Koalas, Rehe und Timberlake: Weltenbummlerin im Porträt. Weltenbummlerin Martina Baumer aus dem Weinviertel kehrte von ihrer australischen Farm heim nach Glaubendorf.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 12. Mai 2019 (07:07)
Sylvia Stark
Die gebürtige GlaubendorferinMartina Baumer vor einem Bild „ihres“ Strandes in Australien. Nach 30 Jahren kehrte sie ins Schmidatal zurück, um ihre Eltern zu pflegen.

Im Juni 2018 buchte Martina Baumer aus Australien ein „einfaches Flugticket“ nach Österreich, um ihren krebskranken Vater in Glaubendorf zu pflegen. Sie serviert ofenwarmen Apfelstrudel mit einem „Gupf Schlagobers“, ganz nach österreichischer Tradition, als sie für ein NÖN-Interview zur Verfügung steht.

Thailand sollte nur ein dreimonatiger Zwischenstopp bleiben

„Ich bin mit 15 Jahren nach Wien gekommen,“ erzählt Martina Baumer. Nach vierjähriger Ausbildung zur Krankenschwester folgte eine Anstellung im Spital Hera. Nun war endlich Geld da, um die Welt zu erkunden. Ihr erstes großes Abenteuer ging mit einem One-Way-Ticket nach Taiwan.

Ein paar Wochen später lernte die Krankenschwester ihren späteren Ehemann, einen Schweizer, in Thailand kennen. „Wir begegneten uns auf der Insel Koh Samui, sozusagen geblendet vom Vollmond“, lacht Baumer mit ihrem Akzent, der ein bisschen an Arnold Schwarzenegger erinnert.

Die Schmidatalerin reiste einige Zeit später zu ihrem Mann ins Berner Oberland. Dort arbeitete sie in einer Reha-Klinik auf der Kardiologie. Ihre erste Tochter Carla kam 1987 zur Welt und die junge Familie blieb für fünf Jahre in der Schweiz. „Mit unserem Hab und Gut, das wir auf einen Kubikmeter zusammenpackten, ging’s dann wieder nach Thailand“, sprudelt es aus der unternehmungslustigen Powerfrau heraus. Doch Thailand sollte nur ein dreimonatiger Zwischenstopp bleiben, denn ihr Ehemann bekam einen Job bei der staatlichen Forschungsanstalt für Industrielaser in Sydney.

Mitte der 1990er-Jahre zog die Familie in die USA, kurioserweise nach „Lake Zurich“ in der Nähe von Chicago. Martina Baumer bekam keine Arbeitserlaubnis und wurde als „legal alien“ eingestuft. Bald darauf kam 1997 die zweite Tochter Nina zur Welt.

„Da unser Grundstück an ein Naturreservat angrenzt, hören wir die Koalas röhren“Über ihr Heim in Australien

Im Jahre 1999 beschloss die Familie schließlich, nach Australien zu übersiedeln. Sie kaufte sich eine kleine Farm im Bezirk Tweed Shire, 15 Minuten vom Strand entfernt. Martina Baumer besaß nun 30.000 Mango- und Macadamiabäume, Orangen- und Zitronenhaine. Beruflich brachte sie es Down Under bis zur Universitätsdozentin. „Da unser Grundstück an ein Naturreservat angrenzt, hören wir die Koalas röhren, die von September bis März die Brunftzeit haben“, erzählt Baumer.

Für sie sind die Koalas „Eukalyptusjunkies“, da die Blätter wie Baldrian wirken und die Tiere den ganzen Tag „pennen“. Nach 20 Jahren in Australien sollte dann der Anruf ihres todkranken Vaters kommen.

Im Juni 2018 trat sie die Heimreise ins Schmidatal an. Der Vater, Johann Fraisl, verstarb im November. Baumer ist froh, dass sie ihn noch bis zum Tod pflegen durfte, denn die Beziehung war in ihrer Jugend angespannt. „Ich war ein aufgewecktes, vorwärtsstrebendes Kind. Ich ließ mich nicht von meinem Papa, der Polizist war, kontrollieren“, erklärt die „Wieder-Glaubendorferin“ rückblickend.

„Die Devise der Australier lautet: I don’t sweat the small stuff.“Martina Baumer

Während sie ihrem Vater in seinen letzten Lebensmonaten beistand, habe er erkannt, dass seine Tochter so ist wie er. „An seinem Sterbebett sagte er zu meinem Neffen: Wennst einmal was brauchst, dann frag’ Martina,“ erzählt die heimgekehrte Tochter gerührt und berichtet dankbar: „Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll besuchte meinen Vater noch drei Tage vor seinem Tod im Hospiz, denn sie spielten in der Jugend in der gleichen Fußballmannschaft.“

Andrei Minsk/Shutterstock.com, Grafik Bischof
Die gebürtige GlaubendorferinMartina Baumer vor einem Bild„ihres“ Strandes in Australien. Nach 30 Jahren kehrte sie ins Schmidatal zurück, um ihre Eltern zu pflegen. Foto: Andrei Minsk/Shutterstock.com, Grafik Bischof

Auf die Frage, wie sich die Australier von den Österreichern unterscheiden, antwortet Martina Baumer gezielt: „Sie jammern nicht. Man hat manchmal sogar den Eindruck, dass ihnen alles wurscht ist.“ Die Menschen seien gemütlich und entspannt. „Die Devise der Australier lautet: I don’t sweat the small stuff.“

Übersetzt heißt das, dass sie sich nicht um die kleinen Dinge scheren, meint Baumer ganz relaxt. Die wirklichen Probleme am Roten Kontinent sind die Umweltkatastrophen, wie die großen Überschwemmungen und die verheerenden Brände im Jahr 2012. In ihrer Wahlheimat lernte sie, auf sich alleine gestellt zu sein, Probleme kreativ und lösungsorientiert anzugehen.

„Farm verpachtet, bis ich zurückgehe“

„Meine Farm habe ich zurzeit verpachtet, bis ich wieder zurückgehe,“ schildert Baumer, die sich von ihrem Mann mittlerweile getrennt hat. Ihre Farm ist auch ihre Pension. „Wenn man die finanziellen Mittel von ungefähr 200.000 Dollar hat, muss man von diesem Geld leben“, erläutert sie das australische Pensionssystem, „die meisten Australier verkaufen ihr Haus und ziehen in ein kleineres Anwesen“.

Seit Februar arbeitet die Glaubendorferin bei der Volkshilfe in Ziersdorf, seit Mai hat sie die Stationsleitung über. So kann sie sich um ihre pflegebedürftige Mutter kümmern. Was sie an der Heimat besonders liebt? „Die vielen Rehe, den Glühwein, die Kunst, den Heurigen, die Kaffeekultur, Schneeschuhwandern und Langlaufen.“

Auf ihre Töchter, die in der Schule als „hochbegabt“ eingestuft waren, ist sie sehr stolz. Carla ist Anfang 30, arbeitet bei L’Oréal in Wien und führt gerade eine neue Kosmetiklinie für „problematische Haut“ ein. Nina macht ihren Bachelor in „Business of Entertainment Industry and songwriting“ in den USA. Sie ist eine äußerst talentierte Sängerin. „Zu ihrer Abschlussprüfung am 11. Mai singt sie vor Justin Timberlake ein Lied“, berichtet Baumer euphorisch, „natürlich fliege ich da in die States rüber.“ Sogar Hip-Hop-Ikone Missy Elliot wird unter den geladenen Gästen sein. Nina Baumer holte übrigens den ersten Preis bei „Voice“, vergleichbar mit „Deutschland sucht den Superstar“ im Genre „Pop/R&B“.