68-Jähriger drohte sogar vor Gericht. Landesgericht Korneuburg: Tiroler Pensionist (68) gibt sich wie Rechtsgelehrter, um dann wieder Morddrohungen auszusprechen.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 15. Oktober 2020 (04:24)
Der Angeklagt, der drei Jahre lang in der JA Göllersdorf unter-gebracht war, wurde erneut in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.
NÖN

Weil er unaufhörlich massive Drohungen, kürzlich auch Morddrohungen, gegen verschiedene Vertreter aus Politik und Justiz sowie gegen deren Familienangehörige ausspricht, beschäftigte ein 68-jähriger Pensionist aus Tirol zuletzt einen Schöffensenat unter Richterin Anna Wiesflecker am Landesgericht Korneuburg. Vor allem ging es darum, ob der Mann, der in der Justizanstalt Göllersdorf untergebracht war, zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war und ob er gefährlich ist.

Psychologischen Sachverständiger beschimpft

„Er hat es jedes Mal wüst schimpfend abgelehnt, sich von mir untersuchen zu lassen“, erklärte der psychologische Sachverständige, der vom Angeklagten als „Scharlatan“ bezeichnet wurde. Der Gutachter führt aus, dass sich beim 68-Jährigen nach einem Obsorgestreit über Jahre hinweg eine wahnhafte Störung entwickelt habe. Er verfüge zwar über einen guten Intellekt, jedoch über keinerlei Kritikfähigkeit und lasse überhaupt keine Erklärungen zu, außer die eigenen. „Er sieht sich berechtigt, diese Handlungen zu setzen“, erklärte der Sachverständige und attestierte eine „geistig-seelische Abartigkeit höheren Grades“.

Man könne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass sich derartige Drohschreiben wiederholen; und es bestehe eine gewisse, aber keine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Mann seine Drohungen wahr macht.

Der Angeklagte selbst, der mit Paragraphen und Aktenzahlen auswendig um sich warf, beklagte unter anderem, dass ihm sein Verteidiger Akten unterschlage; was dieser verneinte: „Ich schicke ihm alles weiter, aber hinter einer Glasscheibe spricht er nicht mit mir.“ Außerdem werde ihm auch ein Laptop und das Testament seiner Mutter verweigert, so der Tiroler. Wegen absichtlich falscher Gutachten habe er selbst Strafanzeigen erstattet. „Die Ärzte von Göllersdorf finden keine Krankheiten bei mir, werden aber nicht als Zeugen zugelassen.“

Seit Februar ist der 68-Jährige in der Justizanstalt Josefstadt untergebracht. „Rechtswidrig“, wie er meint, beweisen zu können.

Staatsanwalt: „Er ist krank und gefährlich“

„Er ist krank und gefährlich. Es will ihm keiner etwas Schlechtes. Man will ihm helfen und das geht nur in einer geschlossenen Anstalt“, erklärt Staatsanwalt Ronald Schaffer, der aus einem Berg von Delikten nun neun Fakten von gefährlicher Drohung und Widerstand gegen die Staatsgewalt anklagte.

„Alles, was ich vorbringe, ist berechtigt und begründet“, sagt der Angeklagte, der seinen IQ mit 145 angibt. Jeder Richter, der Beweise unterschlägt, sei zu eliminieren. Und: „Ich habe von elf Gutachtern sieben verschiedene Diagnose. In drei Jahren in Göllersdorf wurde keine psychische Störung festgestellt.“

Dass nun drei Laien über seine Zukunft entscheiden werden, kommentiert der Tiroler mit: „Viel Spaß bei der Entscheidung. Ich finde auch, dass das Wetter schön ist, deswegen bin ich aber kein Meteorologe.“

Das Urteil lautete schließlich auf weitere Einweisung; auch aufgrund der schlechten Zukunftsprognose. Der Angeklagte meldete mit seinem Verteidiger sofort Nichtigkeit und Berufung an und verabschiedet sich in Richtung Schöffensenat mit den Worten: „Der Mordauftrag wird bestätigt. Viel Spaß. Sie sind tot.“