500 Hollabrunner unterschrieben gegen Gestank. NUA Abfallwirtschaft beschäftigte Gemeinderat. Betrieb installierte indes eine Ombudsstelle.

Von Sandra Frank. Erstellt am 04. Juli 2019 (06:44)
SP, VP
Alexander Eckhardt (SP, links) kritisiert die Gemeinde Hollabrunn: Seit neun Monaten ist nichts passiert. Alfred Babinsky (VP, re.) kontert: „Wir setzten uns sehr wohl für die Bürger ein.“ Fotos: SP, VP

„Bei uns sind die Nächte nicht so toll“, berichtet Judith Kolar aus Breitenwaida. Auch wenn es draußen abkühlt, ein Fenster kann sie nicht öffnen. „Es stinkt jede Nacht. Ich wollte um 5 Uhr früh durchlüften, aber keine Chance.“

Keck: Zwei Jahre Gespräche, wenig umgesetzt

„Wir wollen einen sichtbaren Schritt setzen“, sagte VP-Umweltgemeinderat Josef Keck. Der sichtbare Schritt ist eine Unterschriftenaktion gegen den beißenden Gestank, der vom Abfallverwertungsbetrieb Brantner ausgeht und die Bewohner der umliegenden Orte plagt.

Mit einer Resolution – auf über 500 Unterschriften gestützt – wird die Stadtgemeinde den Betrieb auffordern, endlich Maßnahmen zu setzen, um „die erhebliche Einschränkung der Lebensqualität der betroffenen Bürger restlos“ zu beseitigen, wie es in dem Schreiben heißt.

Diese 500 Unterschriften sind für Kolar gleichbedeutend mit 500 Beschwerden. Sie hofft, dass der Druck endlich groß genug ist, damit rasch etwas passiert.

Obwohl es seit zwei Jahren Gespräche gibt, sei wenig umgesetzt worden, ist Keck enttäuscht. Wie berichtet, ist die Sicht des Betriebs eine andere. Sprecher Markus Petrakovits zählte im NÖN-Gespräch eine Reihe von Maßnahmen auf, die den Gestank eindämmen würden.

NOEN
Alexander Eckhardt (SP) kritisiert Gemeinde: Seit neun Monaten ist nichtspassiert.

Und neu seit vergangener Woche: „Die NUA Abfallwirtschaft GmbH hat für Interessierte und Anrainer ab sofort eine E-Mail-Adresse eingerichtet, um künftig rasch reagieren zu können“, informiert Petrakovits. „Da wir an einer Verbesserung der Geruchssituation und natürlich auch an einer klimatischen Verbesserung der Kommunikation interessiert sind, werden wir den Austausch mit allen Beteiligten anbieten“, betont der Sprecher.

Als „erbärmlich“ beschreibt SPÖ-Klubobmann Alexander Eckhardt den Umstand, dass sich „in den letzten neun Monaten“ nichts getan hat. Vor neun Monaten hat seine Fraktion via Dringlichkeitsantrag die Gemeinde aufgefordert, entsprechende Gespräche zu führen, um das Gestankproblem in den Griff zu bekommen.

Resolution ist „lieb und nett“, aber zu wenig

„Die Resolution ist lieb und nett“, meint FPÖ-Chef Christian Lausch. Dennoch teilt er die Kritik von Eckhardt, die ÖVP sei zu lasch. „Ich glaube, auf politischer Ebene kann man sehr viel machen.“ Die ÖVP-Mehrheit sollte schnell mit dem Land Kontakt aufnehmen. Immerhin gehe es um wertvolles Bauland, welches sich unter den aktuellen Gegebenheiten nicht gut verkaufen lasse.

NOEN
Alfred Babinsky (VP): „Wir setzten uns sehr wohl für die Bürger ein.“

„Wir setzen uns sehr wohl ein!“, konterte Alfred Babinsky, mittlerweile zum Bürgermeister gewählt. Es gebe laufend Gespräche mit der Bezirkshauptmannschaft. „Du glaubst immer nur, aber ich weiß es“, betonte er Richtung Lausch.

„Es wird sicher nicht vom Tisch gewischt“, verteidigte Keck die Gemeinde. Ihr würden eben keine Rechtsmittel zur Verfügung stehen, darum ist die Resolution ins Leben gerufen worden, die einstimmig angenommen wurde.