Erste Frau an Polizei-Spitze. Sonja Wegl steht nach 15 Jahren als Stellvertreterin an Spitze der Göllersdorfer Polizei.

Von Christiane Fürst. Erstellt am 08. September 2021 (05:56)
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Auf gute Zusammenarbeit: Bürgermeister Josef Reinwein begrüßt die neue Postenkommandantin Sonja Wegl. Der Gemeindechef ist froh, dass sie die Gemeinde bereits gut kennt.
Christiane Fürst

Seit knapp fünf Wochen hat Göllersdorf eine neue Polizei-Postenkommandantin – und doch ist es ein bekanntes Gesicht: Sonja Wegl ist seit 17 Jahren in der Gemeinde im Einsatz.

Seit 2006 war sie stellvertretende Postenkommandantin, darum kennt sie die Aufgaben gut und trägt jetzt selbst die Verantwortung. „Es war mein großer Wunsch, auf der Dienststelle, auf der ich schon so lange Stellvertreterin war, Postenkommandantin zu werden“, trat Wegl nun in die Fußstapfen von Herbert Poisinger, der im März in den Ruhestand ging.

„Einen guten Kollegen macht nicht das Geschlecht aus.“
Göllersdorfs Posten-kommandantin Sonja Wegl

Dass die Landespolizeidirektion sich für „ein Mitglied des gut eingespielten“ Teams entschieden hat, freut auch Bürgermeister Josef Reinwein: „Die Sicherheit in der Gemeinde ist uns ein wichtiges Anliegen. Da freut es uns, dass wir eine Postenkommandantin haben, auf die wir schon in den letzten Jahren zählen konnten.“

Schon bevor die Stronsdorferin in Göllersdorf Station gemacht hat, hat es sie in den Hollabrunner Bezirk verschlagen. Nach der Polizeischule zog es die Hundeliebhaberin in die Grenzgegend nach Hardegg. Nach sechs Jahren und der absolvierten Dienstführerausbildung entschied sich Wegl für ihren jetzigen Dienstort und ist dann „dort hängengeblieben“.

Dabei sah es zu Beginn ihrer beruflichen Karriere gar nicht danach aus, dass sie bei der Polizei landen würde: Wegl startete nämlich als Sekretärin ins Berufsleben, wo sie nicht viel Abwechslung erlebte. Nach Gesprächen mit ihrem Bruder und ihrem Onkel, beides Polizisten, habe sie schnell den Entschluss gefasst, ebenfalls Polizistin zu werden. Damals war sie 25 und galt als „Spätzünderin“.

„Ich hasse es, den ganzen Tag nur Wände anzuschauen, deswegen gefällt mir meine Arbeit bei der Polizei so, es ist extrem abwechslungsreich“, sagt Wegl. Es sei einfach kein Tag wie der andere und es gebe eine breite Palette an Aufgaben, die von administrativen Tätigkeiten oder dem Radführerschein bei den Volksschülern bis hin zu Einsätzen in der Justizanstalt reiche. Der Kontakt mit den Menschen mache ihren Beruf so besonders.

Im Bezirk ist Wegl die einzige weibliche Postenkommandantin, auch in den restlichen Führungspositionen gebe es nur wenige Frauen. Schade, wie Wegl befindet, die Frauen den Polizeiberuf empfiehlt. Warum? Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei gegeben. Nur ängstlich dürfe man nicht sein und Bereitschaft zu Nacht- und Wochenenddiensten müsse man mitbringen. Wie ist es, als Frau in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten? „Es gibt keine Vorteile, nur weil man eine Frau ist. Ich habe dieselben Rechte und Pflichten wie die Männer“, sieht die Polizistin keine Unterschiede. In ihrer Dienststelle werde sie respektiert.

Ob Mann oder Frau: „Schmäh muss rennen“

Als sie ihre Karriere als Polizistin einschlug, waren Frauen in diesem Beruf noch eine Rarität, erinnert sich Wegl. Deswegen machte sich ihr erster Postenkommandant Sorgen, wie er mit einer Polizistin umgehen solle. Wegl stellte klar, dass sie so behandelt werden wolle wie ihre Kollegen. „Am zweiten Tag war dann alles normal“, erinnert sie sich. Ob sie mit Männern oder Frauen zusammenarbeite, spiele keine Rolle, der „Schmäh muss rennen“, aber wenn Arbeit da ist, muss richtig angepackt werden. „Einen guten Kollegen macht nicht das Geschlecht aus“, stellt sie klar.

Als junge Polizistin sei ihr im Außendienst ab und zu kein Respekt gezollt worden. Aber: „Da muss man hineinwachsen. Als junger Mensch merkt man, wie man mit den Leuten reden muss, damit sie dich respektieren.“ Ihr Talent, mit Menschen umgehen zu können, machte sich bezahlt, sie habe es immer noch geschafft, jede Situation verbal zu deeskalieren. Außerdem: Die Hemmschwelle bei Angriffen gegen Frauen sei höher.

Wegl will weiterhin auf „mein zusammengewachsenes Team“ setzen. Eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und anderen Blaulichtorganisationen sei ihr wichtig.

Kinder sollen keine Angst vor Polizei haben

Im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit möchte sie bei Kindern ansetzen: Sie will ihnen die Arbeit der Polizei zeigen und etwaige Ängste abbauen. Kinder sollen vor Polizisten keine Angst haben, sondern zu ihnen kommen, wenn etwas passiert ist. Das will die Postenkommandantin in der Schule und bei externen Veranstaltungen im Rahmen der Kinderpolizei erreichen. Außerdem will Wegl, die eine diesbezügliche Ausbildung absolviert hat, Präventionsveranstaltungen gegen Gewalt in der Familie anbieten.