Ex verprügelt: Angeklagter bestreitet Mordversuch. Vor den Augen der Kinder prügelte und trat 32-Jähriger auf Ex-Gattin in der Wohnung in Pulkau ein: „Ich wollte sie verletzen, aber nicht töten“, beteuert er vor Gericht.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 09. April 2019 (10:45)

„Nicht schuldig!“, erklärt der 32-jährige Stefan E. am Landesgericht Korneuburg zum Vorwurf des Mordversuchs an seiner geschiedenen Ehefrau. „Ich wollte sie nur verprügeln, aber nicht töten“, beteuert er.

„Wegen Ihrer Eifersuchtsattacken und zunehmenden Gewaltbereitschaft ließ sich Ihre Frau scheiden und zog mit den beiden Kindern nach Pulkau. Ein halbes Jahr später standen Sie nach einem Telefonat vor ihrer Wohnungstür und versetzten ihr einen Faustfaust und kündigten Ihr an, sie umzubringen“, erinnerte die Staatsanwältin den Angeklagten.

Gefolgt sei eine Gewaltorgie. „Sie würgten sie, packten sie an den Haaren und schleuderten sie mehrmals gegen einen Heizköper, versetzten ihr immer wieder Tritte, wobei sie Arbeitsschuhe mit Stahlkappen trugen, schleuderten ihren Kopf mehrmals gegen den Fußboden und setzten ihr dann noch ein Stanleymesser an den Hals“, beschrieb die Anklägerin die Tat.

„Das bitterliche Flehen und Weinen Ihrer beiden Töchter ließ Sie kalt. Sie hörten nicht auf und prügelten vor den Augen der Kinder auf deren Mutter ein“, sieht sie in dem Gewaltausbruch des Tischlers einen Mordversuch. Dieser habe in seinen ersten Einvernahmen auch zugegeben, dass er seine Ex-Frau verletzen wollte und es sei ihm in diesem Moment egal gewesen, ob sie stirbt.

„Ich war in diesem Moment so außer mir. Sie machte die Tür auf, pflaumte mich wieder an, da habe ich ihr eine gegeben. Einen leichten Faustschlag“, schildert der 32-Jährige und versucht, den Gewaltausbruch abzuschwächen: „Wenn i voll durchzieh‘, sieht’s anders aus.“

„Wenn Sie mit Arbeitsschuhen mit Stahlkappen auf eine 50-Kilo-Frau hintreten, kann es zu schweren, ja tödlichen Verletzungen kommen. Das ist Ihnen schon klar?“, entgegnet der Richter.

Aufgrund der leugnenden Verantwortung des Angeklagten zeichnete sich am Dienstagvormittag ein langes Beweisverfahren ab.

Nachbarin schritt zur Rettung

Die Nachbarin (31) hörte die flehenden Kinder: „Papi, bitte hör auf!“. "Die Frau war blutverschmiert und mit ausgerissenen Haarbüscheln übersät. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie er sie an den Haaren packend mit den Kopf mehrmals gegen den Boden schlug und ihr Fußtritte versetzte. Er ließ sich nicht beruhigen. Mein Partner stellte sich ihm dann in den Weg, drückte ihn gegen die Mauer während ich die Kinder und die verletzte Frau in Sicherheit brachte“, schildert die Nachbarin die beherzte Rettungsaktion. Als die Polizei eingetroffen ist, sei der Gewalttäter schon weg gewesen, erzählt die Zeugin.

Stefan E. kamen Polizeistreifen entgegen,  und er beendete die Fluchtfahrt. Er kehrte zurück an den Tatort und stellte sich.

Von den Beamten befragt, gestand er sofort, dass er die Ex-Frau habe verprügeln wollen. Für die Staatsanwältin fielen bei der Vernehmung die für eine Mordversuchsanklage entscheidenden Worte von E.: „Es war mir egal, ob sie an den Verletzungen stirbt!“, sowie „Ich wollte sie verletzen, aber das Messer hatte ka Schneid‘!“ Geäußerte Suizidgedanken gegenüber der Polizei habe E. dann mit den Worten verworfen: „Warum soll ich sterben, Sie soll bluten!“

Er habe im Telefonat vom neuen Freund der Ex-Frau erfahren, erzählt E. und meint: „Das war der Auslöser. Ich war so wütend und wollte ihr wehtun.“

„Warum? Sie lebten schon länger getrennt, waren seit einem halben Jahr geschieden,  und Sie hatten in der Zwischenzeit auch eine neue Beziehung“, kann der Richter die Wut von E. auf seine Ex nicht nachvollziehen. Das Unverständnis des Richters kann wiederum der Angeklagte nicht nachvollziehen. Nach den mehrfach enttäuschend endenden Beziehungen sei es halt aus ihm herausgebrochen, sagt E. sichtlich unwirsch, und er verweist auf elf gewaltfreie Ehejahre.

„Sind Sie stolz darauf?“, wirft die beisitzende Richterin ein und der Angeklagte ereifert sich: „Ich habe nie eine Frau geschlagen, das tut man nicht.“ Harsch entgegnet die Beisitzerin: „Ich korrigiere Sie. Sie haben Ihre Frau geschlagen, sonst würden wir heute nicht hier sitzen.“

Der Angeklagte kann nicht an sich halten: „Das war nach der Ehe, nachdem Sie mich betrogen hat.“

Immer wieder bricht das offensichtlich aufbrausende Naturell des 32-Jährigen beim Prozess zutage. Er leugnet aber bis zuletzt jegliche Tötungsabsicht an seiner Ex-Gattin, die den Angriff mit zahlreichen Verletzungen (Prellungen, Quetschungen, Blutunterlaufungen, Würgemale, ein ausgerissener Fingernagel,  eine 1,5 Zentimeter lange Schnittwunden am Hals, massiver Haarverlust ) überlebt hat. Die Verantwortung des 32-Jährigen geht in Richtung Totschlag oder absichtlich schwere Körperverletzung.

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren ziehen sich die Geschworenen zur Urteilsberatung zurück.

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