltag zufrieden einschlafen. Interessant wird, ob die ÖVP die absolute Mehrheit verliert, nur dann wäre in unserer Gemeinde Veränderung möglich.  Dies ist jedoch nur mit einer starken SPÖ in der Gemeinde möglich.

Ernst Suttner (FPÖ)
FPÖ

Ernst Suttner, FPÖ: Prinzipiell freue ich mich, wenn wir weiterhin unsere derzeitige Position vertreten können. Eine Erweiterung unseres Teams im Gemeinderat würde aber sicherlich vieles erleichtern. Auch ein Fall der absoluten Mehrheit der ÖVP könnte zukünftige  Entscheidungen im Gemeinderat neu steuern, da dann endlich die Karten neu gemischt werden.

Josef Peer, Bürgerliste Göllersdorf: Wenn wir sieben Mandate erreichen, haben wir nicht nur einen großen Vertrauensvorschuss von den Wählern erhalten, sondern auch den klaren Auftrag, Verantwortung für unsere Gemeinde zu übernehmen. Als Spitzenkandidat unserer Bürgerliste bin ich gerne bereit, diese Aufgabe mit großem Engagement und Leidenschaft zu übernehmen.